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Göttingen Auf der Suche nach Asbest: Neues Rathaus in Göttingen vor Sanierung
Die Region Göttingen Auf der Suche nach Asbest: Neues Rathaus in Göttingen vor Sanierung
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16:43 29.01.2019
GOE-NeuesRathaus Stand Sanierung Neues Rathaus, v.a. vor dem Hintergrund Mitteilung der Stadt zum Thema Asbest und Co. Quelle: Peter Heller
Göttingen

Pünktlich mit Beginn der zweiten Jahreshälfte soll es losgehen: Ab dem 1. Juli, so die derzeitige Planung der Verwaltung, beginnen die Arbeiten am so genannten „3. Bauabschnitts“ der Sanierung des Neuen Rathauses – gemeint ist der Anbau an der Reinhäuser Landstraße mit 4800 Quadratmetern Bürofläche, in dem derzeit unter anderem noch das Stadtarchiv untergebracht ist.

8,2 Millionen für Sanierung Teilgebäude

„Vorab finden bereits im sonstigen Bereich des Neuen Rathauses – Turm und Amtshaus – kleinere Umbau- und Sanierungsmaßnahmen statt, damit die derzeit im dritten Bauabschnitt untergebrachten Personen umziehen können“, erläutert Dominik Kimyon.

8,2 Millionen Euro will die Stadt Göttingen für die Sanierung des Teilgebäudes investieren. Außenfassade, Fenster, Heizung, Sanitäranlagen, Dämmung, Lüftung, Elektro- und EDV-Leitungen sollen in den kommenden zwei Jahren saniert, die Aufteilung des Büros verbessert und zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.

Dauerhafter Umzug des Stadtarchivs

Das Stadtarchiv soll dann dauerhaft ausgelagert werden und in eine gemietete Hallen an der Weender Landstraße umziehen. So können insgesamt 70 weitere Arbeitsplätze im Neuen Rathaus geschaffen werden. Ab dem zweiten Quartal würden dann auch die Baumaßnahmen am neuen Archivstandort beginnen, erläutert Kimyon weiter. Der Umbau der Halle für Archivzwecke ist mit 1,5 Millionen Euro veranschlagt. Die jährliche Miete beläuft sich hier dann auf 102 000 Euro.

Die Gesamtsanierung des Turms mit seinen 20 000 Quadratmetern und des Amtshauses wurden auf den Zeitraum nach 2023 verschoben. Ursprünglich sollte ab 2022 saniert werden – für zusammen 36 Millionen Euro.

Verwaltung lässt nach Asbest suchen

Angst vor unerwarteten Asbestfunden in dem in den späten 70er-Jahren gebauten Rathaus hat die Verwaltung nicht. „Bei den Proben für die anstehenden Sanierungsarbeiten im sogenannten 3. Bauabschnitt wurden bislang keine Asbestfasern gefunden. Sollten sich beim Fortschritt der Sanierungsmaßnahmen positive (= belastete) Proben ergeben, wird selbstverständlich entsprechend der geltenden Vorschriften gehandelt und das Material fachgerecht entsorgt“, hieß es noch Ende des Jahres in einem verwaltungsinternen Schreiben. „Inzwischen, so Kimyon, seien weitere Proben genommen, um die Situation „detaillierter“ zu untersuchen. „Die Ergebnisse sind noch nicht da.“

Andernorts hat es inzwischen aber geringfügig belastete Proben gegeben. „Im Vorfeld der Baumaßnahmen für die Umzüge im Neuen Rathaus wurden gezielt an den betroffenen Orten Proben genommen und analysiert“, erläutert Kimyon. Dabei haben Sachverständigen gezielt an ausgewählten Stellen Proben aus Wand und Boden genommen, diese an ein Institut zur weiteren Untersuchung geschickt.

„Fachgerechte“ Entsorgung

Das Ergebnis der gemachten Proben: Vier von 27 entnommenen Proben waren „geringfügig“ belastet. „Diese asbestbelasteten Bauteile werden fachgerecht entsorgt beziehungsweise die vorgesehenen Baumaßnahmen werden an den betroffenen Stellen nicht durchgeführt“, sagt Kimyon zum weiteren Vorgehen. Es werde jeweils ein Sanierungskonzept erstellt, die Maßnahmen ausgeschrieben und von Fachfirmen ausgeführt.

Die jetzigen Untersuchungen bezögen sich auf Asbestzumischungen in Putzen, Spachtelmassen oder Klebern, bei denen sich die Asbestfasern im gebundenen Zustand befänden. „Diese sind nicht gesundheitsgefährdend, solange sie nicht verändert werden“, sagt Kimyon.

Untersuchungen bereits in den 90er-Jahren

Schon in den 90er-Jahren habe es im Neuen Rathaus Untersuchungen „an den damals üblicherweise asbesthaltigen Bauteilen“ gegeben, schildert Kimyon. „Alle Stellen, an denen schwach gebundenes Asbest gefunden wurde, sind seit Langem entsorgt saniert.“

Wegen der aktuellen Untersuchungsergebnisse geht die Verwaltung nun davon aus, „dass bei einer umfassenden Analyse voraussichtlich weitere belastete Bauteilen gefunden werden“. Diese Untersuchungen würden aber erst vor den konkreten Sanierungsplanungen erfolgen – für Hauptgebäude und Amtshaus also erst nach 2023.

Kimyon stellt klar: Für die Sanierung werden die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, sowohl wenn sie während des Betriebs bei einzelnen kleinen Maßnahmen oder als Gesamtsanierung bei einer sowieso notwendigen Auslagerung der Mitarbeiter durchgeführt werden. Ein Notfallplan für eine Auslagerung der Verwaltung hält Kimyon daher nicht für erforderlich.

NDR muss Bürogebäude wegen Asbest schließen

Ende vergangenen Jahres hatten Asbestfunde in einem 1975 gebauten Büro-Hochhaus des NDR in Hamburg für Aufsehen gesorgt. In der Raumluft hatten Gutachter Asbestfasern nachgewiesen. Der NDR musste die rund 300 Arbeitsplätze provisorisch an anderer Stelle unterbringen. Inzwischen hat der NDR entschieden, das Gebäude abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen.

Asbest

Seit 1993 ist Asbest verboten. Der Stoff, der in unterschiedlichster Anwendung auch beim Hausbau Verwendung fand, gilt nach der Gefahrstoffverordnung als stark krebserzeugender Gefahrstoff. Gesundheitsgefährdend ist dabei das Einatmen von Asbestfasern.

Unterschieden wird zwischen schwach und stark gebundenen Asbestprodukten. Schwach gebundene – etwa Spritzasbest, Fugenkitt oder Nachtspeicheröfen – könnten durch Alterung und äußere Einwirkungen, etwa Erschütterungen und Beschädigungen, Asbestfasern in die Raumluft freisetzen. Von stark gebundenen Asbestprodukten, wie etwa Dachplatten, gehe nach Auskunft der Gewerbeaufsicht in Niedersachsen in der Regel keine Gefahr aus.

Asbesthaltige Abfallstoffe sind als gefährlicher Abfall eingestuft. Nach Angaben der Gewerbeaufsicht ist nur Personen, die ihre Sachkunde durch die erfolgreiche Teilnahme an einem behördlich anerkannten Lehrgang nachweisen können, der Umgang mit Asbest erlaubt. Asbesthaltige Materialien und Abfälle dürfen nur auf dafür zugelassenen Deponien abgelagert werden. mib

Sie erreichen den Autor unter

E-Mail: m.brakemeier@goettinger-tageblatt.de

Twitter: @soulmib 

Facebook: michael.brakemeier

Von Michael Brakemeier

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