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Göttingen Stadt Göttingen stellt Integrationskonzept für Flüchtlinge neu auf
Die Region Göttingen Stadt Göttingen stellt Integrationskonzept für Flüchtlinge neu auf
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10:25 12.12.2018
Sozialdezernentin Petra Broistedt im Gespräch mit ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Die Stadtverwaltung Göttingen hat das inzwischen vier Jahre alte Konzept zur Integration von geflüchteten Menschen überarbeitet. Am Dienstag hat Sozialdezernentin das 36 Seiten starke Werk vorgestellt. Es setzt auf mehr dezentrale Unterbringung von geflüchteten Menschen und die Stärkung von ehrenamtlichen Helfern.

Das Kernziel des Konzeptes ist die Schaffung von Wohnraum, um eine dezentrale Unterkunft außerhalb von Sammelunterkünften für möglichst alle Flüchtlinge im Göttinger Stadtgebiet bieten zu können. Die eigene Wohnung sei ein wichtiger Schritt im Intergrationsprozess, begründet die Sozialverwaltung. Doch der leer gefegte Wohnungsmarkt in Göttingen macht der Stadtverwaltung beim Erreichen des Ziels jedoch einen Strich durch die Rechnung: „Wir werden nicht mit freien Wohnungen zugeschüttet“, sagt Sozialdezernentin Petra Broistedt.

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Verstärkte Anstrengungen bei der Wohnraumbeschaffung

Hier soll nun das von Maik Grote vom Büro für Integration überarbeitete Konzept zur Integration von geflüchteten Menschen ansetzen. So will die Verwaltung etwa verstärkte Anstrengungen bei der Wohnraumbeschaffung unternehmen, um eine dezentralen Wohnraumversorgung für Flüchtlinge zu erreichen.

Unterstützend dazu hat die Verwaltung eine Wohnraumkampagne gestartet, mit der sie freie Wohnungen sucht. 42 Belegrechte habe sie inzwischen bei der Städtischen Wohnungsbau gekauft, erklärt Broistedt. Gespräche mit weiteren Beteiligten des Göttinger Bündnisses für Wohnen führe sie derzeit.

Die Flüchtlingsunterkunft am Schützenanger ist marode. Quelle: Christina Hinzmann / GT

Auslöser für die Konzeptüberarbeitung war nach Broistedts Angaben der Ratsbeschluss, die Sammelunterkunft auf der Siekhöhe am 30. Juni 2019 zu schließen. Hier sind derzeit noch 74 Flüchtlinge untergebracht. Hinzukommt die Schließung der maroden Container-Unterkunft auf dem Schützenanger. Nach Angaben der Verwaltung werden in Göttingen bis 2019/2020 347 weitere Unterkunftsplätze für geflüchtete Menschen benötigt. Abhilfe könnte eine neue Sammelunterkunft am Schützenanger schaffen. Hier sind 200 Plätze geplant.

Stadtverwaltung will für Ehrenamt werben

Darüber hinaus will die Stadtverwaltung laut überarbeitetem Konzept gezielt um Ehrenamtliche für die Begleitung von dezentral untergebrachten Geflüchteten werben. Die Ehrenamtlichen könnten den Flüchtlingen helfen, sich im ungewohnten, fremden Alltag in Deutschland und Göttingen zurecht zu finden – von rechtlicher Unterstützung bis hin zur Hilfe bei der Mülltrennung.

Für Broistedt ist die Integration von geflüchteten Menschen eine „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“. Sie lobte das bisherige ehrenamtliche Engagement zahlreicher Göttinger in der Flüchtlingshilfe. Dieses Potenzial soll weiter genutzt werden. Derzeit, so Broistedt, lebten in Göttingen rund 2000 Menschen mit „Flüchtlingshintergrund“.

Beispiel Bonveno

Ein Beispiel von der Bonveno GmbH, die die Unterkünfte auf den Zietenterrassen und auf dem Holtenser Berg betreibt, gibt Einblicke in die ehrenamtliche Arbeit. So seien 2018 175 Hilfsangebote von Göttingern eingegangen. „Jeden konnten wir mit aktuellen und ehemaligen Bewohnern zusammenbringen“, schildert Annabel Konermann, Ehrenamtskoordinatorin bei Bonveno. Von den 175 seien 105 neue ehrenamtliche Helfer. 44 Prozent der Hilfsangebote kamen von Studenten, 62 Prozent von Frauen

Der Bedarf an Helfern sei aber längst nicht gedeckt. „Vielen Geflüchteten können wir nicht mit einem deutschen Gesprächspartner helfen. Viele leben isoliert, weil sie nicht allein den Weg oder die Überwindung zu den diversen ,Flüchtlings-Angeboten’ in der Stadt schaffen, erklärt Konermann.

Fortbildung, Schulung und Coaching

Die ehrenamtlichen Helfer sollen laut neuem Konzept „in einer neu zu konzipierenden Qualifizierungsmaßnahme“ auf ihre Aufgaben darauf vorbereitet werden. Regelmäßige Fortbildungs-, Schulungs- und Coachingveranstaltungen für Ehrenamtliche sind außerdem in Planung. Die Stärkung des Ehrenamtes sei das Ziel.

Sitzung des Ausschusses für Soziales, Integration, Gesundheit und Wohnungsbau im Ratssaal Neues Rathaus Göttingen am 15.05.2018: Bürger und Flüchtlinge dürfen Fragen zur Unterbringung von Flüchtlingen stellen. Es geht vor allem um den Fortbestand der Sammelunterkunft auf der Siekhöhe. Quelle: CH

Die Verwaltung sieht bei der Begleitung von dezentral untergebrachten Geflüchteten eine enge Zusammenarbeit zwischen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen vor. „Es hat sich gezeigt, dass das Ehrenamt ein wichtiger Eckpfeiler im Integrationsprozess von Geflüchteten ist“, sagte Broistedt. Mit den nun erarbeiteten Schwerpunkten solle dieser Prozess weiter gestärkt werden.

Mit städtischen Flüchtlingssozialarbeiterinnen abgestimmt

„Es gibt eine Vielzahl an Maßnahmen und Projekten in der Stadt Göttingen, die zur Integration von Geflüchteten in unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft beitragen“, heißt es in dem Konzept. Seine Neuauflage sei mit den städtischen Flüchtlingssozialarbeiterinnen und den hauptamtlichen Ehrenamtskoordinatoren von Stadt Göttingen, Migrationszentrum, Bonveno, Rotem Kreuz und Johanniter abgestimmt worden. Umgesetzt werden soll das Konzept, so Broistedt, mit den „Bordmitteln“, die der Flüchtlingssozialarbeit im Haushalt zur Verfügung stehen. Das Personal sei in dem Bereich um anderthalb Stellen aufgestockt worden.

Die Sozialpolitiker des Rates haben das Konzept ohne weitere Diskussion zur Kenntnis genommen. Mehr zur Integration von Flüchtlingen ist auf der Seite der Stadt unter goe.de/integrationskonzept abzurufen.

Von Michael Brakemeier