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20:06 28.10.2019
Das altorientalische Brettspiel „Ur“ wird eingeweiht. Quelle: Anja Semonjek
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Göttingen

Auf dem Hof des Kulturwissenschaftlichen Zentrums (KWZ) auf dem Campus der Universität Göttingen kann ab sofort das altorientalische Spiel „Ur“ gespielt werden. Die offizielle Einweihung des Spielobjektes hat am 28. Oktober stattgefunden: Nach einem offiziellen Teil mit einigen Reden spielten Interessierte das Spiel an Ort und Stelle.

„Heute, nach 4000 Jahren ist das Spiel ,Ur’ wieder da und erinnert uns an Mesopotamien“, sagt Initiator und Künstler Ammar Hatem. „Leider ist dieses Gebiet heute ein Kriegsgebiet.“ Professor Albert Busch, Studiendekan der Philosophischen Fakultät und Professorin Annette Zgoll vom Seminar für Altorientalistik informieren zum Spielobjekt. Das „Centre for Global Migration Studies“ (CeMig) und das Kommunikations- und Aktionszentrum Göttingen (KAZ) realisierten das Projekt, gemeinsam mit Hatem.

Der Künstler Ammar Hatem bereitet das Spiel vor. Quelle: Anja Semonjek

Der Künstler Ammar Hatem

In Damaskus studierte der Syrer Ammar Hatem Kunst. Seit vier Jahren wohnt er nun in Deutschland – dafür spricht er sehr gut Deutsch. Er erzählt, dass es das dritte Spielobjekt ist, dass er auf Göttingens öffentliche Plätze bringt. Ein chinesisches Schachspiel befinde sich vor dem Gebäude des KAZ, also in der Bürgerstraße 15. Das äthiopisches Spiel „Mancala“ kann in den Internationalen Gärten in Geismar gespielt werden. Die Spielsteine können sich Interessenten im KAZ abholen oder im KWZ in der Bibliothek.

Das Ziel der Projekte sei es, den Göttingern spielend Künste aus anderen Kulturen nahezubringen – das ist Hatem vor allem als Künstler wichtig. Sein Wunsch: „Die Leute sollen es nicht nur als Spiel sehen: Es ist mehr als das. Es ist Kultur und eine lebende Geschichte.“ Die Leute können im Internet mehr zu dem Spiel nachlesen und über die Kultur des alten Orients erfahren. Es gebe außerdem andere Varianten und Spielregeln zu dem Spiel, die nachgelesen werden können.

Den Standort für den Spielort wählten Hatem und seine Kollegen aus dem KAZ bewusst: „Hier im Kulturwissenschaftlichen Zentrum werden alte Kulturen gelehrt“, erklärt der Syrer. Da sollten sich interessierte Spieler finden lassen.

Spielen – an der Universität unterschätzt

Professorin Zgoll aus der Altorientalistik versetzt die Anwesenden in eine frühere Zeit zurück. Sie erzählt, das Spiel verbinde mit dem alten Irak und dem Iran. Die Länder würden heute viel Leid erleben – so wie schon seit Jahrhunderten, denn es habe in der Region schon immer viele Bürgerkriege gegeben. „Aber eine der wichtigsten Erfindungen des Menschen kommt aus der Region: Die Schrift“, sagt die Expertin. Bei Ausgrabungen auf dem königlichen Friedhof in der Stadt Ur in den 1920er Jahren sind Spielbretter neben Kelchen und Schmuck gefunden worden. Daher komme der Name des Spiels.

Professorin der Altorientalistik Anette Zgoll (r.) zeigt Bilder zu den Ausgrabungen in der irakischen Stadt Ur. Quelle: Anja Semonjek

„Für die Philosophische Fakultät freue ich mich, das Königsspiel zu eröffnen“, sagt Dekan Busch. Spielen komme seiner Meinung nach zu selten im Uni-Alltag vor – „in diesen Instituten der Nützlichkeit“. Dabei betont er, dass viele unserer heutigen Strukturen durch Spiele entstanden sind. Diese verfestigten sich im Anschluss institutionell und nahmen irgendwann einen Zwangscharakter an. Frei von jeglichem Zwang solle an diesem Platz „Ur“ gespielt werden. Auch Professor Busch betont: „Hier soll nicht nur zum Spielen eingeladen werden, sondern zum Reflektieren über Migration.“

„Dass Leute im Herstellungsprozess zusammenkommen, das war ein weiteres Ziel“, erklären die Vertreter des KAZ. Sie danken ihren Förderern, dem evangelischen Kirchenkreis und dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur.

Das Königliche Spiel von Ur

In den 1920er Jahren wurden in der irakischen Stadt Ur Friedhöfe, auf denen Könige und Königinnen begraben wurden, ausgegraben. Dabei fand man wertvolle Schätze, die Geschichten erzählten: Was wollten die Könige auch nach ihrem Tod bei sich haben? Neben Kelchen und einem Helm fand man unter anderem ein Brettspiel. Daher wird vermutet, jenes Brettspiel kommt aus der Stadt Ur.

Das Spiel funktioniert folgendermaßen: Zwei Spieler besitzen acht Steine – der eine Spieler weiße, der andere schwarze. Diese gilt es, durch das Spielfeld zu bringen. Derjenige, der alle Steine durch das Feld gebracht hat, gewinnt. Vor jedem Zug entscheiden vier eckige Würfel, wie weit sich ein Spieler bewegen darf. Dieser muss dann taktisch überlegen, welchen der acht Steine er bewegen soll. Er muss nämlich auf der Hut sein vor seinem Gegenspieler, der ihn rauswerfen kann, kommt er auf seinen Platz. Auf dem Feld, auf den ein Stern gemalt ist, ist man aber sicher vor dem Gegner.

Von Anja Semonjek

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