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Göttingen Neuseeland fordert Maori-Köpfe zurück
Die Region Göttingen Neuseeland fordert Maori-Köpfe zurück
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15:33 16.07.2010
Von Britta Bielefeld
Öffentlich seit 1991 nicht zu sehen: Nicole Zornhagen zeigt den Maori-Männerkopf in einer Vitrine mit Maori-Motiven. Quelle: Hinzmann
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Im Magazin, verpackt in Papier und Karton und verschlossen in einem Schrank, werden die beiden Göttinger Köpfe zurzeit aufbewahrt. Ausgestellt werden sie seit 1991 nicht mehr, oder nur sehr selten. Hintergrund ist die Diskussion um die Rückführung von Exponaten – besonders von menschlichen Relikten – in ihre Ursprungsländer.

Der Göttinger Wissenschaftler Johann-Friedrich Blumenbach (1752-1840) hat die beiden präparierten Köpfe im Jahr 1834 gekauft. „Wie genau sie nach Europa gekommen sind, das wird noch recherchiert“, sagt der Kustos der Ethnologischen Sammlung, Gundolf Krüger. Sicher ist: In dieser Zeit waren Objekte aus Übersee beliebte Forschungs- und Sammlungsgegenstände. Neuseeland war englische Kolonie, Händler, die sich dort niedergelassen hatten, brachten auch die Köpfe nach England und nach ganz Europa.

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Die beiden Göttinger Stücke – ein Mann und eine Frau – stammen von der Westküste der Nordinsel. „Das ist an den Tatauierungen erkennbar“, erklärt Krüger. Wissenschaftler nennen eine TätowierungTatauierung“, angelehnt an das tahitische Wort tatau (Wunde schlagen).
Der Männerkopf der Göttinger Sammlung ist im gesamten Gesicht tätowiert, die Frau im Bereich der Lippen. Auch anhand von Holzskulpturen, die typische Tatoos tragen, konnten die Göttinger Köpfe geografisch zugeordnet werden.

Bereits Blumenbach hat sich für Tatauierungen interessiert. „Angeregt durch Hinweise von Joseph Banks und den beiden Forsters hat er sich ab Anfang des 19. Jahrhunderts intensiver mit diesem Thema beschäftigt“, erklärt Krüger. In einer Publikation schrieb Blumenbach, dass die „punctirten Züge“ Ausdruck des dekorativen Bedürfnisses der Menschen nach unvergänglicher Schönheit sind. Krüger weiter: „Sein Augenmerk bei den Maori-Köpfen lag wohl mehr auf dem Aspekt der Tatauiermuster als Ausdruck künstlerischen Schaffens als auf einem rassetypologischen Interesse an Schädeln.“ Deshalb, so Krügers Einschätzung, könnte er die Köpfe als Kulturdokumente und nicht so sehr als menschliche Überreste betrachtet haben.

Die Maori bewahrten die präparierten Köpfe von höher gestellten Persönlichkeiten und Feinden auf. Wie Krüger erklärt, machten sie sich – mit steigender Nachfrage aus Europa – regelrecht auf die Jagd nach Köpfen. „Für einen Schädel gab es im Tausch zwei Gewehre“, sagt der Wissenschaftler. Hunderte Köpfe wurden so nach Europa gebracht.

Nun sollen sie nach Neuseeland gebracht werden. Frankreich hat im Mai bereits 16 mumifizierte Köpfe von Maoris zurückgegeben. Von den knapp 500 mumifizierten Maori-Köpfen, die in aller Welt verteilt waren, kamen bisher etwa 300 zurück.

Dabei ist die pauschale Rückforderung der Köpfe auch in Neuseeland umstritten. „Die Maori selbst sind in dieser Frage uneins“, sagt Ethnologe Krüger. Eine Forderung sei die, die Köpfe der zentralen Sammlung in Wellington zukommen zu lassen. Der Staat Neuseeland hatte deshalb 1992 im Namen des Museums die Köpfe zurückgefordert. „Es gibt auch Maori, die die Köpfe regional aufbewahren möchten“, so Krüger weiter. Einige Maori, wie der Künstler George Nuku, sprechen sich dafür aus, die Schädel öffentlich zu zeigen – „solitär und auf einem Sockel auf Augenhöhe präsentiert“, so Krüger. Einige weitere Intellektuelle fordern ebenfalls, die Köpfe in europäischen Museen „würdig“, beispielsweise unter einer Haube , zu präsentieren. Krüger: „Diese Diskussion läuft seit rund 20 Jahren.“

In Deutschland gibt es noch keine Richtlinie, wie mit den Maori-Köpfen verfahren werden soll, die Debatte darum läuft unter anderem beim deutschen Museumsbund. Zur Zeit werden Meinungen für eine gemeinsame Strategie gesammelt, dann geht das Thema in die Politik. Für die Göttinger Sammlung heißt das, „wir warten zunächst, wie die Diskussion in Deutschland weiter läuft“, so Krüger.

Keine Forderungen

Die Göttinger Uni und das Uniklinikum sind im Besitz vieler Sammlungen. Rückforderungen liegen dort nicht vor, so die Pressestellen. Die Universitätsbibliothek hat ein Projekt zur Ermittlung von NS-Raubgut gestartet. Ziel ist es, Beutegutbücher in den Beständen zu ermitteln.

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