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Göttingen Stadt will kassieren: Das Park-Chaos der Berufsschüler in Göttingen
Die Region Göttingen Stadt will kassieren: Das Park-Chaos der Berufsschüler in Göttingen
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07:55 09.01.2020
Der Schein trügt: Auch wenn der Parkplatz gegenüber überfüllt ist, haben die BBS II an der Godehardstraße ausreichend Parkplätze. Quelle: Foto: Schubert
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Göttingen

Parken im Göttinger Ostviertel soll künftig Geld kosten – auch an Straßenzügen, die bisher frei von Parkautomaten sind. Dabei einbeziehen will die Stadtverwaltung auch Straßen rund um die berufsbildenden Schulen II (BBS II/Arnoldi-Schule). Aus der Schule kommt viel Proteste. Zu Recht? Wir haben nachgehakt und gefragt, wie die Parksituation an den Berufsschulen ist.

BBS I – Arnoldi-Schule

Schon jetzt gebe es auf dem Gelände der Arnoldi-Schule bei Weitem nicht genügend Parkplätze, beklagt Schulleiter Rainer Wiemann. Die 42 vorhandenen Stellplätze und zwei Behindertenparkplätze würden von Mitarbeitern, Besuchern und Schülern genutzt, denen aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen kein längerer Fußweg zugemutet werden könne. Bei mehr als 2000 Schülern, von denen 94,4 Prozent potenzielle Autofahrer seien, reiche das keinesfalls aus. Auch vor diesem Hintergrund „kommen zahlreiche Kollegen und Schüler mit dem Rad und dem ÖPNV“. Der Rest parke überwiegend im Umfeld der Schule. Fahrrad und ÖPNV seien für viele aber schwer möglich: Etwa ein Drittel der Schüler komme aus Umlandgemeinden, gut 15 Prozent aus dem Landkreis Northeim, manche aus entfernteren Bereichen.

Wenn im Umfeld der Schule Parktickets gezogen werden müssen, „hat das erhebliche Beeinträchtigungen auf den Unterrichtsbetrieb“, fürchtet Wiemann. Alle vier Stunden müssten die Schüler raus und nach Ablauf der Mindestparkzeit nachlösen. Zudem würden die Mehrausgaben die Schüler erheblich belasten. Würden sie auf Bus und Bahn umsteigen, könnten viele am Schultag nicht mehr im Betrieb arbeiten - „und Ausbildung wird für manche Betriebe unattraktiv.“

BBS Ritterplan

Schon immer problematisch ist die Parkplatzsituation im Bereich der BBS Ritterplan. Sie liegt innerhalb des Göttinger Walls. Auf ihrem Gelände gibt es 52 Stellplätze für Personal und acht Schülerparkplätze – für etwa 1000 volljährige Schüler, die theoretisch mit dem Auto kommen könnten. Die Straßenparkplätze im Umfeld sind Anwohnern vorbehalten und das nächstgelegene Parkhaus eines der teuersten in der Stadt. Folge: Viele Schüler parken auf dem Schützenplatz, andere kostenpflichtig auf dem Uni-Parkplatz oder an der Stadthalle, so Schulleiter Armin Oberländer. Und er fügt an: „Wir arbeiten darauf hin, dass unsere Schüler öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Und das mit allen damit verbundenen Problemen, da die Schüler teilweise sehr weite Anreisen haben.“

Auf dem Gelände der BBS Ritterplan gibt es nur sehr wenige Parkplätze für Lehrer, Besucher und Schüler. Quelle: Ulrich Schubert

BBS II

In doppelter Hinsicht gut sieht es dagegen an den BBS II an der Godehardstraße aus. Zum einen liege die Schule in der Nähe des Bahnhofes und sei „hervorragend“ mit Bus und Bahnen zu erreichen, sagt Schulleiter Bernd Wübbenhorst. Mehr als die Hälfte der etwa 600 Schüler würden diese Möglichkeiten nutzen. Zum anderen gebe es im Schulbereich 250 Stellplätze für Lehrer (50 Plätze) und Schüler, 130 davon überdacht direkt im Schulkomplex. Sollte es doch mal einen Engpass geben, könnten Schüler und Besucher auf den nahen Schützenplatz ausweichen.

Duderstadt und Hann. Münden

Ausweichparkplatz für mehrere Schulen: der Schützenplatz. Quelle: Ulrich Schubert

Entspannt ist auch die Parkplatzsituation an den berufsbildenden Schulen in Duderstadt und Hann. Münden. „Wir haben ausreichend Parkraum für Schülerinnen, Schüler, Kollegium, nicht lehrendes Personal, alles kostenfrei und gut erreichbar“, so der stellvertretende Leiter der BBS in Münden, Wolfram Schneider. Konkret seien das 55 Personal-Stellplätze und 130 für Schüler. Hinzu kämen Flächen auf einem benachbarten Firmengelände. Ähnlich sieht es in Duderstadt aus. Mit 120 eigenen Plätzen stünde ausreichend Parkraum zur Verfügung, sagte Schulleiterin Sabine Freese – alles gebührenfrei. Zu Stoßzeiten könne auf Plätze im öffentlichen Umfeld ausgewichen werden.

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Die Idee einer „Übergangslösung“

Arnoldi-Schulleiter Rainer Wiemann erläutert, wie er sich ein gutes Parkraumkonzept vorstellt

Seine Einschätzung der Probleme, die sich durch die geplante Parkraumbewirtschaftung der Stadt für die Arnoldi-Schule ergeben, präsentierte Schulleiter Rainer Wiemann am Dienstag im Kreisschulausschuss. Dabei ging er auch auf potenzielle Alternativen wie den Umstieg der Schüler auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ein und stellte eigene Lösungsansätze vor.

Am Beispiel von Hann. Münden zeigte Wiemann, warum der Wechsel vom eigenen Auto zum Bus für viele Arnoldi-Schüler nicht nur zeitaufwendig, sondern auch teuer und somit seiner Meinung nach keine wirkliche Option sei. Eigene Recherchen hätten ergeben, dass eine Schülermonatskarte im Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (VSN) für die Strecke Hann. Münden – Göttingen 131,40 Euro koste. Daraus ergebe sich eine Summe von 1445,40 Euro im Jahr für Vollzeitschüler. Bei Berufsschülern mit zwei Schultagen pro Woche rechneten sich eine Wochen- oder Monatskarte nicht, weshalb nur das reguläre Achterticket für 59 Euro bleibe. Daraus ergäben sich Kosten von 1180 Euro pro Jahr.

Der Haupteingang der BBS im Friedländer Weg. Hier gibt es nur einen Parkplatz, der für Schwerbehinderte reserviert ist. Quelle: Meinhard

Integriertes Mobilitätskonzept

Daraus folgerte Wiemann, dass das Parkraumkonzept der Stadt Bestandteil eines integrierten Mobilitätskonzeptes sein müsse, das sowohl Anwohnern, Schule und Schülern sowie Berufstätigen gerecht werde. Bevor es ein solches Konzept nicht gebe, müssten für das Parken im Ostviertel „Übergangslösungen gefunden werden“. Denkbar sei ein vorläufiger Verzicht auf eine Höchstparkdauer und kostenloses Parken für Schüler mithilfe spezieller Ausweise oder durch Erstattung der Parkgebühren. Zudem müssten die ÖPNV-Kosten für Schüler deutlich reduziert werden, im Idealfall durch ein in ganz Niedersachsen geltendes Azubi-Ticket. Ergänzend sollte das Park-und-Ride-Angebot in Göttingen ausgebaut und um Shuttle-Busse mit direkter Anbindung der Berufsbildenden Schulen erweitert werden.

„Ich will einfach, dass auch die Belange der berufsbildenden Schüler, der Auszubildenden hier im Auge behalten werden. Für die Studenten wird viel getan, auch in der Stadt Göttingen, für die Auszubildenden wird meines Erachtens nach noch nicht genug getan und hier kann sich noch etwas ändern“, sagte Wiemann abschließend.

Von Ulrich Schubert und Nora Garben

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