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Göttingen Ortsrat Gladebeck tagt und löst sich auf
Die Region Göttingen Ortsrat Gladebeck tagt und löst sich auf
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19:20 17.09.2014
Hardegsens Bürgermeister Sjuts mit Michael Selke, Steffen Lüdecke und Christoph Engelhardt (von links). Quelle: CR
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Gladebeck

Trotz Auflösung macht der Ortsrat weiter. Bis zur Neuwahl des Gremiums könne er Dinge beschließen, wenn alle verbliebenen Ortsratsmitglieder anwesend seien, führte der städtische Bürgermeister aus. Möglichst bis in vier Monaten nach dem letzten Rücktritt solle die Neuwahl vollzogen sein. In Hardegsen wäre das zum Jahreswechsel. Den Wahltag bestimmt der Verwaltungsausschuss, der laut Sjuts im November tagt.

Sjuts zeichnete den verbliebenen Ortsratsmitgliedern (alle Bürgerliste) und rund 30 Zuhörern alle Möglichkeiten auf. Per Änderung der Hauptsatzung könnte der Verwaltungsausschuss die Anzahl der Sitze ändern. Mindestens fünf müssen es nach dem Gesetz sein. Es sei auch möglich, ganz auf einen Ortsrat zu verzichten und einen Ortsvorsteher zu bestimmen.  

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Ihr Leben habe sich verändert, begründete Anja Zapfe ihren Rücktritt als zweites Gremiumsmitglied im Mai. Schon früh hatte sich der stellvertretende Stadtbrandmeister Uwe Heise aus dem Ortsrat zurückgezogen. Nachrücker gab es von Anfang an nicht, denn schon bei der Kommunalwahl gab es für die neun Sitze nur acht Bewerber.

Appell an die Bürger

„Ich bedaure, dass durch meinen Rücktritt die Flut von Rücktritten ausgelöst worden ist“, sagte Zapfe. Nach ihr warfen Rita Fegebank und Nils Dietrich das Handtuch. Beide appellierten an die Bürger, sich für die Neuwahl aufstellen zu lassen.

Mit der Stellungnahme von Ortsbürgermeisters Michael Selke kam es schließlich doch noch zu der bis dahin umgangene Auseinandersetzung. Als erfolgreich beschrieb er die Arbeit des Ortsrates. Das gemeinsame Arbeiten sei für ihn „Herzensangelegenheit“ und gehöre zur Demokratie dazu.

Sehr enttäuscht äußerte er sich darüber, dass weder Fegebank noch Dietrich ihm ihre Rücktritte angekündigt hätten. Selke äußerte den Verdacht, dass sie sich abgesprochen hätten. Demokratie funktioniere nur, wenn man auch andere Meinungen zulasse, konterte Fegebank und bemängelte mangelnden Informationsfluss.

Die rechtlichen Außenwirkung der Auflösung des Ortsrates hatte Sjuts zu Anfang beschrieben. Darüber hinaus merkte er an: „Alle lächeln so ein bisschen über uns. In meinen 24 Jahren als Bürgermeister habe ich so etwas noch nicht erlebt.“

Chance für Neuanfang

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Dieses Sprichwort passt zu der Ortsratssitzung. Ruhiger als erwartet wurde die Tagesordnung abgehandelt. Ruhig beschrieb Hardegsens Bürgermeister Dieter Sjuts, was nun für Gladebeck möglich ist und was nun entschieden werden muss.

Schön wäre, wenn es so ruhig geblieben wäre. Doch zu guter Letzt blitzten dann doch die „persönlichen Unstimmigkeiten“ auf, die die Arbeit im Ortsrat unmöglich gemacht haben. Doch die haben im Ortsrat nichts zu suchen. Wer sich entschließt, ein Mandat dort anzunehmen, sollte sich für die Sache einsetzen, für Dinge, die den Ort weiterbringen und nicht seine Animositäten ausleben.

Klar ist nicht zu erwarten, dass man mit jedem Menschen gleich gut auskommt. Aber persönliche Reibereien dürfen keinesfalls die Arbeit im Ortsrat lahmlegen. Das ist nun geschehen.

Hoffentlich schreckt das die Gladebecker nicht ab, bei der Neuwahl für einen Sitz zu kandidieren. Vielmehr sollten sie das Ende als Chance für einen Neuanfang nehmen. Und vielleicht wird der Wunsch von Nils Dietrich wahr: Der möchte einen Ortsrat mit Nachrückern haben.

Ute Lawrenz

Von Ute Lawrenz