Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Neue Wildwarner sollen Unfallzahlen senken
Die Region Göttingen Neue Wildwarner sollen Unfallzahlen senken
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:24 27.05.2019
Begegnungen mit Reh, Fuchs und Wildschwein gehört zu den häufigsten Unfallursachen.
Begegnungen mit Reh, Fuchs und Wildschwein gehört zu den häufigsten Unfallursachen. Quelle: dpa
Anzeige
Göttingen

 Laut einer von der Unfallforschung der Versicherer in Auftrag gegebenen Studie, an der auch Forscher der Universität Göttingen beteiligt waren, zeigen die derzeit vielerorts verwendeten blauen, akustischen oder mehrfarbigen Wildwarnreflektoren kaum eine Wirkung. Es war zu beobachten, dass direkt nach der Installation die Unfallzahlen auf den entsprechenden Strecken leicht zurückgingen. Nach einer Gewöhnung stiegen sie aber wieder an.

Auch wenn der Trend des Vorjahres leicht rückläufig ist, bleibt die Begegnung mit einem Wildtier auf der Straße eine der häufigsten Unfallursachen. Bundesweit gibt es laut Statistik täglich 750 Unfälle, landkreisweit immerhin mehr als drei. Für die CDU-Fraktion im Göttinger Kreistag Grund genug, nach alternativen Schutzmaßnahmen zu suchen.

Als Unfallprävention appellieren Polizei und Kommunen auch an das Verhalten der Autofahrer. Quelle: dpa

In ihrem bereits im Januar vorgelegten Antrag schlägt die Fraktion vor, das sogenannte Wildwarnsystem „Tag und Nacht“ eines Herstellers aus Österreich zu testen. Dieses erkennt nahende Fahrzeuge und sendet einen akustischen Warnton und rotes LED-Licht, um in der Nähe befindliche Tiere zu vergrämen. Außerdem kommunizieren die solarbetriebenen Geräte untereinander, sodass die Warnung entlang der Strecke weitergegeben wird.

Wirksamkeit noch nicht bewiesen

In der Stellungnahme der Kreisverwaltung heißt es zu dem Vorstoß: Trotz der bisher gemachten Erfahrungen stehe der Landkreis einer weiteren Testreihe positiv gegenüber. Diese müsse allerdings über mindestens zwölf Monate an mehreren Standorten durchgeführt werden. Die Ergebnisse sollten außerdem mit den Erfahrungen aus anderen Bundesländern, wo die Geräte bereits installiert wurden, abgeglichen werden.

Wildwechsel ist eine der häufigsten Unfallursachen im ländlichen Raum. Quelle: dpa

Denn bisher gibt es noch keine statistischen Belege dafür, dass die Angaben des Herstellers, die Unfallzahlen um 90 Prozent reduzieren zu können, der Realität entsprechen. Demzufolge gibt sich auch Kreisjägermeister Axel Eichendorff skeptisch. „Die Lernfähigkeit unserer Schalenwildarten, insbesondere der Wildschweine, wird einfach unterschätzt.“ Nach kurzer Zeit wüssten die Tiere, dass von diesen Vorrichtungen keine Gefahr für sie ausgehe.

Bevor man größere Beträge für ein solches System ausgebe, sollten die Tests abgewartet und weitere Fragen zur Alltagstauglichkeit beantwortet werden. Immerhin berechne der Hersteller 8000 Euro pro Kilometer für sein Produkt. Die Testinstallation an vier Strecken, die der Kreistag jetzt einstimmig beschlossen hat, kostet den Landkreis allerdings noch nichts.

Von Markus Scharf