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Göttingen 300 Demonstranten in Göttingen fordern Rettung im Mittelmeer
Die Region Göttingen 300 Demonstranten in Göttingen fordern Rettung im Mittelmeer
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17:33 06.07.2019
Unter dem Motto „Notstand der Menschlichkeit“ demonstrieren in Göttingen am Sonnabend etwa 300 Menschen. Quelle: Peter Heller
Göttingen

Mehr als 300 Teilnehmer einer Kundgebung haben am Sonnabend in Göttingen für eine ungehinderte Rettung von Flüchtlingen in Not aus dem Mittelmeer demonstriert. Redner beklagten einen „Notstand der Menschlichkeit“, weil immer noch täglich Geflüchtete im Mittelmeer ertrinken und ihnen viele europäische Staaten jede Hilfe versagten. Zugleich forderten die Teilnehmer die Freilassung der Kapitänin Carola Rackete in Italien. Ein eingespieltes Grußwort der Senotretterin bewegte die Teilnehmer sichtlich.

Die Kundgebung im Video-Clip

Plötzlich wird es ganz still vor dem Alten Rathaus in Göttingen: In einem Grußwort vom Band schildert Rackete die Verzweiflung der Menschen an Bord der Sea-Watch 3 und warum sie schließlich trotz Verbotes den Hafen von Lampedusa angelaufen ist. „Wir von Sea-Watch geben nicht auf“, schließt sie ihren Beitrag.

Auch in Liedbeiträgen ging es um Menschlichkeit. Quelle: Peter Heller

 

666 Ertrunkene in diesem Jahr

Die Kundgebung war Teil eines bundesweiten Aktionstages zum „Notstand der Menschlichkeit“. Regionale Gruppen der Initiative „Seebrücke“ hatte in mehreren deutschen Städten dazu aufgerufen. Aktueller Anlass ist die vorübergehende Festnahme der Seenotretterin und Kapitänin der Sea-Watch 3. Rackete stand unter Hausarrest, nachdem sie ihr Schiff mit 42 aus Seenot geretteten Geflüchteten in den Hafen von Lampedusa steuerte. Vorher hatte ein Dekret des italienischen Innenministeriums die Einfahrt unter Strafe gestellt. Mittlerweile hat ein Gericht den Hausarrest gegen Rackete wieder aufgehoben. Anlass ist aber auch der nach wie vor „humanitäre Notstand“ im Mittelmeer. Allein im letzten Jahr sind nach Angaben der Flüchtlingskommission der Vereinten Nationen UNHCR über 2000 Menschen im Mittelmeer ertrunken – in diesem Jahr bereits 666.

In ihren Reden schildern Aktivisten die Not der menschen in Afrika und auf dem Mittelmeer. Quelle: Peter Heller

 

„Das ist unerträglich und mehr als eine Zahl“, sagte eine Rednerin der Initiative „Jugend rettet“. Hinter jedem Ertrunkenen stecke ein Mensch mit Würde, eine Familie. Fast täglich wiederhole sich im Mittelmeer, was nach dem dramatischen Unglück mit vielen Toten vor sechs Jahren vor Lampedusa niemand mehr für möglich gehalten hätte, mahnte Peter Lahmann vom Göttinger Lampedusa-Bündnis. Mit jedem Ertrunkenen und jedem dichten Hafen gehe in Europa ein Stück Menschlichkeit verloren. Daran sei nicht alleine Italien Schuld, sondern alle europäischen Staaten, die ihre Grenzen für Flüchtlinge verschließen würden.

„Seid menschlich, öffnet die Tore“

Und damit ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen, mahnten Teilnehmer der Göttingen-Aktion. Stattdessen werde die Seenothilfe als Verbrechen dargestellt. Vielen sei nicht bewusst, dass die Anklage gegen Rackete in Italien bestehen bleibt, erinnerten Vertreter des „Seebrücke Göttingen“ die Zuhörer. Zugleich schilderten sie in einer packend vorgetragenen Texten die Not von Flüchtlingen in libyschen Lagern, in kleinen Booten auf dem Meer und ihre Verzweiflung, wenn sie nach der Rettung durch eine Hilfsorganisation das Boot nicht verlassen dürfen – das rettende Land vor Augen. Und die, die es nicht auf ein Boot geschafft haben, erlebten in Libyen unter Regie der von der EU beauftragten Miliz unsagbare Folter, Verfolgung und Zwangsarbeit, ergänzten Sprecher von Amnesty International.

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Mehrfach forderten Redner die EU-Mitgliedstaaten einschließlich Deutschland und die Stadt Göttingen auf, Geflüchteten einen „sicheren Hafen“ zu bieten. „Seid menschlich, öffnet die Tore“, appellierte schließlich der in Göttingen lebende Fahad an die Kundgebungsteilnehmer.

Neuer Vorstoß im Rat:

SPD und Grüne: Göttingen soll „sicherer Hafen“ sein

Unter dem Eindruck der Festnahmen der Kapitänin Rackete in Italien und weiterhin vieler Toter auf Mittelmeer, setzen sich die Grüne und die SPD erneut dafür ein, die Stadt Göttingen als „sicheren Hafen“ für Flüchtlinge auszurufen. „In Absprache mit der SPD setzt unsere Fraktion das Thema nach der Sommerpause wieder auf die Tagesordnung der nächsten Ratssitzung“, kündigten die Grünen an. Zuvor hatten sie zur Teilnahme an der Kundgebung aufgerufen. Die Fluchtbewegungen über das Mittelmeer sei eine Realität, die man nicht ignorieren könne, hatte Laura Redzich vom Vorstand des Stadtverbandes erklärt.

So erreichen Sie den Autor: Tel.: 0551/901731, Mail: u.schubert@goettinger-tageblatt.de; Twitter: @goeschubi, Facebook: Goeschubi GT

Von Ulrich Schubert

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