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Göttingen Notlandung: Böe erfasst drei Heißluftballons
Die Region Göttingen Notlandung: Böe erfasst drei Heißluftballons
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11:55 30.08.2011
Von Britta Eichner-Ramm
Notlandung: Eine Windböe hat den Heißluftballon erwischt. Der Flug endet auf einem Acker bei Adelebsen.
Notlandung: Eine Windböe hat den Heißluftballon erwischt. Der Flug endet auf einem Acker bei Adelebsen. Quelle: DPA
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Adelebsen

Bei einer Notlandung von drei Heißluftballons bei Adelebsen und Wibbecke sind am Freitagabend zehn Passagiere verletzt worden – vier davon schwer. Die drei Frauen und sieben Männer im Alter von 15 bis 62 Jahren wurden durch den Aufprall teilweise aus den Körben geschleudert beziehungsweise waren herausgesprungen.

Die drei Ballons waren am frühen Abend in Güntersen gestartet. Ziel sollte bei Uslar sein, doch bereits nahe Offensen wurden die Heißluftballons von plötzlich auftretenden Windböen erfasst. Die Piloten waren laut Polizeibericht zu einer unplanmäßigen und spontanen Notlandung gezwungen. Zwei Ballons stürzten durch starken Wind auf ein Feld nordwestlich von Adelebsen. Dem Piloten des dritten gelang es zunächst, Höhe zu gewinnen, doch auch er prallte kurz vor Wibbecke auf ein Feld.

Rettungskräfte brachten die Verletzten in umliegende Krankenhäuser. Unterdessen hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) die Ermittlungen aufgenommen. Die Heißluftballons wurden sichergestellt. Am Wochenende waren BFU-Mitarbeiter vor Ort.

Am Freitag habe es Gewitterwarnungen gegeben, so ein Mitarbeiter der Wetterwarte Göttingen des Deutschen Wetterdienstes gegenüber dem Tageblatt. „Da musste man mit Böen rechnen.“ Dass die Piloten bei dieser Wetterlage überhaupt gestartet sind, stößt bei den Ballonfahrten-Anbietern in der Region auf Unverständnis. „Es war eindeutig, dass die Front reinkommt“, sagt etwa Frauke Roth vom Ballon-Team Göttingen in Friedland. „Bei solch einem labilen Wetter geht man nicht in die Luft.“

Sie erklärt, was passiert, wenn Windböen einen Heißluftballon erfassen: „Fährt eine Böe in die Hülle herein, ist das wie beim Segel eines Schiffes“. Der Pilot müsse dann versuchen, schnell Höhe zu verlieren, weil der Ballon nicht mehr steuerbar ist. Selbst bei der Landung ziehe der Wind den Korb samt Hülle – immerhin eine Masse von etwa 3,5 Tonnen – über den Acker. „Man hat am Ballon keine Bremse“, unterstreicht Roth, weshalb man mindestens 200 bis 300 Meter Landefläche benötige. Auch Matthias Heinemann vom Ballonteam Heinemann in Gerblingerode wundert sich über die Starts der drei Bruchpiloten: „Jeder wusste, dass Gewitter im Anmarsch sind“. Und da sei der Wind unberechenbar, weil er auch bis zu 30 Kilometer vom Gewitter entfernt extrem auffrischen könne. Die FBU werde, so Heinemann, sicher auch überprüfen, woher die Piloten ihre Wettermeldungen geholt hätten.
Das Ballonfahrten-Unternehmen aus Kassel, dessen Ballons verunglückten, wollte am Wochenende gegenüber dem Tageblatt „keine Aussagen“ machen.