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Göttingen So entsteht Musik aus Planetenbewegungen
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16:15 04.09.2019
Eine Aufzeichnung von Keplers Harmonien aus der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen. Quelle: R
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Göttingen

Die 5. Nikolausberger Musiktage vom 5. bis 9. September mit sieben Konzerten, Meisterkurs und Begegnungsfrühstück stehen unter dem Motto „Harmonien – 400 Jahre Kepler’sche Sphärenmusik“. Vor 400 Jahren veröffentlichte Johannes Kepler (1571 bis 1630) sein größtes Werk, „Harmonices mundi“, in dem er sein 3. Gesetz der Planetenbewegungen darlegte. Kepler leitete darin die Planetenabstände und -bewegungen aus Geometrie und musikalischer Harmonie ab.

Erstmals werden bei den Musiktagen am Donnerstag, 5. September und am Freitag, 6. September, Musikstücke aus Rekonstruktionen der Harmonie streng nach Keplers Algorithmus zu hören sein – erstellt vom Göttinger Astrophysiker Dr. Frederic V. Hessmann.

Hessmann ist nicht nur Physiker, sondern auch Hobbymusiker. Seine Idee aus Keplers Algorithmen, „Musik zu machen, die aufführbar ist“ entstand zum einen aus seiner Beschäftigung mit der Harmonielehre von Ptolomaios und Kepler. Zum anderen aus den Möglichkeiten der Computer. Heutzutage ließe sich am Rechner ja eigentlich alles in Musik umwandeln, erzählt Hessmann. Das Signal eines Teleskopes etwa. Das ergebe ein Muster, müsse aber nicht unbedingt schön sein. Musik aber sei mehr als nur ein Muster abzuspielen.

Geozentrische Bewegungen des Mars Quelle: R

Kepler, so Hessmann, habe wissen wollen, warum sich die Planeten bewegen und wie sie sich bewegen. Er habe dies untersucht mit rein geometrischen Berechnungen und Modellen. Ihm sei der Nachweis gelungen, dass die Bahnen der Planeten Ellipsen waren. Für seine Berechnungen der Planetenbewegungen erreichte er „schon gute Abstände“, so Hessmann. „Aber ganz genau war es nicht. Es war einfach zu starr.“ Kepler habe eben noch keine Kenntnis von Energie und Drehimpuls gehabt.

Der Astronom habe also nach einer anderen Erklärung gesucht. Er hatte die Harmonik des hellenistischen Wissenschaftlers Ptolomäus ins Lateinische übersetzt und dann dessen Ideen der Harmonie der Sphären aufgenommen. Zudem sei er beeinflusst gewesen von der neuen polyphonen Musik der Renaissance, so Hessmann.

Laser strahlt nach Nikolausberg

Laser strahlt für die Nikolausberger Musiktage Quelle: R

Measurement Valley Lasertelegraf umgeleitet

Der Wirtschaftsverband Measurement Valley leitet seinen Lasertelegraf vom 5. bis 9. September um. Aus Anlass der 5. Nikolausberger Musiktage mit dem Thema „Harmonien“ und dem 400jährigen Jubiläum des Erscheinens von KeplersHarmonices Mundi“, in denen die drei Keplerschen Gesetze der Planetenbewegung vorgestellt wurden, ist der Strahl, der sonst zur Johanniskirche führt, auf den Turm der Nikolausberger Klosterkirche gerichtet. Gauß hatte 1801 mit Anwendung der Keplerschen Gesetze und von ihm entwickelter mathematischer Berechnungsmethoden die Position des Kleinplaneten Ceres präzise vorausberechnet und damit als Mathematiker wissenschaftlich Aufsehen erregt.

Measurement Valley wurde 1998 gegründet und organisiert die Interessen von 42 Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus dem Bereich Messtechnik im Raum Göttingen.

Kepler meinte eine musikalische Harmonie in den Bewegungen der Planeten entdeckt zu haben. Vereinfacht gesagt stecke hinter Keplers Mathematik der kosmischen Töne die Grundidee dem Tempo der Planeten Töne zuzuordnen: Langsame Bewegungen ergeben tiefe Töne, schnelle Bewegungen hohe Töne. Und daraus entstehen Akkorde. Venus singe danach etwa einen langen Ton. Nicht immer, aber oft ergebe sich aus diesen Tönen ein schöner Akkord, so Hessmann. Oft sogar ein C-Dur-Akkord. Kepler ordnete den Planeten Einzelstimmen zu: Merkur sei der Sopran, Venus der Mezzosopran, die Erde die Altstimme, Mars der Tenor, Jupiter der Bariton und Saturn der Mars.

NASA-Berechnungen als Grundlage

Hessmann hat Keplers musikalischen Original-Algorithmus zu einem ungefähr fünfminütigen Stück Musik arrangiert. Außerdem erarbeitete er eine Akkordeon-Version, die der Akkordeon-Spieler Goran Stevanovic in seinem Konzert am Donnerstag, 5. September, um 20 Uhr in der Klosterkirche spielen wird. Hessmann erstellte für seine Arrangements mit Hilfe von NASA-Berechnungen zu den Planetenpositionen zwei neue Computersimulationen von Keplers Algorithmus.

Das Göttinger Symphonie Orchester unter der Leitung von Antonius Adamske spielt diese Musik am Freitag, 6. September, um 20 Uhr in der Klosterkirche Nikolausberg. Astrophysiker Hessmann gibt um 19.15 Uhr einen Einführungsvortrag im Gemeindehaus. Auf dem Programm des GSO-Konzerts stehen auch die Ouvertüre aus „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn, Friedrich Wilhelm Herschels Sinfonie Nr. 18 und Wolfgang Amadeus Mozarts Jupiter-Sinfonie.

Programm der Nikolausberger Musiktage

Die Nikolausberger Musiktage werden von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Nikolausberg durchgeführt. Initiator und musikalischer Leiter ist Antonius Adamske.

Donnerstag, 5. September:

19 Uhr Eröffnungsvortrag von Antonius Adamske im Gemeindehaus.

20 Uhr Eröffnungskonzert mit dem Akkordeonisten Gorna Stevanovic und Dr. Frederic V. Hessmann (Moderation): Harmonices munis von Kepler arrangiert für Akkordeon. Klosterkirche Nikolausberg.

Freitag, 6. September

19.15 Uhr Einführungsvortrag Dr. Frederic V. Hessmann

20 Uhr Sonderkonzert mit dem Göttinger Symphonie Orchester unter der Leitung von Antonius Adamske in der Klosterkirche.

Sonnabend, 7. September

10 Uhr - 13 Uhr Meisterkurs

17 Uhr Festkonzert Orlando viols, Giso Grimm (Licht- und Toninstallation)

21 Uhr Nachtkonzert Anna-Maria Hefele (Obertongesang) Klosterkirche

Sonntag, 8. September 

10 Uhr Festgottesdienst

11.30 Uhr Begegnungsfrühstück mit Musik von Hans Kaul, Balen Abbas und Ahmad Alotman. Gemeindehaus.

17 Uhr Sonntagskonzert Gli Scarlattisti, Jochen Arnold, Klosterkirche

Montag, 9. September 

17 Uhr Vortragskonzert. Andreas Düker (Laute), Dr. Manfred Schüssler (Vortrag). Klosterkirche

19 Uhr Abschlusskonzert: Göttinger Barockorchester, Hans-Henning Vater. Klosterkirche

Von Christiane Böhm

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