Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Obstdiebe auf der Schulwiese in Göttingen Weende
Die Region Göttingen Obstdiebe auf der Schulwiese in Göttingen Weende
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 29.09.2013
Von Ulrich Schubert
Empört: Kinder der Wilhelm-Henneberg-Schule wollen nicht, dass Diebe ihr Obst stehlen, und hängen Schilder auf. Quelle: Vetter
Anzeige
Weende

„Dabei wollen wir die Äpfel und Birnen doch selber ernten und essen“, sagt die neunjährige Sarah Ehbrecht. Genau das haben die Kinder der Grundschule jetzt auf selbst gemalte Schilder geschrieben und sie in ihre Obstbäume gehängt – zwischen die restlichen Äpfel, Birnen und Zwetschgen.

Denn die Täter haben „sogar unsere alten Schilder abgerissen und da hinten in die Hecke geworfen“, empört sich der siebenjährige Laurenz Muigg.

Anzeige

Seit vielen Jahren kümmern sich die Kinder der Wilhelm-Henneberg-Schule um ihre Streuobstwiese an der Stumpfen Eiche. Die Stadt Göttingen habe das Grundstück zur Verfügung gestellt, erklärt Lehrerin Monika Grote. Jedes Jahr werde von den Erstklässlern ein neuer Obstbaum gepflanzt und während der Grundschulzeit gepflegt.

„Übel beschimpft“

Um knapp 40 Bäume kümmerten sich die Kinder aus allen Jahrgängen inzwischen regelmäßig, unterstützt vom Regionalen Umweltbildungszentrum Reinhausen (RUZ). Äpfel, Birnen, Quitten, Pflaumen und Zwetschgen könnten die Kinder seit ein paar Jahren ernten, essen und gelegentlich zu Saft pressen.

In diesem Jahr werde der Ertrag wohl spärlich ausfallen, bedauert Grote. Viele Äpfel und Birnen seien von den Bäumen verschwunden. Die Streuobstwiese zwischen der Straße und einem Feld ist nicht eingezäunt. Anwohner hätten Unbekannte dabei beobachtet, wie sie das Obst geerntet haben –„obwohl es doch noch lange nicht reif ist“.

Als sie die Diebe auf die Besitzverhältnisse ansprachen, seien sie „übel beschimpft“ worden. Und auch das finden die Kinder „ganz schön doof“.

Mundraub ist abgeschafft, Obstklau am Straßenrand Diebstahl

So verlockend und greifbar nah hängen manche Äpfel an den Bäumen gleich am Straßenrand. Sind sie damit Allgemeingut und darf jeder sie pflücken? „Nein“, sagt der Göttinger Rechtsanwalt Thomas Breitenbach.  Auch die Bäume und das Obst an der Landstraße und an anderen Wegen sind „nicht herrenlos“.

Sie gehören meistens der politischen Gemeinde oder zum Beispiel einer Realgemeinde. Die dürfen darüber verfügen, manche versteigern die Jahresernte meistbietend. Wer das Obst ohne Erlaubnis pflückt, begehe Unrecht: „Das ist Diebstahl.“ Wenn das Obst am Boden liegt, „wird es allerdings grau“ und eine Rechtsbeurteilung schwierig.

Und was ist mit Mundraub? Den gab es tatsächlich, umgangssprachlich stand er für die „Entwendung von Nahrungs- oder Genussmitteln oder von anderen Gegenständen des hauswirtschaftlichen Gebrauchs in geringer Menge zum alsbaldigen Verbrauch“. 1975 wurde dieses eigenständige Delikt allerdings „abgeschafft beziehungsweise aufgewertet – als Diebstahl“, so Breitenbach.