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Göttingen Opfer kritisieren Jesuiten-Berufung
Die Region Göttingen Opfer kritisieren Jesuiten-Berufung
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20:09 18.07.2011
Von Jörn Barke
Innenhof von St. Michael: Wirkungsstätte der Jesuiten.
Innenhof von St. Michael: Wirkungsstätte der Jesuiten. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Schneider war jahrzehntelang am tief in den Missbrauchsskandal verstrickten Aloisius-Kolleg in Bad Godesberg tätig, zuletzt als Rektor. Der 64-Jährige selbst hat vehement bestritten, persönlich an Übergriffen beteiligt gewesen zu sein. Er räumte allerdings ein, nicht rechtzeitig die Aufklärung von Vorwürfen gegen Dritte eingeleitet zu haben und bat die Opfer um Verzeihung. Unter anderem bestätigte Schneider, von Aktfotos gewusst zu haben, die ein mittlerweile gestorbener Beschuldigter von Jungen anfertigte. In der Handhabung der Duschaufsicht durch den Beschuldigten und in der Praxis des rektalen Fiebermessens sah Schneider damals keine Probleme.

Nach dem Abschluss der Untersuchungen der Vorwürfe steht dem Einsatz Schneiders in wichtigen seelsorgerlichen Funktionen laut Bistum Hildesheim nun nichts mehr im Wege. Der Eckige Tisch nimmt die Personalie hingegen „mit Bestürzung und Unverständnis“ zur Kenntnis und fordert Antworten: „Warum hat Schneider während seiner Zeit als Führungskraft, aber auch in den Jahren davor, zu seinen Wahrnehmungen geschwiegen und so minderjährige Schutzbefohlene im Stich gelassen? Was waren die Beweggründe: War es zum Beispiel Freundschaft zum Täter oder die Sorge um den Ruf des Aloisiuskollegs? Warum hat er sich nicht an die Ordensoberen gewandt? Oder ist er dort nicht gehört worden?“

Die Tatsache, dass wieder eine Führungsposition mit Schneider besetzt werden solle, sei kein Ausweis dafür, „dass hier einer unbelastet ist. Vielmehr zeigt sich hier nach unserer Überzeugung das Unvermögen des Ordens und seines Chefs, Provinzial Stefan Kiechle, adäquat, auf die Herausforderungen des Missbrauchsskandals zu reagieren.“ Die betroffenen ehemaligen Schüler des Aloisiuskollegs kritisieren vor allem, dass Schneider sich nicht ausreichend erklärt und bis heute keine Gespräche mit Betroffenen gesucht habe. Der Eckige Tisch verweist auch darauf, dass ein zunächst geplanter Wechsel Schneiders nach München gescheitert sei. In Göttingen hat der angekündigte Wechsel Schneiders bisher kaum öffentliche Reaktionen hervorgerufen.