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Göttingen Optimiert und flott voran: Grüne Welle statt roter Ampeln – theoretisch
Die Region Göttingen Optimiert und flott voran: Grüne Welle statt roter Ampeln – theoretisch
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18:48 23.08.2011
Von Britta Eichner-Ramm
Einer der Göttinger Knotenpunkte mit diversen Verkehrsbeziehungen: 3774 Fahrzeuge passieren in einer abendlichen Spitzenstunde die Kreuzung am Groner Tor.
Einer der Göttinger Knotenpunkte mit diversen Verkehrsbeziehungen: 3774 Fahrzeuge passieren in einer abendlichen Spitzenstunde die Kreuzung am Groner Tor. Quelle: Pförtner
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Göttingen

Ein möglichst reibungslos fließender Verkehr ist im Sinne aller – der Autofahrer, die möglichst flott vorankommen möchten, aber auch der Umwelt und der Anlieger von viel befahrenen Straßenzügen. Stop-and-Go schraubt nicht nur unnötig den Treibstoffverbrauch in die Höhe, sondern sorgt auch für einen Anstieg von Schadstoffen.

Deshalb hat die Politik bereits Ende 2008 einen städtischen Luftreinhalteplan beschlossen. Ziel unter anderem: durch verschiedene Maßnahmen die Luftschadstoffbelastung durch Feinstaub und Stickoxid zu reduzieren. Eine der Maßnahmen nennt sich im Verwaltungsdeutsch „Verkehrsverstetigung“. Gemeint ist damit eine Optimierung des Verkehrsflusses – zum Beispiel durch Koordinierung der Lichtsignalanlagen – im Volksmund als Ampeln bezeichnet.

In vier Straßenzügen klappt es, glaubt man dem Steuerungsplan, in Göttingen mit der grünen Welle. Auf der Hannoverschen Straße sei ein durchgängiges Fahren zwischen B 27 / An der Lutter und Kreuzbergring möglich. Der Praxistest zeigt: stadtauswärts schaltet die Ampel an der Einmündung Daimlerstraße auf Rot, stadteinwärts zeigen die Signale tatsächlich Grün, sogar über den Kreuzbergring hinaus. Beim passenden Tempo funktioniert die grüne Welle auch auf Kasseler Landstraße und Groner Landstraße – von Siekweg bis Bahnhofsallee. Wer auf der B 3 weiter in Richtung Northeim fährt, kommt bei Grün sogar bis zur Ampel an der Einmündung Hildebrandstraße / Maschmühlenweg – vorausgesetzt der Verkehr lässt dies zu.

Auch auf dem Friedländer Weg zwischen Geismarlandstraße und Herzberger Landstraße funktioniert die grüne Welle – theoretisch. Praktisch leider nicht, was vielleicht am Verkehrsaufkommen liegt. Mit Einschränkungen schafft es der motorisierte Verkehrsteilnehmer außerdem in einem Rutsch vom Weender Tor über die Berliner Straße über das Groner Tor, die Bürgerstraße entlang bis zum Geismar Tor. Allerdings handelt es sich hier um Lichtsignalanlagen mit sogenannter ÖPNV-Beeinflussung. Das bedeutet, dass die Stadtbusse etwa am Zentralen Omnibusbahnhof Grün anfordern und den fließenden Verkehr stoppen können. Einfluss auf die Ampelschaltung haben darüber hinaus auch Polizei (im Bereich der Otto-Hahn-Brücke) und Feuerwehr (Kreuzung Geismarlandstraße / Danziger Straße / Breslauer Straße).

Sören Koss vom Fachdienst Stadt- und Verkehrsplanung erläutert, welche Faktoren für eine funktionierende grüne Welle eine Rolle spielen und welche neben dem ÖPNV dem Verkehrsfluss entgegen stehen. So sollte es mehr als ein Fahrstreifen je Richtung geben, damit zum Beispiel langsamere Fahrzeuge überholt werden können und den fließenden Verkehr nicht ausbremsen. Auch ein- und ausparkende oder aber in Grundstücke ein- und abbiegende Fahrzeuge stören den Verkehrsfluss ebenso wie haltende Busse.

Ein weiterer „maßgebender Punkt für das Schalten einer grünen Welle“ ist laut Koss der optimale Abstand der Kreuzungen. Dieser sei zum einen nicht überall gegeben, zum anderen setze die grüne Welle auch eine „ausreichende Leistungsfähigkeit“ der Knotenpunkte voraus. „Die Maximierung der Einzelleistung einer Kreuzung hat Vorrang vor der grünen Welle“, macht der Verkehrsplaner klar, denn „eine grüne Welle nutzt wenig, wenn der Verkehr der Nebenstraßen zusammenbrechen würde“. Auch Abbiegefahrspuren können das Grün für den geradeaus fahrenden Verkehr beeinflussen wie etwa bei hohem Verkehrsaufkommen von der Bürgerstraße in Richtung Groner Landstraße. Und schließlich sind es Fußgänger und Radfahrer, denen Ampeln ein Überqueren von vielbefahrenen Hauptstrecken ermöglichen – an der Reinhäuser Landstraße zum Beispiel gibt es zwischen Geismar Tor und Kiesseestraße vier Fußgänger-Signalanlagen.

Wie komplex die Verkehrsbeziehungen an großen Knotenpunkten sind, zeigen die Verkehrsmengen und -beziehungen am Beispiel Groner Tor. In einer durchschnittlichen Spitzenstunde (16.15 bis 17.15 Uhr) passieren insgesamt 3774 Fahrzeuge (Pkw, Lkw und Busse) die Kreuzung – in Richtung Bürgerstraße 1462, in Richtung Berliner Straße 1084, in Richtung Groner Landstraße 867 und in Richtung Groner Tor Straße 361.

Übrigens hat das Göttinger Tageblatt bereits am 19. Juli 1966 über die grüne Welle berichtet: „Gestern wurde in Göttingen die erste ,grüne Welle‘ eingerichtet. Die Ampelanlagen am Weender Tor und Kreuzbergring laufen synchron. Wer am Auditorium grünes Licht hat und mit einer Geschwindigkeit von 40 km in der Stunde in Richtung Weende fährt, hat am Kreuzbergring ebenfalls Grün.“