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Göttingen Papst, Parkplätze, Poller, Polit-Ärger
Die Region Göttingen Papst, Parkplätze, Poller, Polit-Ärger
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18:50 16.09.2011
Von Ilse Stein
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Die A 38 ist für 24 Stunden komplett gesperrt, das weite Umfeld von Etzelsbach in der Nähe von Berlingerode ein einziger Parkplatz. Umgehungen sind nicht vorhanden. Sollte dann noch irgendwo ein großerer Unfall geschehen, kommen Feuerwehr, Notarzt und Polizei auch nicht mehr durch. Kurzfassung: höchste Alarmstufe! Weshalb die Polizei seit Tagen rät: Bleiben Sie an diesem Tag am besten zu Hause. Es sei denn, man ist Pilger. Dann muss man ohnehin Bus oder Bahn nehmen. Mehr als 60 000 Menschen werden dies tun. Mit dem Auto kommt man nicht mal auf 15 Kilometer an das Pilgerfeld heran: Dies nur als Warnung an all die, die noch auf Schleichwege hoffen. Das gesamte Eichsfeld wird (Das hatten wir doch schon mal?) eine Sperrzone sein.

Zur Sperrzone ist auch ein Parkplatz an der Leine, direkt neben dem beliebten Naherholungsgebiet Kiessee geworden. Über Nacht quasi – nicht einmal der Verwaltungssprecher der Stadt fand eine Erklärung, standen dort in der vergangenen Woche Poller. Noch dazu quietsch-orange besprühte Häßlichkeiten – steingewordene ästhetische Augenqual mitten im Grünen. Jahrzehnte hatte es hier keine Probleme gegeben. Dann aber, im Oktober des Jahres 2007, also vor vier Jahren, stellte die SPD-Stadtratsfraktion den Antrag, die Parkplätze Flüthegraben, wie sie im Amtsdeutsch heißen, nicht mehr zuzulassen, schließlich gebe es ja den neuen Parkplatz am Jahnstadion. Der reiche aber nicht aus, war sich der Bauausschuss in einer ersten Debatte einig. Doch zunächst solle die Verwaltung „Gelegenheit erhalten, eine Stellungnahme vorzulegen.“ 14 Tage später, im nächsten Bauausschuss, bat dann die SPD die Verwaltung, die Fläche so zu beschildern, dass die Autofahrer auch den neuen Stadionparkplatz finden. Stadtbaurat Thomas Dienberg erklärte daraufhin, die Verwaltung „werde für eine entsprechende Beschilderung sorgen, wolle aber weiterhin keine Absperrmaßnahmen umsetzen“. Einstimmiger Beschluss: So wird es gemacht: „Die angeregte Änderung in der Beschilderung wird umgesetzt.“ Von Absperrung kein Wort.
Soweit die Verwaltung im Schulterschluss mit den Ratsmitgliedern im Jahre 2007. Wer aber nun, vier Jahre später, für den Poller-Beschluss gesorgt hat und aufgrund welcher Weisung: Das kann bisher niemand erklären. Die Verwaltung nicht, und Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) erklärt öffentlich: Er auch nicht. Es muss sich also um ein Sperrzonen-Wunder handeln. Weshalb wir auf das nächste Wunder hoffen: Eines schönen Tages sind die Dinger einfach wieder verschwunden.

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Einfach verschwunden war dieser Tage im Internet auch ein Text der SPD, in dem sie auf gar nicht nette Art und Weise die Wahlniederlage der CDU-Landratskandidatin kommentiert hatte. Während die CDU überlegte, gegen ein Wahlaufruf-Video des SPD-Oberbürgermeisters zu klagen. Kurzfassung: Das große Nachtreten hat begonnen. Kein schöner Anblick...

Wer aber Interessantes und technisch Schönes sehen möchte, der ist am morgigen Sonntag beim Tag der offenen Tür der DLR in der Göttinger Bunsenstraße. Immerhin gilt Göttingen als die Wiege der modernen Aerodynamik. Heute forschen hier 430 Fachleute an den Flugzeugen, Raumschiffen und Hochgeschwindigkeitszügen der Zukunft. Und sie zeigen, woran sie arbeiten.