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Göttingen Göttinger Pflegekräfte diskutieren über Berufsordnung
Die Region Göttingen Göttinger Pflegekräfte diskutieren über Berufsordnung
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12:16 20.11.2018
Pflegstandards waren Thema bei einer Regionalkonferenz der Pflegekammer Niedersachsen. Quelle: dpa
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Göttingen

„Angehörige bilden heute in Deutschland die größte Gruppe unter den Pflegenden“, berichtete die Präsidentin der Kammer, Sandra Mehmecke, bei der Eröffnung der Konferenz im soziokulturellen Zentrum Musa. Die zweitgrößte Gruppe seien die un- und angelernten sowie die anders qualifizierten Kräfte. Erst an dritter Stelle käme das examinierte Personal der Gesundheits- und Krankenpfleger, der Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger sowie der Altenpfleger.

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„So entsteht in der Öffentlichkeit der Eindruck, dass jeder pflegen kann“, sagte Mehmecke. Bei der Intensivpflege sei jedoch auch für Außenstehende offenkundig, dass es ohne eine solide Ausbildung nicht gehe. Pfleger müssten an Dutzenden von Geräten eingewiesen werden.

Fachkräftemangel im Krankenhaus

„Anders sieht das bei scheinbar simplen Dingen wie dem Austeilen des Essens oder dem Bettenmachen aus“, ergänzte der Göttinger Gesundheits- und Krankenpfleger Stefan Glahn. Doch auch da seien Fachkenntnisse notwendig. So erlaube das, was ein Patient esse und was er liegen lasse, oder der Zustand seines Bettes Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand. Solchen Informationen komme insbesondere bei Menschen große Bedeutung zu, die sich etwa aufgrund einer Demenz nicht selbst äußern könnten. Entsprechend kritisch sehe er, dass Krankenhäuser aufgrund des Fachkräftemangels, aber auch aus Kostengründen verstärkt un- und angelerntes Personal einsetzten. Da viele dieser Kräfte Zuwanderer seien, komme noch die Sprachbarriere dazu.

Fortbildungspflicht und regelmäßige Kompetzenz-Nachweise

Die Berufsordnung, die derzeit von der Kammer erarbeitet wird, soll deshalb Qualitätsstandards definieren, forderten Konferenzteilnehmer. Einige verlangten zudem eine Fortbildungspflicht, damit Pflegekräfte ihre Kenntnisse auf den aktuellen Stand halten. Der Arbeitgeber solle sie für die Fortbildungen, deren Qualität die Kammer prüfen müsse, freistellen und die Kosten übernehmen. Einzelne sprachen sich für regelmäßige Tests aus, in denen Pflegekräfte ihre Kompetenz immer wieder neu nachweisen müssten.

Würde und Selbstbestimmungsrecht der Patienten

Gefordert wurde außerdem eine klare Abgrenzung der Tätigkeitsbereiche der Pflege etwa gegenüber Ärzten, aber auch gegenüber den un- und angelernten Kräften. So sei etwa das Versorgen von Wunden ureigenstes Gebiet examinierter Pfleger. Darüber hinaus solle die Berufsordnung ethische Standards definieren, um die Würde und das Selbstbestimmungsrecht von Patienten zu wahren und sie etwa gegen sexuelle Übergriffe zu schützen.

Sparen in der Pflege gespart seit Einführung der Fallkostenpauschalen

Zur Sprache kam in den Kleingruppen die gesundheitliche Belastung, unter der Pflegekräfte stehen. Viele litten aufgrund des häufigen Hebens unter Rückenproblemen, hieß es. Auch psychisch fordere der verantwortungsvolle Beruf. Die Arbeit in den Krankenhäusern sei seit Einführung der Fallkostenpauschalen vor 15 Jahren stressiger geworden, weil seither in der Pflege gespart werde. Nicht wenige Mitarbeiter kämen daher auch in der Freizeit nicht zur Ruhe. Sie litten unter Schlafstörungen und Depressionen. Ein hoher Prozentsatz wechsele nach einigen Jahren den Beruf.

Körperschaft des öffentlichen Rechts

„Unsere Pflegekammer, die sich 2017 als Körperschaft des öffentlichen Rechts konstituiert hat, führt derzeit fünf Regionalkonferenzen durch“, sagte Präsidentin Mehmecke. So beteiligten sie Pflegekräfte an der Erarbeitung der Berufsordnung. In Niedersachsen gebe es etwa 95000 qualifizierte Pflegekräfte. Mehr als 60000 von ihnen seien bisher Mitglied geworden.

Von Michael Caspar

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