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Göttingen Petri-Haus in Grone zum Welt Down-Syndrom Tag ausgezeichnet
Die Region Göttingen Petri-Haus in Grone zum Welt Down-Syndrom Tag ausgezeichnet
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00:25 23.03.2018
Als Dank und Anerkennung bekommen die Leiterinnen Corinna Kern und Verena Neumann vom Deutschen Down-Syndrom Infocenter eine Auszeichnung für ihre Arbeit mit betroffenen Familien.
Als Dank und Anerkennung bekommen die Leiterinnen Corinna Kern und Verena Neumann vom Deutschen Down-Syndrom Infocenter eine Auszeichnung für ihre Arbeit mit betroffenen Familien. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Der Welt Down-Syndrom-Tag wird seit 2006 jährlich am 21. März begangen. Dieses Datum sei gewählt worden, weil bei Menschen mit dem Down-Syndrom das 21. Chromosom dreimal vorkomme.

„Im Petri-Haus treffen sich höchste Professionalität und herzliche Zugewandtheit“, begründete Nina Gülcher vom Arbeitskreis die Entscheidung. Aus ihrer Sicht ständen in der Einrichtung die Bedarfe der Kinder im Vordergrund. Und dies treffe nicht nur auf Kinder mit Trisomie 21 oder einem Förderbedarf zu, sondern auf alle Kinder, die die Einrichtung besuchen. Für das Team um Verena Neumann, Corinna Kern, Katrin Sladek und Heilpädagogin Laura Dohrmann sei es wichtig, die Mädchen und Jungen in ihrer Entwicklung zu begleiten. Doch stehe hierbei die Bindung vor der Bildung. Außerdem gebe es einen guten Kontakt zu den Eltern. „Für uns ist wichtig, dass die Kinder nicht als Besonders angesehen werden, sondern alle Kinder etwas Besonderes sind“, sagte Gülscher.

Rahmenbedingungen nicht immer einfach

Die Verantwortlichen des Petri-Hauses waren gerührt, dass die Mitglieder des Arbeitskreises sie für diese Auszeichnung vorgeschlagen haben. „Wir freuen uns sehr darüber, dass sie anerkennen, was wir tun“, sagte Neumann. Sie betonte aber, dass die Arbeit aufgrund der Rahmenbedingungen nicht immer einfach sei. „Dennoch ist es für uns eine Ehre, dass wir die Familien begleiten dürfen“, sagten die Mitarbeiterinnen. Insbesondere hätten sie sich über die Auszeichnung gefreut, weil sie sich nicht beworben haben, sondern vorgeschlagen wurden. „Dies ist ein enormer Vertrauensbeweis“, sagte Neumann. Dennoch betonte sie, dass die Weiterführung der erfolgreichen Arbeit nur möglich sei, wenn in absehbarer Zukunft eine Änderung des Kindertagesstättengesetzes erfolge. Denn derzeit sei die Arbeitsbelastung für sie sehr hoch, und das Petri-Haus sei nur so erfolgreich, weil die Mitarbeiter einen Teil ihrer Freizeit opfern.

Für Gülcher ist ein Pluspunkt des Petri-Hauses, dass die Familien zu Hause besucht werden, bevor die Kinder in die Krippe oder den Kindergarten kommen. Denn so sei es den Betreuungspersonen möglich, sich ein Bild von den jeweiligen Familienverhältnissen zu machen. Derzeit werden im Petri-Haus zwölf Krippen- und 36 Kindergartenkinder betreut, bei acht von ihnen besteht ein Förderbedarf. „Bei uns steht aber nicht die Behinderung eines Kindes, sondern sein Können im Mittelpunkt“, erklärte Dohrmann. Die Heilpädagogin ist zudem froh, dass die Stadt Göttingen ab dem kommenden Jahr die Kosten für die Heilpädagogen in den Krippen übernimmt, wenn dort nur ein Kind statt der eigentlich benötigten zwei Kinder mit Förderbedarf betreut werden. „Das gibt uns eine gewisse Sicherheit“, sagte sie.

„Early Excellence“-Konzept

Ein Konzept, das im Petri-Haus umgesetzt werde, sei „Early Excellence“. Bei diesem sei nicht nur jedes Kind einzigartig, sondern die Eltern seien die ersten Erzieher der Kinder. Das bedeutet, dass die Eltern immer die wichtigsten Bezugspersonen für das Kind sind, und am besten wissen, was ihr Kind benötigt. „Hierbei ist es so, dass wir die Familien aufgrund ihrer unterschiedlichen Situationen nicht miteinander vergleichen“, sagte Kern. Die Eltern, die bei der Übergabe der Urkunde dabei waren, sind sich einig, dass es für sie die richtige Entscheidung war, ihre Kinder im Petri-Haus betreuen zu lassen.

Infostand am Gänseliesel

Mit einem Stand am Gänseliesel, neben dem Ostermarkt, wollen die Mitglieder des Arbeitskreises Down-Syndrom Göttingen am Mittwoch, 21. März, über das Down-Syndrom informieren. Sie möchten dort nach Angaben von Johannes Gräwer mit den Passanten ins Gespräch kommen, und diesen über das Leben mit Kindern mit Trisomie 21 berichten. „Wir werden außerdem Bücher und Flyer zum Thema Trisomie 21 dabei haben“, sagte Gräwer.

Von Vera Wölk

20.03.2018