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Göttingen „Haus der Nationen“ soll zentrale Unterkunft für Flüchtlinge werden
Die Region Göttingen „Haus der Nationen“ soll zentrale Unterkunft für Flüchtlinge werden
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19:07 27.08.2018
Neue Pläne für „Haus der Nationen“ in Münden: Im ehemaligen Vereinskrankenhaus soll das „Neumündener Begegnungszentrum“ entstehen. Quelle: Christina Hinzmann / GT
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Göttingen

Die bislang in der Unterkunft in Wollershausen lebenden Flüchtlinge sollen ab Januar 2019 in das Mündener „Haus der Nationen“ im inzwischen umgebauten, ehemaligen Vereinskrankenhaus umziehen. Das geht aus Vorlagen der Kreisverwaltung zur nächsten Sitzung des Sozialausschusses des Kreistages hervor.

Daraus geht ebenfalls hervor, dass künftig deutlich weniger Menschen in der Mündener Flüchtlingsunterkunft wohnen sollen als vorgesehen. Ursprünglich waren Plätze für rund 250 Flüchtlinge geplant.

Ursprünglich waren Plätze für rund 250 Flüchtlinge geplant. Quelle: CH

In dem neuen, nun vorgelegten Zukunftskonzept für das Haus soll nur noch Platz sein für rund 90 Personen. Für 60 Flüchtlinge stehen danach 22 abgeschlossene Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen mit eigener Küche und Kochnische zur Verfügung. „Der Wohnraum wird preisgünstig vorwiegend an Flüchtlinge vermietet“, heißt es dazu. Weitere 30 „vorrangig alleinreisende“ Flüchtlinge können künftig im Gartenhaus mit Gemeinschaftsküche unterkommen. Hier werde allerdings derzeit geprüft, ob das Gebäude auch für eine Nutzung als Tagespflege- oder Kurzpflegeeinrichtung geeignet ist. Erste Gespräche mit interessierten Trägern habe es inzwischen gegeben, heißt es aus der Verwaltung.

Rücksicht auf familiäre Bindungen

Derzeit leben nach Angaben von Ulrich Lottmann, Sprecher des Landkreises, im Haus der Nationen acht Personen. Im Landkreis Göttingen würden Flüchtlinge grundsätzlich auch dezentral untergebracht. Bei der Verteilung auf die Gemeinden werde etwa auf familiäre Bindungen Rücksicht genommen. „Deshalb ist das im Moment eine eher geringe Zahl, die sich aber jederzeit ändern kann“, erläutert Lottmann.

„Die Belegung des Haus der Nationen soll vorrangig durch Umzüge aus der Flüchtlingswohnanlage Wollershausen erfolgen“, schlägt die Kreisverwaltung weiter vor. Dort sind derzeit 78 Personen untergebracht, Platz ist für 120. Die Wollershäuser Flüchtlinge sollen im Januar 2019 nach Hann. Münden umziehen.

„Die Belegung des Haus der Nationen soll vorrangig durch Umzüge aus der Flüchtlingswohnanlage Wollershausen erfolgen“, schlägt die Kreisverwaltung weiter vor. Quelle: Christina Hinzmann

„Hierbei wird darauf geachtet, dass [...] Familien mit Kindern, soweit gewünscht, in Wollershausen verbleiben, damit die Kinder weiterhin im vertraut gewordenen Umfeld der Kindertagesstätte bzw. die Schule besuchen können“, schlägt die Verwaltung vor. Die Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung Südniedersachsen (GAB), deren alleiniger Gesellschafter der Landkreis Göttingen ist und die die Unterkunft betreibt, soll im kommenden Jahr für die Unterkunft ein Nutzungskonzept zu erstellen.

Weniger Flüchtlinge kommen in den Kreis Göttingen

Hintergrund der Umstrukturierungen ist die gesunkene Zahl von Flüchtlingen, die der Landkreis aufnehmen muss. So sind die Flüchtlingszuweisungen durch die Landesaufnahmebehörde Niedersachsen seit 2016 zurückgegangen. Waren es 2016 für den Altkreis noch 379, sank die Zahl 2017 auf 78. In 2018 hat der Kreis bis Ende Juni vier Personen aufgenommen. „Die aktuelle Aufnahmequote des Landkreises beträgt 22 Personen. Es handelt sich um die niedrigste Aufnahmequote in Niedersachsen“, erklärt die Kreisverwaltung. Diese Prognose des Landes gelte zunächst bis Ende September. „Ob das so eintrifft, ob die Quote fortgeschrieben – das heißt, der Zeitraum verlängert – oder mit Ablauf des dritten Quartals eine neue Aufnahmequote mit neuer Laufzeit festgelegt wird, ist derzeit offen“, erläutert Lottmann.

Auf der Suche nach einem „tragfähigen Zukunftskonzept“. Quelle: CH

Die gesunkenen Flüchtlingszahlen ermöglichten im „Haus der Nationen“ eine „integrationsfördernde und längerfristig angelegte Unterbringung in eigens dafür konzipierten Wohneinheiten und mit hohem Qualifizierungsanteil“, heißt es in der Vorlage für den Sozialausschuss weiter. Eine Steuerungs- und Projektgruppe sei für die Erarbeitung eines „tragfähigen Zukunftskonzeptes“ für das Haus eingerichtet. Die Schwerpunkte der Nutzung seien nach Gesprächen mit potenziellen Nutzern und Mietern inzwischen außer Wohnen unter anderem auf Flüchtlingssozialarbeit, Bildung, Qualifizierung und berufliche Integration, Begegnungsstätte und Stadtteilzentrum sowie ein Bistro als Inklusionsbetrieb gelegt.

1,2 Millionen Euro für 2019 veranschlagt

Nach Kalkulationen der Kreisverwaltung beträgt der finanzielle Aufwand für das Haus der Nationen inklusive Sicherheitsdienst und Bistro sowie die Flüchtlingswohnanlage Wollershausen im kommenden Jahr rund 1,2 Millionen Euro. Entsprechende Mittel sollen in den Haushalt für 2019 eingestellt werden.

Die Sitzung des Sozialausschusses beginnt am Dienstag, 28. August, um 16 Uhr im Sitzungssaal 018 im Göttinger Kreishaus, Reinhäuser Landstraße 4.

Von Michael Brakemeier

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