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Göttingen Oberschaffer: „Hasste mal Mulch für mich?“
Die Region Göttingen Oberschaffer: „Hasste mal Mulch für mich?“
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21:33 25.07.2011
Frühstück im Festzelt: 750 Gäste erleben zwei der drei Landratskandidaten launig in der Bütt.
Frühstück im Festzelt: 750 Gäste erleben zwei der drei Landratskandidaten launig in der Bütt. Quelle: Pförtner
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Ein guter Moment für Oberschaffer Michael Klingberg, um Unterstützung zu bitten. Schließlich müsse die BSG mit hohem Aufwand den Wall am Schießstand mit 40 Zentimeter hoher Rindenmulchauflage für geschätzte 9000 Euro sanieren. Nach dem Motto „Haste mal Mulch für mich“ bat der Oberschaffer um mulchige Unterstützung in dieser Sache.

Als großzügige Spender – allerdings für das Palliativzentrum – erwiesen sich der Club der Sportschützen und alle, die beim CdS mitgeschossen hatten. In der Fußgängerzone und während des Festes auf dem Platz konnte mit historischen Feuerwaffen gezielt und mit digitaler Lasertechnik getroffen werden. Für den Erlös von 5124,06 Euro bedankte sich Veronika Frels im Namen des Palliativzentrums.

Spenden in Form von Beifall sowie Mettwürste zur Stärkung gab es auch für die Redner, wobei der für CDU-Landratskandidatin Dinah Stollwerk-Bauer am begeistertsten ausfiel. Kontrahent Bernhard Reuter (SPD), der den Damen den Vortritt gelassen hatte, war froh, „dass ich nicht bei Deutschland sucht den Superstar gegen sie antrete“. Hilfestellung hatte „Hahn im Korb“ Reuter von Schützendame Katharina Lankeit (SPD) erhalten, die lokale Themen aufs Korn nahm. Sie erhielt dafür die silberne Verdienstmedaille.

Höchste Ehren gab es zudem für Heinz Kehe, den langjährigen Festausschussvorsitzenden, und für Heiner Wehmeyer, seit 23 Jahren Schießmeister. Beide wurden zu Ehrenschaffern ernannt.

String-Tanga am Oberarm (Rede Bernhard Reuter)

Bernhard Reuter (SPD) will nicht Deutschlands neuer Superstar, er will Göttingens neuer Landrat werden. Das hielt den Vizepräsidenten des Deutschen Landkreistages nicht davon ab, mit bundesdeutschen Themen auf Lach- und Stimmenfang zu gehen: Sein erstes Thema: „Euro“. Da bekomme man ja jede Woche einen neuen Rettungsvorschlag aus Berlin. Weiter mit Italien: „Wissen Sie, warum Berlusconi einen String-Tanga auf dem Oberarm trägt?“ Das sei wie mit den Nikotin-Pflastern: „Der versucht auch, sich etwas abzugewöhnen.“ Als nächstes die Grünen: Die würden sich ja im Moment im Höhenrausch befinden – ein Kanzlerkandidat müsse her: „Ottfried Fischer, nein, Joschka Fischer! Der Unterschied? Zweieinhalb Kilo.“ Und dann durfte auch Brüderle nicht fehlen. Der sei „blau vom Riesling und gelb vom Leberschaden“. Mit einem gedichteten Lied wollte Reuter Hartwig Fischer (CDU, MdB) den Titel Schüttelreim-König entreißen: „Gänseliesel trägt ihr Sommerkleid – wieder ist es Schützenzeit.“

Den größten Applaus erhielt Reuter für einen SPD-Witz: Es gebe im Eichsfeld ein neues SPD-Mitglied. Einen Bauern, der kurz vor seinem Tod das rote Parteibuch annehme. Als der Pfarrer komme und den Bauern frage, warum er das nach so einem langen, tugendhaften Leben mache, sagt der Bauer: „Ach wissen Sie Hochwürden, wenn schon einer stirbt, dann einer von den anderen.“

Eine echte Schwarze unter lauter Grünen (Rede Dinah Stollwerck-Bauer)
Wer im Schützenzelt als Redner im eigenen Schützenanzug auftreten kann, hat schon halb gewonnen. Dinah Stollwerck-Bauer, Adelebsens Bürgermeisterin und CDU-Landratskandidatin, brachte sogar ihr Bier mit zum Rednerpult und versicherte, die echte Speakers Corner der Stadt ist das Schützenzelt. CDU-Schützenfestgroßredner wie Ministerpräsident David McAllister hätten es nicht besser machen können. „Ich bin eine echte Schwarze unter lauter Grünen“, legte sie nach und verriet, dass ihre Einladung noch vor der Kandidatenkür zu großen Debatten in der CDU geführt hatte. „Wollen die Schützen jetzt eine eigene Landratskandidatin durchsetzen?“

Für die politischen Gegner gab es gezielte Spitzen. Als Rednerin habe sie endlich einmal vorn im Festzelt sitzen dürfen, so Stollwerck-Bauer. „Ich habe Oppermann (den Göttinger Spitzen-Sozialdemokraten und Bundestagsabgeordneten) live gesehen – zwei leere Stühle und ein Namensschild.“ Ihr SPD-Kontrahent, Landrat Bernhard Reuter, musste sich den Vergleich „Osterode, das Griechenland Südniedersachsens“ gefallen lassen.

Auch die anderen Grünen gingen nicht leer aus. Jürgen Trittin, Spitzen-Grüner in Berlin, hätte an seinem Geburtstag im Zelt seine „persönliche Facebook-Party“ feiern können, so der gute Ratschlag der Kandidatin, – „aber er hat mal wieder etwas verpasst“.

Reuter Hahn im Korb beim Zickenkrieg (Rede Katharina Lankeit)
Was verbindet die Frauenfußball-WM und den Landratswahlkampf? Das erklärte Ratsfrau Katharina Lankeit (SPD), ihres Zeichens Bürgermeisterin und damit Schützendame. Bei der WM hätten alle erst einen Zickenkrieg und dann eine Neid-Debatte erwartet. Beides fiel aus.

Ob der hier zu erwartende Zickenkrieg Wemheuer (Grüne) gegen Stollwerck-Bauer (CDU) um den Posten der „Scher-Frau“ auch ausfällt, ließ sie zwar offen. Dass aber dabei SPD-Mann Bernhard Reuter Hahn im Korb wird und „noch am wenigsten Federn lässt und am Ende die größten Eier hat“, stehe fest.
Wohltuend lokal blieb auch ein Großteil vom Rest der Rede – etwa, als sie auf die hiesigen Hahnenkämpfe einging: lokal = Güntzler gegen Meyer, banal = Landrat Schermann, weil er sich selbst im Weg steht, irrational = Uli Holefleisch immer gegen den Nächstbesten, ganz und gar egal = Patrick Humcke gegen den Rest der Welt.

Keine Freunde machte sich die Ratsfrau bei den rücksichtslosen Radfahrern. Fußgängerzonen scheinen für sie magische, ja erotische Anziehungskraft zu haben. Auf dem Fußweg in die falsche Richtung, dass die Fußgänger beiseite hechten müssen, das nennen die dann Seitensprung, ein „Orgasmus auf zwei Rädern“.

Und dann kam da noch das Thema, das kein Schützenfestredner vergessen darf: sechs rote Ampeln vom Kreuzbergring bis zum Rathaus. „Schöne Farbe!“, kommentierte der Oberbürgermeister.

Von Jürgen Gückel, Lukas Breitenbach, Gerald Kräft