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Göttingen Neue Hochwasserlinien an der Leine
Die Region Göttingen Neue Hochwasserlinien an der Leine
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19:25 16.03.2012
Von Gerald Kräft
Hochwasser im Februar 2007: Leineaue bei Nörten-Hardenberg.
Hochwasser im Februar 2007: Leineaue bei Nörten-Hardenberg. Quelle: Mischke
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Göttingen

Der niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat dazu die Auswirkungen eines alle 100 Jahre zu erwartenden Hochwassers neu berechnet und eine sogenannte HQ-100-Linie bestimmt, bis zu der sich das Wasser in der Leineaue ausbreiten würde.

Die Überschwemmungsgebiete (ÜSG) an der Leine über eine Länge von 73 Kilometern von Friedland bis Einbeck und Kreiensen sind damit bereits vorläufig gesichert. Die endgültige Festsetzung der Gebiete und der Hochwasserlinie erfolgt jetzt durch die Landkreise und die Stadt Göttingen in einem öffentlichen Verfahren mit Beteiligung von Verbänden. In den von der neuen HQ-100-Linie eingegrenzten Gebieten dürfen schon jetzt ohne Genehmigung kein Grünland umbrochen, die Erdoberfläche erhöht oder vertieft, gebaut, Bäume gepflanzt sowie Stoffe, die den Wasserabfluss hindern können, gelagert werden.

Der beste Hochwasserschutz

Die Stadt Göttingen ist für solch ein Ereignis durch Deiche geschützt. Erst südlich des Leinewehrs am Beginn der Flüthe würde sich das Wasser in die Felder ausbreiten. Von der neuen HQ-100-Linie sind Ortsränder von Bovenden, Niedernjesa und Niedergandern betroffen. Im besiedelten Bereich Göttingens wird der Ausbau der Leine für den Hochwasserschutz 2013 fertiggestellt sein. Ein Hochwasser mit einem Abfluss von 287 Kubikmetern je Sekunde könnte der Stadtverwaltung zufolge dann inklusive eines Freibordes von 50 Zentimetern schadlos abgeführt werden. Ausgelegt wurde die Bemessung auf das Hochwasser von 1981. Das für Göttingen geltende HQ-100 -Ereignis entspricht einem Abfluss von 225 Kubikmetern je Sekunde. Die Maßnahmen zur Deicherhöhung reichten für die besiedelten Bereiche also bei weitem aus, so Verwaltungssprecher Detlef Johannson. Das Verfahren für die Ausweisung des Überschwemmungsgebietes soll in der Stadt  in den kommenden Wochen beginnen.

Hochwasser in Göttingen: Überschwemmungskarte 1909. Repro PH

Im Landkreis Göttingen ist es bereits eingeleitet und soll möglichst noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Das bereits laufende Verfahren für Weser-Fulda-Werra dient als Blaupause für die folgenden Verfahren.

Es gebe keine absolute Sicherheit, aber das Freihalten der Überschwemmungsgebiete sei der beste Hochwasserschutz, so der Landesbetrieb. „Wir müssen mit Statistiken über die Vergangenheit in die Zukunft gucken“, sagt Reinhard Henze vom NLWKN. Benötigt würden möglichst viele Daten. Genaue Berechnungen von Abflussmengen gibt es erst seit den 60er Jahren. landkreisgoettingen.de

Neufestsetzung

Hochwassergefahr

Die Ausweisung von Überschwemmungsgebieten begann 1905 mit dem preußischen Hochwasserschutzgesetz. Die jetzt noch fast überall geltenden Grenzen wurden an den Strömungsbereichen des Hochwassers 1909 ausgerichtet. Für die Festsetzung sind jetzt die Landkreise zuständig, das Land liefert die Daten. Alle Gebiete sollen bis 2012 neu festgesetzt sein, was kaum zu schaffen ist. ft

Im Landkreis Göttingen gibt es festgesetzte Überschwemmungsgebiete an Werra, Fulda, Weser, Schede (Volkmarshausen bis zur Weser), Nieme (Varlosen bis zur Weser), Schwülme (Lödingsen bis Kreisgrenze Northeim), Leine, Garte (Benniehausen bis zur Leine), Rodebach (ab Billingshausen), Rhume (ab Rhumspringe), Eller, Hahle, Nathe (ab Westerode) und Suhle (Germershausen bis zur Hahle). ft