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Göttingen Offener Heiligabend in Göttingen
Die Region Göttingen Offener Heiligabend in Göttingen
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17:29 26.12.2018
Offener Heiligabend in der Zentralmensa – Andy Clapp und seine Frau Barbara Bodamer-Clapp unterhalten die Besucher. Quelle: Eichner-Ramm
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Göttingen

Die traditionsreiche Veranstaltung hat ihre Premiere in der Zentralmensa des Studentenwerks Göttingen bestanden. Dorthin mussten die Organisatoren von „Keiner soll einsam sein“ ausweichen, da die Stadthalle in diesem Jahr wegen der Sanierung des Gebäudes nicht zur Verfügung stand. Wenn auch mancher die Akustik der Stadthalle vermisste, es herrschte eine gelöste, heitere Stimmung in dem Mensasaal.

Direkt aus der Küche auf den Tisch

Wolfgang Stoffel, der schon viele Offene Heiligabende für „Keiner soll einsam sein“ mitorganisiert hat, zeigte sich am frühen Heiligabend zufrieden. Der Umzug des „Offenen Heiligabends“ in die Zentralmensa lag nahe, denn das Team des Studentenwerks bereitete ohnehin das Abendessen zu. Und so wurden Rindergeschnetzeltes mit Spätzle und Gemüse direkt aus der Küche von den Helfern an die weihnachtlich eingedeckten Tische verteilt. Dort gab es am Nachmittag schon Kaffee und Kuchen.

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„Eine besondere Gemeinde“

Offener Heiligabend in der Zentralmensa –hier Pastor Thomas Harms (l.) und Organisator Wolfgang Stoffel. Quelle: Eichner-Ramm

Nach und nach füllten sich alle Plätze, und all die vielen jungen wie älteren Menschen, die den Nachmittag nicht allein verbringen mochten, hörten zunächst eine Weihnachtsandacht von Pastor Thomas Harms. Er sprach davon, dass Weihnachten das Fest des Lichtes sei. Der Offene Heiligabend solle dazu beitragen, dass den Menschen etwas von der Dunkelheit genommen werde, die sie möglicherweise umgebe. Seit 2005 sei ehr bei „Keiner soll einsam sein“ dabei, sagte Harms. Es sei eine „besondere Gemeinde“, und er schätze es sehr, dass „ich hier predigen darf“.

Tageblatt-Hilfsaktion „Keiner soll einsam sein“

Während der Kaffeetafel nutzten die Gäste des Offenen Heiligabend die Gelegenheit, in besinnlicher Atmosphäre ins Gespräch zu kommen. Mit den Helfern, aber auch miteinander. Manche kennen sich schon seit vielen Jahren, andere waren das erste Mal dabei.

80 ehrenamtliche Helfer

Etwa 80 Freiwillige haben zum Gelingen beigetragen, freute sich Stoffel über das große ehrenamtliche Engagement, unter ihnen 13 Mitarbeiter des Studentenwerks. Etwa 20 Helfer waren zum ersten Mal dabei. So hatten Uwe Knoth und sein achtjähriger Sohn Uwe am Heiligabend Helfer-Premiere. Er sei dankbar für das, was er selbst im Leben habe , begründet Uwe Knoth sein Engagement beim Offenen Heiligabend, und wolle deshalb etwas weitergeben. Auch Elisabeth Baier war zum ersten mal für die Tageblatt-Hilfsaktion im Einsatz. Die frühkindliche Pädagogin hatte an diesem Nachmittag schnell den passenden „Job“ gefunden – am Kindertisch war sie schnell umringt von Kindern der verschiedenen Altersstufen. Sie sei dabei, weil sie mit ihren Eltern Heiligabend nicht zu dritt allein zuhause sitzen wollte, berichtete sie, und deshalb habe sie ihre Eltern gleich mitgebracht.

„Der Gesellschaft etwas zurückgeben“

Offener Heiligabend in der Zentralmensa – hier die Helfer Edeltraud Badura und Raeih Kordstani. Quelle: Eichner-Ramm

Seit 35 Jahren hilft Edeltraud Badura beim Offenen Heiligabend mit. „Das macht mir Spaß“, sagte die 83-Jährige. Für Sabine Kurre war es das dritte Mal, dass sie bei der „Tageblatt-Hilfsaktion“ mithalf. „Mir geht es so gut, daher will ich der Gesellschaft etwas zurückgeben“, sagte sie, „vor allem denen, die es nicht so gut haben“. Die Gespräche, das Miteinander und die Atmosphäre der vielen unterschiedlichen Menschen und Kulturen machten den Offenen Heiligabend zu etwas Besonderem, das ihr wichtig sei, ergänzte die Angersteinerin. „In den Dienst der guten Sache stellen“ wollte sich Eckart Hintze auch in seinem fünften Jahr als Helfer. Neben ihm an der Getränkeausgabe stand Markus Schaile. Der Rosdorfer berichtet, dass er bei seinem ersten Einsatz vor neun Jahren eigentlich nur seinen heute 13 und 14 Jahre alten Kindern zeigen wollte, „dass es auch Menschen gibt, die alleine sind und denen es nicht gut geht“. Seither seien sie „hängen geblieben“.

Musik und Zaubertricks

Untermalt wurde der Nachmittag in der Zentralmensa von Klaus Faber am Klavier, der das Programm der „Keiner soll einsam sein“-Traditionsveranstaltung seit 23 Jahren unterstützt. Auch Zauberer Andy Clapp war schon mehrfach mit seinen Zaubertricks dabei. Zusammen mit seiner Frau Barbara Bodamer-Clapp unterhielt er nach dem Abendessen die Besucher des Offenen Heiligabends mit Jonglage- und Zaubertricks. Auch zuvor war er schon an manchen Tischen aktiv, scherzte und band die Gäste auf sympathische Art in seine Tricks ein. So verwandelte er den Ehering von Regina Gralki aus Bovenden in eine wertlose Kette oder setzte Gralkis Tischnachbarin eine Clownsnase auf.

„Hier werden keine Unterschiede gemacht“

Ein paar unbeschwerte Stunden in Gemeinschaft zu verbringen, das wollte auch Andrea Bogdan, die mit ihren Söhnen Paul (15) und Tim (19) erstmals beim Offenen Heiligabend war. Und auch Vera Nagy aus Waake betonte: „Die Gesellschaft ist das Wichtigste.“ Sich mit anderen auszutauschen hätten nicht nur ihr selbst gut getan, sondern auch ihren beiden Söhnen Alexander (9) und Maximilian (13). Besonders faszinierte sie, dass an diesem Nachmittag so viele verschiedene Menschen zusammen gekommen seien. „Hier werden keine Unterschiede gemacht“, freute sie sich.

Nicht zum ersten Mal nutzte Matthias A. aus Göttingen den Offenen Heiligabend, um ein wenig Abwechslung zu bekommen. Sonst sitze er überwiegend allein zuhause, sagt der 52-Jährige, der nicht nur seine Familie, sondern auch seinen Führerschein und sein Arbeit verloren hat. An einem anderen Tisch saß Hans. B., der von sich selbst sagte, er tue sich mit sozialen Kontakten schwer. An diesem Heiligabend habe er aber „ein sehr gutes Gespräch“ mit einer Helferin geführt. „Das hat sehr gut getan“, berichtete er.

„Es hätte nicht schöner laufen können“

Organisator Stoffel zog am Abend eine positive Bilanz: „Die Leute waren alle so entspannt und alle hatten gute Laune. Es hätte nicht schöner laufen können.“ Gegen 19.45 Uhr klang der Offfene Heiligabend der Tageblatt-Hilfsaktion „Keiner soll einsam sein“ aus. Viele Besucher nutzten das Angebot der Göttinger Verkehrsbetriebe, die wieder für einen kostenlosen Bustransfer sorgten. Sven Dorazil, Eduard und Ralf Mühlhause steuerten die drei Busse ehrenamtlich in alle drei Stadtteile. Mühlhause bezeichnete es als Ehrensache, sich für den guten Zweck einzusetzen. „Das ist keine große Sache“, sagte er zu seiner Bereitschaft, den regulären Dienst etwas zu verlängern.

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Mehr zur Tageblatt-Weihnachtshilfe „Keiner soll einsam sein“ gibt es online unter der Themenseite.

Von Britta Eichner-Ramm