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Göttingen 50 Jahre OHG in Göttingen: Russisch, Proteste und bis zu 1800 Schüler
Die Region Göttingen 50 Jahre OHG in Göttingen: Russisch, Proteste und bis zu 1800 Schüler
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08:58 02.09.2019
50 Jahre OHG – und immer in Bewegung: 1982 protestieren Schüler, Lehrer und Eltern vehement gegen eine Verlegung nach Weende. Quelle: .R
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Göttingen

Als diese Schule anfing, war es „eine kleine Revolution“, sagt Schulleiterin Rita Engels: Noch eine neue Schule in der einst kleinen, aber stetig wachsenden Stadt Göttingen; Unterricht in einer Villa im Ostviertel; an der Tafel plötzlich Lehrerinnen neben den männlichen Kollegen. Das war 1969. Mit 273 Schülern hat das „5. Gymnasium“ damals begonnen. Mit 1210 Schülern feiert das heutige Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) jetzt 50. Geburtstag.

Das OHG: Funktionaler Betonbau. Quelle: R

Hinter der Schule stehen 50 bewegte und immer wieder revolutionäre Jahre. Ganz bewusst zieht die Schule vier Jahre nach ihrer Gründung in einen Neubau in der Weststadt: raus aus dem Ostviertel, rein ist Bahnhofsviertel. Mit der neuen Bildungsoffensive der Brandt-Regierung sollen sich Schulen bisher benachteiligten Schichten öffnen und damit Bildungsreserven aktivieren, erklärt Engels. Die Bahnhofsnähe macht es möglich, dass viele Schüler aus dem Umland kommen – zeitweise wird das OHG despektierlich „Bauerngymnasium“ genannt.

Funktionsbau mit zentraler Pausenhalle

Revolutionär wie typisch für den Zeitgeist ist auch der Neubau: ein Funktionsbau mit viel Sichtbeton, der das Gebäude bis heute prägt. Selbst auf eine Aula verzichten die Planer. Klassen- und Fachräume gruppieren sich stattdessen um eine zentrale Pausenhalle und um zentrale Aufenthaltsbereiche. Die Gemeinschaft der Schüler und selbstständige Gruppenarbeit prägen immer mehr die pädagogischen Konzepte.

Auch das ist moderne, offene Schule: Entspannte Zeugnisvergabe im Leinepark. Quelle: Niklas Richter

Fast revolutionär sind auch spätere pädagogische Entwicklungen am OHG: Von Beginn an wird Russisch gelehrt, das OHG gründet 1993 einen Musikzweig und wird später Mint-EC-Schule. Als erstes Gymnasium in der Region richtet es nach eigenen Angaben eine Sprachlernklasse ein. In Diakoniepraktika (ab 2017) und Herausforderungsprojekten (ab 2013) außerhalb der Schule bekommen die Schüler noch mehr Unterstützung, ihre Stärken herauszubilden.

Das sagen Schüler, Lehrer und Ehemalige zu „ihrer“ Schule:

Stimmen zu 50 Jahre OHG

Zum 50. Geburtstag hat das OHG eine Fest-Broschüre erstellt. Darin kommen auch Schüler und Lehrer zu Wort und sagen, woran sie bei „ihrer“ Schule denken. Hier ein paar Auszüge:

„Wenn ich ans OHG denk, sehe ich eine große Gemeinschaft, die sich unterstützt. Das mag ich!“ ( Piet, 8. Klasse)

„Jung, dynamisch und engagiert“ (Peter Kurz, Lehrer von 1977 –2004)

„Wenn ich OHG höre, denke ich an berührende und ergreifende Konzerte sowie lebendige und mitreißende Revuen. Dass Schule nicht nur Schule sein muss, schätze ich sehr. Ebenso die Möglichkeit, aktiv an der Schulgestaltung mitzuwirken.“ (KathrinKörber, Schulelternratsvorsitzende seit 2019).

„Wenn ich OHG höre, denke ich an die vielen lockeren Typen, mit denen ich in der HandballSchulmannschaft bei Herrn Menz so tolle Erlebnisse hatte.“ … Dass ich immer jemanden gefunden habe, etwas Sinnvolleres zu unternehmen, als zu todlangweiligen Deutschstunden zu gehen.“ (Michael Kolle, Schüler 1974-1982).

Zweimal wird der Schulfrieden mächtig durchgerüttelt: Anfang der 1980er-Jahre platzt die für 1200 Schüler ausgelegte Schule mit fast 1800 Schülern aus allen Nähten. Das Land erwägt eine Teilung, die Stadt will die Schule nach Weende versetzen. Schüler, Lehrer und Eltern gehen auf die Straße und sammeln 27 000 Protestunterschriften. Die Schule bleibt wie und wo sie ist. 2017 gibt es erneut Proteste mit Aktionen auch in der Innenstadt: Die Schule hat erneut massive Raumnot und fordert einen Anbau. Mit Erfolg – die Pläne stehen.

Weihnachtskonzert des OHG in der Johanniskirche – 2011 Quelle: Jan Vetter

     

50 Jahre OHG – Die wichtigsten Stationen

-> 1969: Das „5. Gymnasium“ Göttingens wird mit 273 Schülern gegründet und zieht in die ehemalige Höltyschule im Ostviertel ein.

->1972/73: Die Schule zieht in ihren Neubau in der Weststadt.

-> 1977: Aus dem „5. Gymnasium“ wird das Otto-Hahn-Gymnasium.

-> 1995: Das OHG bekommt als erste Schule in Göttingen einen Internetanschluss.

Schon legendär und immer ausverkauft: Die große OHG-Revue. Quelle: R

-> 2005/06: Das OHG wird in Kooperation mit dem Sportinstitut „Bewegte Schule“, der öde Süd-Schulhof wird mit vielen Kletter- und Spielmöglichkeiten umgestaltet.

->2011: Mit der Sparkassenarena bekommt das OHG eine neue Sporthalle.

-> 2017: Die Schülerzahl steigt stetig. Nach mehreren Protestaktionen und langer politischer Debatte beschließt der Rat der Stadt einen Anbau –inklusive Mensa. Das Geld dafür ist im Etatplan positioniert, bisher ist aber noch kein Bagger angerollt.

Aktuin auf dem Markt: Schüler des OHG protestieren gegen Raumnot an ihrer Schule. Quelle: Jan Vetter

 So feiert die Schule

Den 50. Geburtstag wird das OHG groß und anders feiern als üblich. Am Donnerstag, 5. September, ist von 9.30 Uhr bis 17 Uhr ein Sporttag mit allen Schülern und Lehrern im Jahnstadion geplant. Er beginnt mit einem gemeinsamen „Tanzlied“ aller Schüler zum Ezra-Superhit Shotgun. Angeboten wird neben anderen Sportarten ein Triathlon. Schaffen die Schüler dabei 50 000 Rundenpunkte, bekommen sie zwei zusätzliche Freistunden, verspricht Schulleiterin Engels. Um 17 Uhr beginnt im Brauweg-Freibad eine Geburtstagsparty mit Open-Air-Konzert der Band Tora Bora Allstars.

Rita Engels Quelle: Christina Hinzmann / GT

Einem offiziellen Festakt am Freitag folgt am Sonnabend, 7. September um 19 Uhr der erste OHG-Alumni-Abend für ehemalige Schüler und Lehrer. Dafür haben sich bereits mehr als 600 Ehemalige angemeldet. Am Montag, 9. September, macht die gesamte Schule einen Ausflug in den (eigentlich geschlossenen) Heidepark Soltau. „Das ist natürlich ein wenig unpädagogisch“, räumt Engels ein. „Aber zum 50. sollen alle auch einfach Spaß haben. Und wir propagieren schließlich immer, Schulräume noch mehr zu öffnen“, fügt sie schmunzelnd an.

Von 273 bis 1800 Schüler

Die Schülerentwicklung am OHG

Immer in Bewegung waren über 50 Jahre OHG auch die Schülerzahlen. Mit 273 Schülern geht das neue Göttinger Gymnasium 1996 an den Start. Schon fünf Jahre später knackt es die Tausender-Marke. Und es kommen immer mehr. 1792 Schüler besuchen 1979 das OHG – der bisherige Rekord. Zwischenzeitlich war in Niedersachsen allerdings die Orientierungsstufe eingeführt worden – auch darum gehen die Zahlen deutlich zurück. Folge: Mitte der 1990er-Jahre zählt das OHG gerade noch um 770 Schüler. In den weiteren Jahren werden es wieder mehr. Als 2004 die Orientierungsstufe wieder abgeschafft wird, wird die Tausendermarke erneut übersprungen. Bis zu 1450 Schüler werden um den 40. Geburtstag unterrichtet. Inzwischen pendelt sich die Schülerzahl bei gut 1200 ein. Dabei muss das OHG zur „Einschulung“ der Fünftklässler aber alljährlich etliche Schüler abweisen.

Das Kollegium – vor längerer zeit. Quelle: R

Von Ulrich Schubert

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