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Göttingen Pilzwanderung bei Mengershausen mit Gudrun Fricke-Bode und Frank Dicks
Die Region Göttingen Pilzwanderung bei Mengershausen mit Gudrun Fricke-Bode und Frank Dicks
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16:52 13.10.2013
Von Katharina Klocke
Geführte Tour im Herbstwald: mit Gudrun Fricke-Bode (r.). Quelle: Heller
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Mengershausen

Und als die Expertin ein kleines Stück vom Stielende abzupft, färbt sich die Bruchstelle gelb. „Ein Karbolegerling“, sagt Fricke-Bode. „Ursache für die meisten Pilzvergiftungen.“

Die Gefahren durch Pilz-Doppelgänger im Wald ist das erste, was die Göttingerin und ihr Partner Frank Dicks, beide geprüfte Pilzberater, den acht Teilnehmern der Pilzwanderung vermitteln möchten. Abgesehen vom Karbolegerling, der Erbrechen und Durchfall, in schweren Fällen Schwindel und Sehstörungen hervorruft, können andere Verwechslungen tödlich ausgehen.

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Wer etwa in dem Glauben, Stockschwämmchen einzusammeln, an den braunen Gifthäubling (Galerina marginata) gerät, kann einen schweren Leberschaden davontragen und sterben. Die Giftstoffe in den unscheinbaren kleinen Pilzen sind Amatoxine und ähneln denen des ebenfalls hochgiftigen Knollenblätterpilzes.

Mit leichtem Grusel und viel Respekt betrachten die Pilzsucher den Gifthäubling in seinem Moosbett. „Deshalb sind Stockschwämmchen keine Anfängerpilze“, sagt Fricke-Bode und weist auf die bei Feuchtigkeit kaum sichtbaren Schüppchen am Stiel des echten Speisepilzes, die ihn von seinem todbringenden Doppelgänger unterscheiden.

Fotos von der Pilzwanderung bei Mengershausen.

Nach dem ernüchternden Exkurs in die Welt der Toxine haben die Wanderer im regennassen Wald ein Erfolgserlebnis nach dem anderen. Am Wegrand stößt Dicks auf einen Riesenbovisten in Kopfgröße, „leicht beschädigt, aber das Fleisch ist schön weiß. Den paniert man wie ein Schnitzel.“ Teilnehmer Arnold Kühn zerteilt den Pilzgiganten in dicke Scheiben und verteilt sie an seine Mitstreiter.

Rehbraune Dachpilze wachsen an moderndem Holz. „Die schmecken ein wenig nach Spargel“, sagt Bode-Fricke. Unmengen von Hallimaschen entdeckt das Auge, wenn es sich erst an das Blatt- und Astwerk-Wirrwarr auf dem herbstlichen Waldboden gewöhnt hat. „Da würde ich nur die Kleinen mitnehmen“, rät die Pilzberaterin.

Auch in Südniedersachsen seltene Pilze wie der Mönchskopf gedeihen im Mischwald bei Mengershausen. Mehrere Exemplare landen in den Körben der Pilzwanderer. „Hier gibt’s nicht so viele Ecken, wo die wachsen“, sagt Fricke-Bode. Begeisterung auch über eine große Anzahl Ringloser Butterpilze. Ein Zubereitungstipp von den Experten: „Entfernen Sie die schleimige Schicht vor dem Kochen.“

Beinahe während der gesamten Tour dringt leichter Knoblauch-Duft in die Nasen der Exkursionsteilnehmer. Auch der Verursacher gehört zur großen Familie der Fungi. Wenn auch der Knoblauchschwindling laut Fricke-Bode kein Speisepilz im engeren Sinne ist, „eher ein Pilz zum Trocknen und Würzen“.

Die nächste Wanderung ist für Sonntag, 20. Oktober, geplant. Treffpunkt ist um 14 Uhr an der Kirche in Bühren. Anmeldung per E-Mail unter wanderungen@pilztreff.de oder unter Telefon 01 60 /8 15 43 61.