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Göttingen Niedersachsens erste Vertrauenslehrerin für LSBTIQ?
Die Region Göttingen Niedersachsens erste Vertrauenslehrerin für LSBTIQ?
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10:45 24.01.2019
Sandra Wolf ist zur LSBTIQ-Vertrauenslehrerin am Hainberg Gymnasium in Göttingen ernannt worden. Quelle: CB
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Göttingen

Am Hainberg Gymnasium in Göttingen haben die Schüler eine LSBTIQ-Vertrauenslehrerin gewählt. Die Beratung der Schülerinnen und Schüler, die Aufklärung über die Existenz verschiedener geschlechtlicher Identitäten und die Vernetzung mit Beratungs- und Hilfseinrichtungen für Jugendliche stehen im Zentrum der Arbeit von Sandra Wolf. Die Abkürzung LSBTIQ steht für lesbisch, schwul, bisexuell, trans*, inter* und queer.

„Die Schülerinnen und Schüler sprudeln vor Ideen“, erzählt die Lehrerin für Mathematik und Sport. Die Schülergruppe, von der die Pädagogin spricht, ist eine Arbeitsgemeinschaft, in der sich Lernende aus den Jahrgangsstufen sieben bis zwölf einbringen. Im Frühjahr 2018 hatte sich die Gruppe „HG queer“ gebildet. Diskriminierung zu bekämpfen, ist eines der Ziele der AG.

Beratung für die Gruppe

Bald danach stellte die Gruppe eine Anfrage an die Gesamtkonferenz. Gesucht wurde nach einer Lehrkraft, die der Gruppe beratend zur Seite stehen würde. Die Wahl des Schülerrates fiel auf Sandra Wolf, die seither an der Schule als LSBTIQ-Vertrauenslehrerin wirkt.

„Alle, die sich nicht dem heteronormativen Spektrum zugehörig fühlen“, erklärt Wolf kurz und erläutert weiter, dass dies Studien zufolge immerhin für 24 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland gelte. „Ich gehe davon aus, dass unsere Schule hier repräsentativ ist und wir auch in etwa diese Prozentzahl aufweisen.“

Sandra Wolf ist Vertrauenslehrerin für LSBITQ am Hainberg Gymnasium Göttingen Quelle: cb

Mutmaßlich ist Wolf die erste Pädagogin in Niedersachsen, die diesen Posten übernommen hat. Die Lehrerin leistet intensive Vernetzungsarbeit und sagt selbst, dass ihr aus ihrem Netzwerk mit der Aussage gratuliert worden sei: „Damit bist du garantiert die Erste in Niedersachsen.“

Vorreiterrolle vom HG

Vergleichbare Projekte gebe es in Berlin, erläutert die Pädagogin. Dort sei das Stichwort vor allem Diversität. „Ich kenne natürlich nicht jede kleine Schule in Niedersachsen“, so Wolf. Aber die Vermutung liegt nahe, dass dem Hainberg Gymnasium hier eine Vorreiterrolle zukommt.

Eine Rolle, die der „HG queer“ nicht unbekannt ist. Bereits im September vergangenen Jahres hatte die Gruppe einen Erfolg für sich verbuchen können, als zwei All-Gender-Toiletten in Betrieb genommen wurden. Deren Türen zeigen keine Piktogramme, sondern weisen neutral mit dem Schriftzug „Toilette“ den Weg.

„Im Hintergrund ein wenig die Fäden zu ziehen“

„Es sind politische Schülerinnen und Schüler, die für ihre Werte einstehen. Manche vertreten dabei eigene Interessen, aber nicht nur“, erklärt Wolf. Diese Gruppe zu unterstützen, sei ihre persönliche Motivation. Derzeit seien keine Entlastungsstunden für die Tätigkeit vorgesehen. Es sei ihr ein Anliegen „im Hintergrund ein wenig die Fäden zu ziehen“ und sich zu vernetzen. Nur so könne Aufklärung gelingen. Diese sei der Schlüssel für das Verständnis in der Schülerschaft, aber auch dafür, dass sich die Schüler trauten offen damit umzugehen nicht heteronormativ zu sein.

Schutzkonzept geplant

Auch für Einzelgespräche steht die Pädagogin bereit. „In den Gesprächen geht es oft darum, wie gehe ich mit dem Thema ins Elternhaus? Wie hier in die Schule?“ Sie wolle ein Schutzkonzept erarbeiten und zu Gesprächen anregen. „Es kommt viel Unwissen zutage“, berichtet Wolf.

Immer öfter werden sie auch von Kollegen befragt, etwa wenn darum ginge das Unterrichtsmaterial auf Gendersensibilität zu prüfen. So trägt die Aufklärung an verschiedenen Stellen bereits Früchte. Am Hainberg Gymnasium herrscht ein offener Umgang. So berichtet Wolf, dass eine Schülerin im Unterricht eine Frage an eine geoutete Person gestellt habe, die sich dem Transspektrum zuordnet. „Welches Pronomen benutzt du noch mal?“ Nicht anders als jede andere Nachfrage, die in den Klassenzimmern spontan geäußert wird.

Von Claudia Bartels

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