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Die Region Göttingen GCJZ Göttingen sagt Gedenkkonzert ab – Chor singt trotzdem
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22:27 27.01.2019
Trotz der Querelen hinter den Kulissen gab es am Sonntagabend ein Konzert in St. Paulus. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Ein Verwirrspiel hat es um das Konzert des Projektchores Synagogalmusik gegeben. Anlässlich des Holocaust-Gedenktages sollten die knapp 70 Sänger am Sonntag in der katholischen St.-Paulus-Kirche christliches und jüdisches Liedgut interpretieren. Die für die Ausrichtung des Konzertes zuständige Gesellschaft für christlich-jüdische Zusamenarbeit (GCJZ) sagte das Konzert jedoch am Sonnabend ab.

„Die Absage hat uns während der Generalprobe erreicht“, sagte Chorleiterin Carolin Hlusiak am Sonntagabend gegenüber dem Tageblatt. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Konzert allerdings doch stattgefunden, gegen den Willen des Vorstands der GCJZ. Der Chor hatte sich entschieden, der Vorgabe nicht zu folgen. Fast ein halbes Jahr Probearbeit sollte nicht umsonst gewesen sein, außerdem sei dem Ensemble aus ehrenamtlichen Sängern der Zweck des Konzertes, das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, wichtig gewesen, sagte Hlusiak.

Viel Applaus für den Chor

Die Zuhörer in der voll besetzten Pauluskirche dankten dem Chor nach dem Konzert mit langanhaltendem Applaus. Allerdings fehlten einige geplante jüdische Lieder und Textpassagen, da der jüdische Kantor Daniel Kempin nicht teilnahm.

„Die Gründe für die Absage kennen wir nicht“, sagte Achim Dörfer vom Vorstand der jüdischen Gemeinde. Es habe aber seit einiger Zeit Dialogprobleme mit der GCJZ gegeben. So sei der Titel des Gedenkkonzertes „Verleih uns Frieden gnädiglich“ für die jüdische Seite nicht akzeptabel gewesen, da es sich um ein Zitat von Martin Luther handelt. Dessen verbale Entgleisungen gegenüber Juden seien menschenverachtend und nicht tolerierbar, so Dörfer.

Wegbrechen der Kommunikation

Auch die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Jacqueline Jürgenliemk, sprach von einem Wegbrechen der Kommunikation mit der GCJZ. Es habe in der Vergangenheit mehrere Unstimmigkeiten gegeben.

Der Vorschlag von Kempin für das Konzert sei der Titel „Aus tiefer Not ruf ich zu dir“ gewesen. Vor dem Hintergrund des Holocaust ein angemessener Titel und weit eher passend als das Luther-Zitat, meint Jürgenliemk. Dörfer ergänzte: „Warum ausgerechnet Luther? Es gibt 1000 und mehr Zitate von Christen wie etwa Dietrich Bonhoeffer.“

Gerne hätte es auch ein Zitat aus der Bibel sein können. Die jüdische Seite habe sich um einen Kompromiss bemüht, ohne Erfolg. Dabei sei doch der Zweck der Gesellschaften für jüdisch-christliche Zusammenarbeit Verständigung und Zusammenarbeit in gegenseitigem Respekt und in Anerkennung der religiösen Unterschiede.

„Dialog ist unverzichtbar“

„Wir sind bestürzt. Die Zusammenarbeit ist erst einmal in Frage gestellt“, erklärte Jürgenliemk. Auf die Frage, wie es jetzt weitergehen kann, sagte sie: „Der Ball liegt auf der Seite der anderen. Von dort muss der Vorschlag kommen, wie ein Neustart aussehen soll. Eine Weiterarbeit gibt es so nicht mehr.“

Sie stellte aber auch klar: „Für uns ist der jüdisch-christliche Dialog absolut unverzichtbar.“ Der sei insbesondere in Zeiten wieder aufkommender Ressentiments wichtig. In der Folge des Disputs ist das einzige jüdische Mitglied im Vorstand der GCJZ zurückgetreten.

GCJZ-Vorsitzender räumt Kommunikationsprobleme ein

Der Vorsitzende der GCJZ, Heiner J. Willen, räumte am Sonntag ein, dass die Kommunikation mit der jüdischen Gemeinde in den vergangenen Wochen kompliziert geworden sei. „Das lag zu unserem Bedauern auch an uns“, sagte er. Die von der jüdischen Gemeinde genannten „Unstimmigkeiten“ hätten letztlich zur Absage des Konzertes geführt.

„Wir sind der Auffassung, dass die beiden Vorstände der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und der jüdischen Gemeinde zunächst diese Dinge bearbeiten müssen“, machte der Vorsitzende einen Vorschlag zur Güte. Auch für ihn sei eine weiterhin gute und konstruktive Zusammenarbeit unverzichtbar.

Treffen soll für Klärung sorgen

„Wir haben dem Vorstand der jüdischen Gemeinde bereits am Donnerstag ein Treffen angeboten und zu einer gemeinsamen Sitzung eingeladen, gegebenenfalls mit einer Mediatorin, einem Mediator.“ Zwei Terminvorschläge würden vorliegen, einer im Februar, einer im März.

„Sollten beide Termine nicht passen, haben wir unsere Bereitschaft bekundet, gemeinsam weiter nach einem für alle passenden Termin zu suchen“, so Willen. Auf die Nachfrage, welche Unstimmigkeiten – über den umstrittenen Konzert-Titel hinaus – es denn gegeben habe, entgegnete er: „Dazu möchte ich nichts sagen.“

Von Ulrich Meinhard

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