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Göttingen „Nur gestanden, was wir ihm nachgewiesen haben“
Die Region Göttingen „Nur gestanden, was wir ihm nachgewiesen haben“
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19:22 25.08.2011
Von Jürgen Gückel
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Göttingen

Tatsächlich gibt es weitaus mehr Opfer, als in der Anklageschrift standen. Ausgeurteilt waren nur die Fälle, die von 2004 bis 2009 noch nicht verjährt waren. Der Angeklagte hatte aber auch gestanden, bereits 1997 mit den Betrügereien und Unterschlagungen begonnen zu haben. Die Stadt hat laut Lieske bisher rund 90 Geschädigte ausfindig gemacht – und wöchentlich kämen zwei, drei Akten dazu. Die meisten waren überrascht, denn sie hatten – damals Kinder oder Jugendliche – von den Untreuehandlungen ihres Amtsbetreuers nichts bemerken können. Lieske weiter: „Er war zwar geständig, aber nur in den Fällen, die wir ihm in mühseliger Kleinarbeit nachgewiesen haben.“

Immerhin hat der Verurteilte ein Schuldanerkenntnis über rund 300 000 Euro abgegeben und zur Schadenswiedergutmachung entsprechende Sicherheiten auf seine Immobilien eintragen lassen. Er besitzt eine Doppelhaushälfte, mehrere Eigentumswohnungen und hat ein Ferienhaus bei St. Peter-Ording bereits verkauft. Seinen Mercedes und einen Porsche 911 fährt er noch immer. Für einen geleasten Maserati zahlt er monatlich 488 Euro. Dabei, so sagte er vor Gericht, lebe er nur noch von den Einkünften als Zeitungsausträger und Regalauffüller. Die Stadt hatte ihn im Mai 2009 entlassen. Er hoffe den Schaden bald wieder gutmachen zu können.

In der Verwaltung, so Lieske, seien schon 2009 von seinem Vorgänger Konsequenzen aus dem Untreuefall gezogen worden: schärfere Kontrollen der Mitarbeiter und Trennung von Beistandschaften und Vormundschaften.