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Göttingen Hald: „Wir brauchen ein starkes Europa“
Die Region Göttingen Hald: „Wir brauchen ein starkes Europa“
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00:21 21.01.2019
Das Göttinger Symphonie-Orchester. Quelle: Richter
Göttingen

Und plötzlich kann die Sparkassen-Arena auch Gala: Die vornehmlich dem Schulsport des angrenzenden Otto-Hahn-Gymnasiums vorbehaltene Edelsporthalle mag zwar auch bei den Heimspielen des Basketball-Bundesligisten BG Göttingen und einigen anderen größeren regionalen Sportveranstaltungen in besonderem Glanz erstrahlen. Beim ersten in der S-Arena ausgerichteten Neujahrsempfang der Sparkasse Göttingen sorgte der Namensgeber allerdings für ein besonders hochwertiges Ambiente. Aus der Sporthalle wurde ein exzellenter Konzert- und Festsaal mit Stuhlreihen für 1500 Gäste.

Rainer Hald, Vorstandsvorsitzender der Göttinger Sparkasse, hat am Freitagabend 1500 Gäste beim Neujahrsempfang begrüßt – zum ersten Mal in der S-Arena.

Und auch das Areal vor der Arena erhielt ein mehr als kosmetisches Facelift. Auf dem Schützenplatz hatte das Team des Städtischen Bauhofs dafür gesorgt, dass die Besucher trockenen Fußes über den oftmals tiefe Pfützen aufweisenden Schotterplatz in die Arena kamen. Die in der Hallenmitte aufgebaute Tribüne nutzte nicht nur der Sparkassen-Vorstandvorsitzende Rainer Hald für seine Neujahrsansprache. Das Göttinger Symphonie Orchester – erstmals unter der Leitung von Jason Weaver – und die Göttingerin Hanna Carlson machten aus dem Empfang ein Konzert-Happening.

Ungeschminkt gesellschaftskritisch

Im Mittelpunkt des Abends stand Halds Neujahrsrede. Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Göttingen bekam für seine bisweilen ungeschminkt gesellschaftskritische, letztlich aber viel Mut und Hoffnung machende, weil Perspektiven aufzeigende Ansprache reichlich Applaus. Bevor Hald die neuen Perspektiven betonte, ging er US-Präsident Donald Trump, China, Russland, Italiens Regierung sowie die Engländer wegen des Brexit-Chaos‘ hart an. In Richtung der beiden Wirtschaftsschwergewichte USA und China sowie Russland sagte Hald: „Sowohl die Freiheit, mit hervorragenden Produkten in der Welt neue Marktanteile zu erobern, als auch die Sicherheit, in einem westlichen Bündnis vor Angriffen von außen sicher zu sein, sind so gefährdet wie nie zuvor. Die USA und China positionieren sich als mächtige Handelskrieger, und bombardieren sich und die Weltwirtschaft mit immer neuen Big Bangs an Zoll- und Handelshemmnissen. Sie cybern in den Daten- und Telefonnetzen – gegenseitig und bei Dritten – und sie rauben dort Know-how und persönliche Informationen wie einst die Piraten.“

So schafften sie sich einen rechtsfreien Raum und amüsierten sich über den „geradezu preußisch-peniblen Umgang“ mit der Einführung einer Datenschutzgrundverordnung in Deutschland, kritisierte Hald und fügte mahnend an:. „Hier drangsalieren wir in Deutschland kleine Vereine und Geschäftstreibende mit einer unglaublichen Bürokratie, während zu gleicher Zeit Chinesen, Russen und Amerikaner durch die Netze geistern, und dort rauben, lauschen und manipulieren, wie sie gerade wollen.“

Nationalen Egotrips Einhalt gebieten

Die Deutschen müssten nun aufpassen, nicht den „Teppich unter den Füßen weggezogen zu bekommen“. Das werde allerdings nicht im Alleingang gelingen, mahnte Hald und fügte an: „Es muss uns Deutschen zusammen mit unseren europäischen Nachbarn sehr schnell gelingen, zusammenzustehen und nationalen Egotrips Einhalt zu gebieten.“ Dafür brauche es ein starkes, aufeinander abgestimmtes Europa. Ein Europa, das wie jedes erfolgreiche Wirtschaftsunternehmen auch bereit sein müsse, sich Veränderungen anzupassen und dabei die Besonderheiten jedes einzelnen Staates berücksichtige. „Das ist erforderlicher denn je, denn derzeit gibt es keine Alternative zu Europa“, unterstrich Hald.

Der Finanz-Experte wagte zudem einen Ausblick auf die Wirtschaft 2019. Dabei forderte er „enorme Investitionen“ in ein Web 4.0, schnelle und sichere Netze, Sicherheit, Forschung, Bildung und die Erneuerung der vielerorts veralteten Infrastruktur. Hald geht zudem davon aus, dass die Staaten alles tun werden, um die Zinsen niedrig zu halten. „Deshalb werden bei weiterhin niedrigen Zinsen diejenigen Unternehmen profitieren, die das billige Geld schon heute dafür einsetzen, um sich auf die neuen Herausforderungen erfolgreich vorzubereiten“, sagte Hald.

Zurückhaltende Zinserhöhungen

2019 werde für ihn das Jahr der Wahrheit. „Brexit, Handelskrieg und Populismus. Wir stehen an einer Weggabelung. Ich gehe jedoch nach wie vor vom Sieg der Vernunft aus“, sagte Hald. Deswegen rechne er damit, dass es in den USA nur zurückhaltende Zinserhöhungen geben werde, ein weiterhin niedriges Zinsniveau in Europa und einen schwankenden Dax, der sich zwischen 10 000 und 13 000 Punkten bewegen werde.

Den zweiten Teil seiner Rede widmete Hald all jenen, die die Gegenwart nicht nur als bedrohlich und riskant einschätzen, sondern sie mit großem persönlichen Engagement zum Positiven verändern wollen. „Kurswechsel zur Schaffung neuer Perspektiven hängen an Menschen“, betonte Hald und zählte Göttinger Erfolgsgeschichten auf. Zu ihnen gehörte unter anderen der Göttingen Campus, das Forum Wissen, die preisgekrönte UMG und die Akutgeriatrie des Evangelischen Krankenhauses Weende und auch die Basketball-Grundschul-Liga.

Von Mark Bambey

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