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Göttingen Ohne Partner ist ein Papagei nicht glücklich
Die Region Göttingen Ohne Partner ist ein Papagei nicht glücklich
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19:26 30.08.2011
Nur zu zweit fühlen sich Papageien richtig wohl: Ein Graukopf-Papageienpärchen.
Nur zu zweit fühlen sich Papageien richtig wohl: Ein Graukopf-Papageienpärchen. Quelle: Vetter
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Göttingen

„Meine Vögel sind keine Stubenvögel“, sagt er. Das Augenmerk liege auf der Arterhaltung. Denn seit Anfang der 90er Jahre sei der Import der geschützen Vögel verboten. Deshalb müsse man darauf achten, dass man die vorhandenen Vögel art- und rasserein erhalte. „Auch für Papageien gibt es ein Zuchtbuch“, so Böning.

Denn über ein Drittel aller Papageien-Arten sind vom Aussterben bedroht. Der Verlust von Lebensräumen, aber auch der Heimtier-Handel sind laut Böning dafür verantwortlich. In die EU würden weltweit die meisten Papageien importiert – jedes Jahr über 200 000 Tiere.

Schutz vor der Gefährdung durch Handel bieten das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) und entsprechende EU-Verordnungen. Diese regeln den Handel mit gefährdeten Arten von Tieren und Pflanzen. Papageien-Arten, die besonders stark bedroht sind, dürfen nicht gehandelt werden. Ausnahmen können für Nachzuchten erteilt werden. Für fast alle anderen Papageien ist nur der kontrollierte Handel erlaubt. Der Halter braucht einen Herkunftsnachweis, der belegt, dass das Tier legal erworben wurde. Für die Zucht ist eine Genehmigung nötig. Wenn ein Vogel fünf Tage alt ist, wird er beringt und trägt fortan alle Daten mit sich, um den Züchter zu ermitteln. Lediglich Wellensittich, Nymphensittich, Rosenköpfchen und Halsbandsittich dürfen in der EU frei gehandelt werden.

Böning züchtet vornehmlich Langflügelpapgeien, zu denen auch die Rotbäuche und Grauköpfe gehören, und das fast ausschließlich für andere Züchter. Sein Ziel ist die Arterhaltung. „Die Vögel werden selten an Privatleute abgegeben. Im Wohnzimmer nützt uns der Vogel nichts mehr.“

Böning hält alle Vögel in Paaren. „Sie brauchen Spielzeug, Äste, Partner.“ Haben sie Gesellschaft, werden sie allerdings nicht so zahm wie alleine. Wünscht man sich Nachwuchs, sei es wichtig, den Vögeln eine Höhle anzubieten.

Einen Graupapagei aus Privatbesitz hat der Züchter bei sich aufgenommen. Der Vogel war allein und hatte sich schon fast alle Federn ausgerupft. Nun, wieder in bester Gesellschaft, wächst sein ramponiertes Kleid langsam nach. Und nicht nur er lässt sich von seinem Futtergeber kraulen. Auch sein Partner ist so zutraulich, dass er Böning zwar gern in den Finger beißt, aber je nach Tagesform auch zu ihm auf die Hand klettert.

„Die Vogelhaltung ist kein Hobby wie jedes andere“, sagt Böning. Mindestens eine Stunde am Tag muss er sich seinen Vögeln widmen. Im Urlaub müsse er jemanden haben, der die Vögel für ihn betreut.

Die Fütterung ist aufwendig. Der Göttinger bereichert das Futter mit Beerenobst, Keimfutter, Äpfeln und Gemüse. Auf ungespritzten Felden sammelt er in Absprache mit den Landwirten Getreide. Damit er auch im Winter gutes Futter hat, nutzt er die Kühltruhe zur Vorratshaltung. Hüttenkäse liefert das tierische Eiweiß.

Der Verein hat bundesweit mehr als 20 000 Mitglieder. In der Ortsgruppe Göttingen sind derzeit 15 Vogelhalter mit Kanarienvögeln, Exoten oder Papgeien. Zu sehen sind sie bei der Vogelausstellung am Wochenende, 3. und 4. September, in Reckershausen im Saal Fortmüller in der Heiligenstädter Straße. Am Sonnabend ist sie von 10 bis 18 Uhr geöffnet, am Sonntag von 10 bis 17 Uhr. An jedem vierten Freitag im Monat treffen sich die Vogelfreunde um 20 Uhr im Lokal „Zur guten Quelle“ in der Ernst-Ruhstrat-Straße.

Von Ute Lawrenz