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Göttingen Neue Kuratoren nehmen Arbeit auf
Die Region Göttingen Neue Kuratoren nehmen Arbeit auf
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00:17 10.02.2017
Von Michael Brakemeier
Architekt Sebastian Thaut Quelle: SPF
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Göttingen

Die erste Ausstellung im neuen Kunsthaus ist für Frühjahr 2019 geplant. „Es sollte der Ehrgeiz aller Beteiligten sein, dass das Haus zu einem Treffpunkt wird“, sagte Eskildsen am Dienstag. Ziel müsse es sein, die Jugend ins Museum zu bekommen. Auch solle das Haus nicht nur sein schöner Ort sein, sondern auch ein gastfreundliches Haus werden – „ohne muffelige Begrüßungs-Auguste“. Für den Amerikaner Chuang steht im Mittelpunkt, dass durch die Ausstellung „verschiedene Blicke auf Kunst und die Welt“ nach Göttingen kommen. „Das ist heutzutage sehr wichtig“, sagte er. Der Göttinger Verleger Gerhard Steidl, der 2008 gemeinsam mit dem damaligen Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) die KuQua-Idee erstmals vorstellte, ergänzte, dass das Kunsthaus ein „Haus für junge Leute und für alle Nationalitäten und ein Haus der Begegnung“ sein soll. Ziel sei es, zeitgenössische Kunst aus aller Welt in Göttingen zu zeigen. Diese fehle derzeit in Göttingens Kunstlandschaft.

 

Weil bislang geeignete Ausstellungsräume in der Stadt gefehlt haben. Mit dem neuen Galeriehaus entstehen diese nun. Mehr als 700 Quadratmeter Fläche und drei Ausstellungsräume bietet das neue Haus in der Düsteren Straße, das das Atelier ST aus Leipzig aus Backstein bauen will. „Wir sind mit Volldampf dabei“, sagte Architekt Sebastian Thaut. Ende 2018 soll das Kunsthaus fertig sein. Die Kosten dafür sind mit 3,62 Millionen Euro veranschlagt. Das Projekt Kunstquartier erhält aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ eine Förderung von 4,5 Millionen Euro.

Für die Anfangsphase soll es zwischen 2018 und 2020 eine Gründungsdirektion geben, deren Vorsitz Steidl übernimmt. Zu ihren Aufgaben zählen unter anderem die Ausstellungskonzeptionen, Organisation, Pressearbeit oder Einarbeitung von Mitarbeitern speziell im Umgang mit Kunstwerken. Derzeit berät Eskildsen die Stadt auch bei der baulichen Planung und der Konzeption für das Haus.
Kulturdezernentin Petra Broistedt sicherte am Dienstag „möglichst günstige“ Eintrittspreise für die Ausstellungen an. Momentan prüft die Verwaltung für den Betrieb des Kunsthauses die Gründung einer gemeinnützigen GmbH (gGmbH). Diese könne, so Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD), Sponsoren und Spenden einwerben. Er geht davon aus, dass die Stadt für den Betrieb des Kunsthauses jährlich 180000 Euro bereitstellen muss. Inzwischen gebe es eine feste Zusage eines Sponsors für die Förderung des Kunsthauses bis Ende 2021. Denkbar, so Köhler, sei auch das Sponsoring einzelner Ausstellungen. Für Köhler ist das Kunsthaus eine Verstärkung, keineswegs Konkurrenz, für die „spannende Göttinger Kunstszene“.

Kuratoren für das Kunsthaus

Die 67-jährige Ute Eskildsen ist Fotografin, Fotohistorikerin und Kuratorin. Nach Lehre und Studium erhielt sie 1978 den Auftrag, am Museum Folkwang eine fotografische Abteilung aufzubauen. Die Fotografische Sammlung am Museum Folkwang, die Eskildsen geleitet hat, zählt heute zu den bedeutendsten  fotografischen Sammlungen des Landes. 1991 wurde sie stellvertretende Direktorin des Museum Folkwang. Von 2012 bis 2015 war Ute Eskildsen Gastprofessorin an
der University of Wales, seit 2012 arbeitet sie als freie Kuratorin und Beraterin.
Joshua Chuang, 1976 geboren, ist Leiter der Wallach Division of Art, Prints, & Photographs der New York Public Library und verantwortlicher Kurator für Fotografie. Chuang war Chefkurator des Center for Creative Photography in Tucson und der Yale University Art Gallery. Dort war er der erste Kurator für Fotografie überhaupt. Er konzipierte unter anderem die Retrospektive „Robert Adams: The Place We Live“, die auch in Europa zu sehen war, und die Ausstellungen „First Doubt: Optical Confusion in Modern Photography“.

Vier Ausstellungen für 2019

Das Kunsthaus Göttingen soll 2019 mit einer von Utes Eskildsen kuratierten Gruppenausstellung von Sven Johne (Berlin) Sebastian Stumpf (Leipzig) und Clare Strand (Brighton) eröffnet werden, die sich sowohl mit dem „stillen“ Bild als auch mit bewegten Bildern auseinandersetzen. Die im Anschluss von Joshua Chuang kuratierte Ausstellung zeigt Werk des südafrikanischen KünstlersSantu Mofokeng (Johannesburg). Sie werde eine Brücke schlagen von Mofokengs Anfängen als »street photographer« hin zu seinen Landschaftsbildern, „in denen er soziale, ökologische und historische Bezüge“ reflektiere. Einem lokalen Grafiker widmet sich die dritte Ausstellung. Die Schau von Karl-Heinz Fehrecke, der in Göttingen zum Lithografen ausgebildet wurde, zeigt seine Plakate des »Deutschen Wirtschaftswunders«. Die vierte, 2019 geplante Ausstellung soll ein neues Projekt der britischen Fotokünstlerin  Lisa Barnard (Brighton) präsentieren.