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Göttingen Olschewski: „Wir haben die Pflicht zu handeln“
Die Region Göttingen Olschewski: „Wir haben die Pflicht zu handeln“
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19:20 29.11.2010
Von Ulrich Schubert
Zu viele Katzen im Tierheim: In Göttingen steht eine Kastrationspflicht zur Diskussion.
Zu viele Katzen im Tierheim: In Göttingen steht eine Kastrationspflicht zur Diskussion. Quelle: Thiele
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Dafür gebe es zwei zentrale Gründe, erklärte der Paderborner Ordnungsamtsleiter Udo Olschewski jetzt im Umweltausschuss des Göttinger Rates: Nur mit einer klaren Rechtsvorschrift inklusive Strafandrohung im Hintergrund und wenn alle Beteiligten am gleichen Strang ziehen, ließe sich die Katzenschwemme in einer Stadt wie Göttingen stoppen.

Tierschützer schlagen Alarm: Es gibt immer mehr frei laufende Katzen, viele von ihnen sind krank, und die Tierheime und Katzenhäuser sind längst überfüllt. Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, schlägt die CDU eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für alle Katzen in der Stadt vor – und verweist auf das Paderborner Modell. Damit wären auch Tierfreunde verpflichtet, Katzen behandeln zu lassen, die sie an einem offenen Platz nur füttern. Und die Verordnung gebe Tierschützern das Recht, vermeintlich herrenlose Katzen behandeln zu lassen.

Die Stadtverwaltung lehnt das ab und setzt auf eine Aufklärungskampagne. Ein Argumentationsgrund: Die geforderte Verordnung ließe sich nicht wirksam kontrollieren. „Das ist auch nicht nötig“, konterte überraschend Paderborns Ordnungsamtschef Olschewski: „Ich halte eh nichts davon, mit der Keule zu schlagen. Wir müssen die Leute mit auf den Weg nehmen.“ Trotzdem habe es sich bewährt, ein klares Gesetz zu haben. Das allein schrecke in Paderborn schon viele Menschen ab, weiter gedankenlos frei laufende Katzen zu füttern. Und es sei eine Absicherung für die Initiativen und Verbände, die sich um die Katzen kümmern und sie kastrieren beziehungsweise sterilisieren lassen.

Denn ohne die Hilfe vieler Initiativen ließe sich das Problem nicht lösen. Auch Paderborn habe dafür kein eigenes Personal. Die Stadt aber moderiere und unterstütze ein großes aktives Netzwerk, zu dem Tierschutzvereine, Tierärzte und Veterinäramt gehören. Und sie begleite die Aktion mit einer Info-Kampagne. Olschewski räumte auch ein, dass der Tierschutzverein und Tierheimträger in seiner Stadt viel Geld für seine Arbeit bekomme: etwa 80 000 Euro jährlich. Zum Vergleich: Der Göttinger Tierschutzverein bekommt nach Angaben der CDU von der Stadt zurzeit etwa 25 600 Euro plus 12 000 Euro Mietzuschuss für das Tierheim. Er hat aber einen Antrag gestellt, den Ausgleich für die Betreuung von Fundtieren ab 2011 zu erhöhen – auf 47 statt 27 Cent je Einwohner.

„Wir haben die Pflicht zu handeln, und wir müssen schnell handeln“, erklärte Olschewski das Vorgehen Paderborns. Ein Katzenpaar könne in sieben Jahren 420 000 Nachfahren bekommen. Und wenn 70 bis 75 Prozent aller Katzen frei leben und krank sind, sei das eine Gefahr für die Tiere und die Menschen. Fütterverbot und Kastration sei aktiver Tierschutz, dem auch die Kommune untergeordnet sei. In Paderborn sei die Anzahl der Katzen-Kastrationen allein im ersten Jahr von 500 auf 800 gestiegen. Und es gebe deutlich weniger Fütterstellen.