Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Orsolya Láng berichtet über Göttingen
Die Region Göttingen Orsolya Láng berichtet über Göttingen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:50 30.11.2017
Orsolya Láng war für einen Monat Stadtschreiberin in Göttingen. Quelle: Vera Wölk
Anzeige
Göttingen

Für sie sei das Stadtschreiberprojekt, das als Pilotprojekt von Goethe-Institut und KAZ ins Leben gerufen wurde, wie Urlaub gewesen. „Ich bin ohne Erwartungen an das Projekt herangegangen, da es für mich ein Geschenk war“, sagte die 29-Jährige. Sie habe sich sehr daüber gefreut, und die Freude sei während ihres Aufenthalts in Göttingen noch größer geworden. Aus ihrer Sicht sei das Projekt gelungen, doch würde sie es besser finden, wenn der nächste Stadtschreiber mindestens zwei Monate in der Universitätsstadt bleiben könnte. „Dann kann man die Stadt besser erleben, denn die ersten zwei Wochen braucht man um anzukommen“, sagte sie. Außerdem habe sie innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Termine gehabt, dies sei zum Teil schwierig gewesen. Zum Beispiel hätte Láng gern mehr vom Programm des Deutschen Theaters gesehen, doch sei dies wegen des engen Terminplans nicht möglich gewesen.

Bei ihren Blogbeiträgen, die sie zu verschiedenen Erlebnissen geschrieben hat, habe sie sich auf Dinge konzentriert, die sie beschäftigt haben. So handelt einer ihrer Beiträge von ihren regelmäßigen Busfahrten zur Merkelstraße. Die Frauenstimme, die die Haltestellen ansagt, verbindet sie dabei mit einer Frau, die hinten im Bus in einer Kabine sitzt. „Mir war wichtig, in den Beiträgen meine persönlichen Eindrücke wiederzugeben“, sagte Láng.

Anzeige

Wegen des engen Zeitplans habe sie es noch nicht geschafft, über ihre letzten Tage in Göttingen zu schreiben. „Ich möchte mir die Zeit nehmen, um die Eindrücke aufzuarbeiten, und werde von Budapest aus noch den Blog weiterführen“, erklärte Láng. Zudem könne sie sich vorstellen, ihre Blogeinträge ins Ungarische zu übersetzen, um so mitzuhelfen, dass die gegenseitigen negativen Meinungen über Deutschland und Ungarn verändert werden. „Ich wünsche mir, dass es zwischen den Menschen beider Länder einen Dialog gibt“, sagte sie.

Der Besuch im Migrationszentrum habe sie beeindruckt, denn ihrer ungarischen Heimat gebe es keine Infrastruktur für Flüchtlinge. Aus ihrer Sicht müssen die Menschen in Ungarn dafür noch sensibilisiert werden.

Zu den Terminen der jungen Frau hat auch der Besuch eines Deutschkurses gehört, und obwohl sie bereits vor ihrem Aufenthalt in Göttingen gut Deutsch gesprochen habe, sind sich Ulrike Hofmann-Steinmetz vom Goethe-Instiut und Anne Moldenhauer vom KAZ, die die Stadtschreiberin betreut haben, einig, dass sich ihr Deutsch noch einmal deutlich verbessert habe. Denn während sie früher lange überlegt habe, sei sie jetzt problemlos in der Lage sich bei einer Unterhaltung einzubringen. „Durch das Projekt habe ich einen Dialog mit mir selbst geführt, und mein Blick auf die Dinge hat sich verändert“, fasst Láng ihre Erfahrungen zusammen.

Darüber, ob das Stadtschreiberprojekt fortgesetzt werden soll, wird es in den kommenden Monaten Gespräche zwischen dem Goethe-Institut, dem KAZ und der Stadt geben. „Wir hoffen, dass wir noch einmal jemandem die Chance geben können, über Göttingen zu berichten. Dann sollte das Projekt aber länger als nur ein Monat dauern“, sind sich Hofmann-Steinmetz und Moldenhauer einig.

Von Vera Wölk

03.12.2017
Göttingen Menschen mit Behinderung - Zentrale Beratungsstelle
30.11.2017