Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Wo ist der rote Koffer von Pastor Ulrich Kusche?
Die Region Göttingen Wo ist der rote Koffer von Pastor Ulrich Kusche?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:04 24.10.2019
Wo ist der rote Koffer von Ruhestandspastor Ulrich Kusche? Hier ist er mit dem Koffer vor der Marienkirche in Stralsund unterwegs. Quelle: r
Anzeige
Göttingen

Nur für wenige Minuten hat Pastor a.D. Ulrich Kusche seinen Koffer an einer Bushaltestelle stehen lassen. Als er zurückkehrte, war der Reisekoffer verschwunden. Der 75-Jährige hat eine Suchaktion gestartet und Finderlohn ausgelobt. Denn in dem Koffer befand sich nicht nur übliches Reisegepäck, sondern auch schwarzer Dienstanzug, Talar, Predigtbücher und ein seltener Gedichtband seines Großvaters von hohem ideellen Wert.

Auch im Ruhestand ist Kusche weiter aktiv. Am Sonnabend, 19. Oktober, kehrte der Theologe von einem dreiwöchigen Dienst als Kurpastor auf Hiddensee mit dem Zug und schwerem Gepäck nach Göttingen zurück. Ein eigenes Auto besitzt er nicht. Weil die Buslinie 11 noch nicht kam, fuhr er zunächst mit der Linie 12, um am Elliehäuser Weg auszusteigen. Dort blieb ihm eine Viertelstunde bis 15.52 Uhr, um in einen Bus der zu seiner Wohnung an der Pfalz-Grona-Breite führenden Linie 11 umzusteigen. Als ihm sein leerer Kühlschrank eingefallen sei, entschloss er sich spontan zu einem Sprung in den gegenüberliegenden Edeka-Markt. Seine Aktentasche mit Laptop nahm er mit, den schweren Koffer ließ er an der Haltestelle stehen.

Der ehemalige Göttinger Vikar Ulrich Kusche vermisst seinen Talar. Quelle: r

Suchaktion mit Zetteln

„Ich habe mir dabei nichts gedacht und nicht damit gerechnet, dass jemand den alten Koffer einfach wegnimmt“, erzählt der gutgläubige Witwer, dem das Ganze etwas peinlich und dessen Kleiderschrank jetzt ziemlich ausgedünnt ist. Besonders schmerzt ihn der Verlust der seltenen Ausgabe eines kleinen Gedichtbandes seines Großvaters: „Der Dichter und Künstler hat 1922 den weithin bekannten Rosenhimmel in der Hiddenseer Kirche gemalt.“ Der 1925 erschienene Gedichtband sei 1996 von seiner Mutter neu aufgelegt worden – angereichert mit ihren Erinnerungen, berichtet Kusche. In dem in die Jahre gekommenen stoffbezogenen roten Koffer mit zwei Rollen und Ziehbügel („Ich benutze meine Sachen länger“) befanden sich auch Gottesdienstunterlagen mit über Jahrzehnte hinweg gesammeltem Material und der Talar, der zum Dienstantritt vor 40 Jahren handgeschneidert wurde.

Weder die Polizei noch das Busunternehmen hätten ihm weiterhelfen können, sagt Kusche. An der Haltestelle und im Edeka-Markt hat er Zettel mit einem Foto des Koffers und Aussicht auf eine Belohnung verteilt und aufgehängt – bislang ohne Erfolg. Der Geistliche hofft weiter auf Hinweise, ist unter der Handy-Nummer 01705/286021 erreichbar. Falls sich die „jetzigen Besitzer“ nicht bei ihm melden wollen, sollten sie wenigstens Talar und Predigt-Ringbücher bei einem der Göttinger Pfarrhäuser abgeben oder vor die Tür legen, bittet der 75-Jährige.

Ulrisch Kusche im Talar nach der Taufe seines Enkels in der Inselkirche von Hiddensee Quelle: Lucht

Gutgläubiger Geistlicher

Seine Gutgläubigkeit ist ihn schon einmal teuer zu stehen gekommen. Dem Vater von drei Kindern wurde eine als Alterssicherung gedachte Schrottimmobilie im Osten angedreht, die er abstottern musste und die ihn fast in den Ruin getrieben hat. Erst als er aus seiner Wohnung ausziehen musste, weil er sich die Miete nicht mehr leisten konnte, in den Hungerstreik trat und der „Spiegel“ darüber berichtete, sei es zu einem Vergleich gekommen, bestätigt der pensionierte Pastor.

Als Flüchtlingskind ist Kusche 1948 nach Göttingen gekommen, machte Abitur am Max-Planck-Gymnasium, studierte Theologie und vergleichende Religionswissenschaften in Göttingen, Heidelberg, Jerusalem und Berlin, promovierte, war 1974 bis 1975 Vikar in Göttingen und wurde in Springe zum Pastor ordiniert. Als Seelsorger und Nothelfer setzte sich Kusche für Kriegsdienstverweigerer und Flüchtlinge ein, ist Mitbegründer des Deutsch-Israelischen Arbeitskreises für Frieden im Nahen Osten, leistete Gemeinde- und Vertretungsdienste von Teneriffa bis ins Eichsfeld.

Von Kuno Mahnkopf

Zum zwölften Mal fand die beliebte Satire-Mix-Show „Komische Nacht“ in Göttingen statt. Von acht Spaßmachern traten dabei im Wechsel jeweils fünf in acht angesagten Locations der Stadt auf.

23.10.2019

Der von Menschen verursachte Klimawandel ist eine wissenschaftlich belegte Tatsache. Die Politik muss gegensteuern. Bei der Tagung des Deutschen Ethikrates diskutierten Forscher über die Aufgaben und die Verantwortung der Wissenschaft.

23.10.2019

Von Bovenden bis Rosdorf soll ein Radschnellweg Göttingen durchziehen und vor allem Pendler dazu animieren, vom Auto auf das Rad umzusteigen. Im Leineviertel aber bestehen viele Bedenken und Ängste vor einem Radschnellweg.

23.10.2019