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Göttingen Grenzerfahrung: Rolli- und Filmworkshop für Kinder in Göttingen
Die Region Göttingen Grenzerfahrung: Rolli- und Filmworkshop für Kinder in Göttingen
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23:35 25.10.2019
Grenzerfahrung: Nicht gehbehinderte Kinder testen im Sportparcours Rollis und drehen einen Dokumentarfilm. Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen

Marlon-Elias will es schaffen – unbedingt. Mit beiden Händen packt er zu, mit aller Kraft schiebt er die Räder rechts und links an seinem Rolli an. Immer schneller rollt er vorwärts, hält die Spur und überwindet im dritten Anlauf endlich die steile Rampe. Der Spaß dabei ist dem Elfjährigen anzusehen.

Hier gibt es mehr Bilder:

Für einen Kurzfilmwettbewerb haben Kinder der Göttinger Schule am Tannenberg und vom Hainberg-Gymnasium ausprobiert, wie sich Rollstuhlfahrer fühlen. Und sie haben sich dabei gefilmt.

Der Sechstklässler Marlon-Elias Ballé vom Hainberg-Gymnasium (HG) muss nicht im Rollstuhl sitzen, um sich fortzubewegen, aber will es an diesem Tag ausprobieren. So wie alle anderen 37 Kinder in und vor der Göttinger Funsporthalle – behinderte wie nicht behinderte. Neben Schülern der Klasse 6b vom HG sind auch Kinder der Klasse 8a der Förderschule am Tannenberg in Weende dabei. In gemischten Gruppen probieren sie aus, wie es ist, auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein. Und sie filmen sich dabei, nehmen Interviews auf, sammeln Bildmaterial. Beide Klassen haben sich für den Kurzfilmwettbewerb „Ganz schön anders – NO LIMITS“ beworben. Beide haben dazu auch noch einen Film Workshop zur Vorbereitung gewonnen.

Die Profis:

Lebuser und Schmidt: Das Skate-Duo und seine Mission

David Lebuser (Jahrgang 1986) wurde bekannt durch seine Erfolge bei Weltmeisterschaften im WheelchairMX in den USA – dem Rollstuhlskaten. Dabei hat er mehrere dritte und einen ersten Platz belegt. Mittlerweile gibt er deutschlandweit Workshops im Wheelchair-Skaten und Rollstuhlkurse für Menschen mit und ohne Behinderung. Dabei arbeitet er eng mit seiner Freundin Lisa Schmidt (Jahrgang 1987) zusammen. Sie ist ebenfalls Meisterin im WheelchairMX, wurde 2018 deutsche WCMX-Meisterin und betreibt mit Lebuser sowie der Fotografin Anna Spindelndreier den YouTube-Kanal "Sit'n Skate" – „sitzen und skaten“. Bei ihrer Arbeit gehe es nicht um Tricks im Skatepark, erklärt Schmidt und ergänzt: „Vor allem wollen wir zeigen, dass ein Rollstuhl nicht nur ein staubiges graues Hilfsmittel sein muss, sondern ein cooles und stylisches Sportgerät sein kann. Wir wollen Leute motivieren - motivieren umzudenken und motivieren mit uns zu rollen.“

Und der bietet den Schülern an diesem Tag Abenteuer im Doppelpack: Der Weltmeister im Rollstuhlskating,David Lebuser, und die Deutsche Meisterin in dieser Disziplin, Lisa Schmidt, zeigen den Kindern, wie Rolli-Fahrer auch schwere Hürden überwinden. Und Film-Experten vom Verein Blickwechsel betreuen sie bei ihren Dreharbeiten. Geplant sind natürlich Dokumentationsfilme über Rollstuhlfahren.

„Das macht „richtig Spaß“

Und das macht „richtig Spaß“, sagt Marlon-Elias ein wenig überrascht. „Sollte jeder ’mal ausprobieren“, fügt er an. „Es ist viel leichter, als ich dachte“, ergänzt HG-Schüler Yannis – „jedenfalls mit diesen Rollis“. Dabei zeigt er auf ein Alltagsmodell, leicht, schnittig und in der Kinderversion mit nach innen geneigten Rädern. Dass es auch schlechter geht, können die Kinder in einfachen Krankenhaus-Rollstühlen testen, die sich fast nur mit Hilfe schieben lassen.

Das Video zum Workshop:

Aber ob Kassenmodell oder Profi-Rolli: „Wir wollen den Kids zeigen, dass Rolli fahren gar nicht schlimm ist und Spaß machen kann“, erklärt Schmidt. Viele begegneten Rollifahrern mit Mitleid, für gehbehinderte aber ist der Rollstuhl „nicht das Problem, sondern die Lösung“. Und das erfahren in diesem Workshop auch die Kinder mit überwiegend geistiger Behinderung von der Schule am Tannenberg. Selbst dort würden Rollifahrer von den anderen oft als „die behinderten“ gesehen. „Hier erleben sie spielerisch, wie toll und hilfreich ein Rolli sein kann“, beobachtet Erzieherin Maria Brandt begeistert. „Und dann ist es für alle auch eine tolle Erfahrung, hier mit nicht Behinderten im Team zu arbeiten.“

Inklusiv und barrierefrei

Das ist vor allem bei den Filmaufnahmen wichtig. Schon fast professionell haben Lenka Van Edig (11) und ihre Freundinnen Interviewfragen an Mitschüler und Profi Lebuser vorbereitet. Wie ein Regisseur richtet Niclas Deeke (12) die Kamera aus und gibt einem Mitschüler Anweisungen, wie er mit seinem Rollstuhl in der Halfpipe eine Kurve und zurückfahren soll. Und längst hat er gemerkt, dass auch Filmen „richtig Spaß macht“.

Der soll in diesem „inklusiven und barrierefreien“ Workshop an erster Stelle stehen, erklärt Projektleiter Markus Götte vom Verein Blickwechsel. Spielerisch und ohne Berührungsängste sollen und können die Kinder von einander und miteinander lernen und dabei Vorbehalte abbauen. Dass das gelingt, liegt vor allem an der offenen und mitnehmenden Art, wie Lebuser, Schmidt und das Blickwechselteam die Kinder mitnehmen: ob in den Rollis oder hinter die Kamera.

133 Teams aus 43 Orten in Niedersachsen haben sich für den Wettbewerb „ganz schön anders – NO LIMITS“ beworben, 50 wurden ausgewählt. Im März 2020 werden die besten Filme ausgezeichnet.

Mehr zum Wettbewerb:

Der Filmwettbewerb „No Limits“

„Ganz schön anders – NO LIMITS“ ist ein Kurzfilmwettbewerb für Schüler aus Niedersachsen. Gesucht werden Kurzfilme zum Thema Limits (Grenzen) im Leben: beim Streiten und Whatsappen zum Beispiel, oder verbal, körperlich und kulturell. Schüler und Schülergruppen könne dazu Dokumentationen, Dramen, Animationen und andere Filmformate einsenden. Beworben haben sich 133 Teams aus 43 Orten, etwa 50 wurden ausgewählt. Aus der Region Göttingen sind nach Veranstalterangaben die Schule am Tannenberg, das Hainberg-Gymnasium (HG), das Otto-Hahn-Gymnasium und das Felix-Klein-Gymnasium dabei. Im März 2020 werden die besten Filme ausgezeichnet.

Die Schule am Tannenberg und das HG-Team haben außerdem einen Filmworkshop für ihre vorbereitende Produktion gewonnen. Betreut werden sie dabei vomGöttinger Verein Blickwechsel. Blickwechsel ist eine medienpädagogische Institution mit Sitz in Göttingen und Regionalbüros in Bremen, Hamburg, NRW und Gießen. Der Verein bietet seit 1992 Fortbildungen für pädagogisch Tätige an, organisiert Medienprojekte mit Kindern und Jugendlichen und erstellt dafür auch didaktisches Material. Für seine Arbeit ist Blickwechsel mehrfach ausgezeichnet worden.

Von Ulrich Schubert

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