Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Ohne Toleranzentwicklung komatöser Zustand
Die Region Göttingen Ohne Toleranzentwicklung komatöser Zustand
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:54 13.08.2010
Von Jürgen Gückel
Ch. Lüdecke
Ch. Lüdecke Quelle: EF
Anzeige

Tags darauf rief er vergeblich nach einem Arzt. In der folgenden Nacht tötete er sich selbst. Jürgen Gückel sprach darüber mit der Chefärztin für Suchtbehandlung, Dr. Christel Lüdecke.

Tageblatt: Halten Sie es für möglich, dass jemand 42 Diazepan-Tabletten schluckt und das unbeschadet überlebt und vom Gericht als verhandlungsfähig angesehen wird?
Lüdecke: Ja, eine Dosis von 42 Diazepam-Tabletten kann ohne gesundheitliche Folgeschäden überstanden werden. Dabei entsprechen 400 bis 500 Milligramm Diazepam pro Tag einem Hochdosiskonsum. Verhandlungsfähigkeit ist nach Einnahme einer solchen Dosis aber als äußerst unwahrscheinlich anzunehmen.

Unterstellt, der Häftling hätte wirklich so viele der Tabletten auf einmal geschluckt: Wie wirkt sich das aus?
Das muss differenziert betrachtet werden. Besteht eine Toleranzentwicklung, also Gewöhnung an eine hohe Benzodiazepindosierung, sind Sedierung, Konzentrationsstörungen, Apathie und Störungen der Merk- und Lernfähigkeit zu erwarten. Beispielsweise würde ein solcher Mensch im Gespräch zu ständigen Wiederholungen neigen, der Redefluss wäre verlangsamt. Bei Menschen ohne Toleranzentwicklung sehen wir einen komatösen Zustand gleich einer schweren Alkoholvergiftung.

Wenn jemand nach einer so hohen Dosis weder Tabletten noch Drogenersatz bekommt, gibt es dann Entzugserscheinungen, die Suizidgedanken erklären könnten?

Hier sind unterschiedliche Szenarien denkbar und es kann sich um einen medizinisch komplizierten Sachverhalt handeln. Unter den hier geschilderten Bedingungen – mehrwöchiger Erhalt einer therapeutischen Dosis von 20 bis 30 Milligramm Diazepam und einmalige Einnahme einer Hochdosis – sind keine Entzugserscheinungen zu erwarten. Der Einsatz von Drogenersatzstoffen ist eine Behandlungsoption bei manifester Opiatabhängigkeit. Ob diese zu dem damaligen Zeitpunkt vorgelegen hat, entzieht sich meiner Kenntnis.

Andreas Fuhrmann 13.08.2010
Göttingen Unter Druck: Minderheiten im Irak - Buch schildert Verfolgung der Christen
Jörn Barke 13.08.2010