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Göttingen Pestel-Studie: In zehn Jahren 86 Prozent mehr Mini-Jobs im Landkreis
Die Region Göttingen Pestel-Studie: In zehn Jahren 86 Prozent mehr Mini-Jobs im Landkreis
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18:20 08.09.2013
Von Gerald Kräft
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Göttingen

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und die Gewerkschaft Nahrung Genuss-Gaststätten (NGG), die die Studie in Auftrag gaben, sieht in den Ergebnissen eine Bestätigung für ihre Forderung nach einem flächendeckenden Mindestlohn. „Frauen machen immerhin rund 14 890 Mini-Jobs im Landkreis“, beklagt Verdi-Bezirksgeschäftsführer Lothar Richter.

Gerade hier sei das Niedriglohn-Risiko am höchsten. Zwei von drei der Mini-Jobs würden mit weniger als 8,50 Euro pro Stunde bezahlt. Oft lägen sie sogar weit darunter. Richter spricht von einer  „Niedriglohn-Schicht“, die vom „fair bezahlten und damit anständigen Arbeitsmarkt“ mehr und mehr abgekoppelt werde. „Gerade Frauen werden als billige Arbeitskräfte von Teilen der heimischen Wirtschaft regelrecht ausgenutzt.“

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Jobs werden zerschlagen, Löhne gedrückt

Mit Verdi übt die NGG heftige Kritik an der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis Göttingen. „Arbeitsplätze, von denen man leben kann, werden systematisch abgebaut“, sagt Regions-Geschäftsführer. Manfred Tessmann. „Mini-Jobber übernehmen die Arbeit von Vollzeitkräften. Jobs werden zerschlagen, Löhne gedrückt.“ Der Studie zufolge nahm die Zahl der Mini-Jobs in den vergangenen zehn Jahren um 86 Prozent zu. „Mini-Jobber sind moderne Tagelöhner – mies bezahlt mit wenig Schutz“, so Tessmann. Er beklagt eine „völlig verlotterte Moral im Umgang mit dem Wert von Arbeit“.

Die Bundesregierung habe hierbei „auf ganzer Linie versagt“, kritisiert Richter. Seit Jahren stemme sie sich gegen einen gesetzlichen Mindestlohn. Vordringliche Aufgabe der neuen Bundesregierung müsse es daher sein, einen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro einzuführen. Beschäftigte, die weniger in der Stunde verdienten, sollten dies online beim „Dumpinglohnmelder“ anzeigen, um so die „Deutschland-Billiglohn-Landkarte“ zu vervollständigen.