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Göttingen „Ohne Kontakte kann man nichts machen“
Die Region Göttingen „Ohne Kontakte kann man nichts machen“
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18:26 10.11.2010
„Wenn man nur zu Hause ist, kann man nichts machen“: Erfolgreiche Teilnehmerinnen Jawa Djakou und Jouwan Ali (v.l.).
„Wenn man nur zu Hause ist, kann man nichts machen“: Erfolgreiche Teilnehmerinnen Jawa Djakou und Jouwan Ali (v.l.). Quelle: Hinzmann
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Zwei Fotoprojekte, „Mensch Mädchen“ und „Brücke – moct“, die sich an zugewanderte Mütter richten, sind hier in den vergangenen Monaten entstanden. „Das Ziel war es, sie an die Schulen zu binden und in Sprach- und Integrationskurse sowie in berufsorientierte Maßnahmen zu vermitteln“, erzählt Ruth Zinner. Die Sozialarbeiterin ist Ansprechpartnerin der Hagenbergschule im Rahmen des Projekts Lernen in Schule und Arbeit (Lisa). Die beiden Fotoprojekte begannen Ende 2009 beziehungsweise im Frühjahr 2010 – und somit vor der hitzigen Debatte zum Thema Migration und Integration. Aber dieser Zufall soll genutzt werden. Zinner: „Was kann dieses Projekt nämlich mehr zeigen als die positive Vielfalt in unserer Gesellschaft?“

Frauen aus zehn Ländern engagierten sich bei „Mensch Mädchen“. Einmal die Woche trafen sie sich zu einem Müttercafé, tauschten sich aus, knüpften Kontakte und bekamen Tipps für die Zukunft. Die Methode, um Zugang zu den Frauen zu bekommen, war dabei die Fotografie. „Diese Treffen waren sehr gut“, sagt Teilnehmerin Jouwan Ali. „Wenn man nur zu Hause ist, ohne Kontakte, kann man nichts machen.“ Die Kurdin aus dem Irak erfuhr von anderen Müttern von dem Projekt. Ihre beiden Töchter waren früher Schüler der Hagenbergschule und besuchen nun das Gymnasium. „Meine Aufgabe ist es jetzt, anderen Müttern auf Arabisch oder Kurdisch über die Hagenbergschule zu erzählen, ihnen zu helfen und zu vermitteln“, erzählt Ali.

Das Projekt „Brücke – moct“ war nur für Mütter und Kinder aus Aussiedlerfamilien und russischen Familien gedacht. „Hier ist der Kontakt zur Schule oftmals viel schwieriger als bei anderen Migranten“, begründet Zinner die Trennung der Fotoprojekte. Deswegen lief dieses Projekt auch über einen längeren Zeitraum, da Schritt für Schritt der Kontakt zu den Familien aufgebaut wurde. Die sichtbaren Ergebnisse der Projekte, die im Rahmen von „Stärken vor Ort“ des Europäischen Sozialfonds gefördert werden, hängen nun im Foyer der Hagenbergschule. Mütter mit ihren Kindern lächeln einen von den Fotos zu.

Auf einem Bild sieht man Jawa Djakou zu Hause auf ihrem Sofa zusammen mit ihrer Tochter Jennifer. „Das Projekt gefällt mir sehr gut“, sagt sie. „Mir wurde so die richtige Richtung gezeigt für meine Zukunft.“ Das Ergebnis des Fotoprojekts sind nämlich nicht nur die Bilder und die Kontakte, die die Frauen knüpfen konnten. Djakou ist nun dabei, den Einstieg ins Berufsleben zu schaffen. Im Dezember beginnt die Frau aus Togo eine Ausbildung zur Altenpflegerin. Und Jouwan Ali nimmt nun an einem Integrationskurs an der Volkshochschule teil.

Die Fotografien der beiden Projekte „Mensch Mädchen“ und „Brücke – moct“ sind ab heute immer werktags von 8 bis 13 Uhr im Foyer der Hagenbergschule, Pappelweg 3, zu sehen.

Von Christopher Piltz