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Göttingen Oberbürgermeister Meyer zeigt sich „amüsiert“
Die Region Göttingen Oberbürgermeister Meyer zeigt sich „amüsiert“
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21:42 06.09.2011
Hans Hoorn hat Recht: „Ein Areal wie das Stadtbadgelände darf nicht zehn Jahre brach liegen“, findet auch Wolfgang Meyer. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

„Die Beurteilung des ,Fachmanns‘ hängt offensichtlich davon ab, wer ihn einlädt“, meint Meyer. Hoorn war auf Einladung der Bürgerinitiative Jacobiviertel, des Vereins Stadt und Planung und des SPD-Innenstadtforums zu einer Diskussionsveranstaltung in Göttingen. Hoorn hatte die Stadtverwaltung bei einem Rundgang durch die Innenstadt als „ängstlich“, „ohne Rückgrat“ und „ohne Vision“ bezeichnet.

„Ich mache mit ihm gern einen weiteren Stadtrundgang, dann wird Herr Hoorn feststellen, dass Göttingen eine ganze Menge urbanes Flair hat und sich vor keinem Vergleich scheuen muss“, sagt Meyer. Hoorn hatte unter anderem den Busring, der die Innenstadt zerschneidet, bemängelt. Weiterer Kritikpunkt Hoorns: das ehemalige Stadtbadgelände. Dafür, dass dieses so lange Zeit brach liege, müssten sich Oberbürgermeister und Stadtbaurat täglich schämen.

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Meyer gibt Hoorn in Bezug auf dieses Areal Recht: „Ein Areal wie das Stadtbadgelände darf nicht zehn Jahre brach liegen.“ Schämen müsse er sich aber nicht, sagt Meyer. Er habe diese Altlast 2006 geerbt und endlich dafür gesorgt, dass es jetzt auf der Grundlage eines Bebauungskonzepts, das der Rat der Stadt mit einem positiven Votum des Städtebaubeirats einstimmig beschlossen habe, eine entscheidende Aufwertung dieses zentralen Innenstadtreviers geben werde, erklärt Meyer.

In seiner Reaktion macht sich Meyer auch für den bemängelten Busring stark: „Rund 50 000 Fahrgäste benutzen unsere Busse täglich, 25 000 davon wollen in die Innenstadt, was Fahrgastbefragungen mehrfach ergeben haben.“ Dieses sei nur über den Busring abwickelbar, bezahlbare Alternativen, so Meyer, gebe es dazu „leider“ nicht. Er stützt sich auf „mehrfache gutachterliche Untersuchungen“, die 2009 vorgestellt worden sind. Sie kamen wie die Netzplaner der Verkehrsbetriebe zu dem Ergebnis und zur Empfehlung, die Busfahrten in der Innenstadt beizubehalten. Der Bauausschuss habe dies zur Kenntnis genommen.

Hoorns Vorschlag, das Busnetz für ein halbes Jahr probeweise aus der Innenstadt herauszunehmen, hält Meyer für naiv. „Erstens ist der Aufwand gewaltig, da sich dies auf das gesamte Liniennetz auswirken würde, zweitens kann das Fahrgastverhalten in so kurzer Zeit nicht aussagekräftig getestet werden“, sagt Meyer.

„Amüsiert“ zeigte sich Meyer über Hoorns Aussage, der Stadt fehle es an „urbanem Flair“. Die hohe Beliebtheit Göttingens bei Studierenden, konstante Einwohnerzahlen, eine Zunahme der Übernachtungszahlen um zehn Prozent und „unzählige begeisterte Kommentare von Besuchern“ belegten: „Göttingen ist eine liebenswerte Stadt, wir haben jede Menge urbanes Flair.“

Meyer ist sich sicher: Viele Göttinger lebten gern in dieser Stadt, identifizierten sich mit dem Hochschul-, Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Göttingen und hätten auch keine Probleme mit dem passenden Slogan „Göttingen, Stadt die Wissen schafft“. Diesen hatte Hoorn als „austauschbar“ bezeichnet.

Als Ziel gibt Meyer aus, dass 2020 wieder 10 000 Menschen innerhalb der Wälle wohnen. Damit die City so belebt bleibe und nicht, wie in anderen Städten, um 20 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt würden. Derzeit seien es 8200 Innenstadtbewohner. „Das ist gut, aber nicht gut genug“, meint Meyer.

Hoorns Vorwurf, die Stadt würde zu wenig EU-Mittel einwerben, versucht Meyer zu kontern: „Die Stadt bemüht sich erfolgreich um die bestmögliche Ausschöpfung von Fördermitteln auf allen Ebenen.“

Von Michael Brakemeier