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Göttingen Pläne für den „Wohnpark Junkerberg“ in Weende in der Kritik
Die Region Göttingen Pläne für den „Wohnpark Junkerberg“ in Weende in der Kritik
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16:25 09.09.2019
Neues Baugebiet in Weende: 40 Wohnungen sollen nord-östlich der Kindertagesstätte entstehen. Quelle: Google Earth
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Weende

Von „wahren Monsterbauten“, „Parkchaos“ und „Störung der Totenruhe“ sprechen die Skeptiker unter den Anwohnern. Direkt am Friedhof Junkerberg soll ein Neubaugebiet mit bis zu 40 Wohnungen entstehen. Die Städtische Wohnungsbau GmbH Göttingen (SWB) will sie bauen.

Gegen das Vorhaben, das an die Straßen Heinrich-Albert-Zachariä-Bogen und Friedrich-Rettig-Weg grenzt, hat Anwohnerin Nina Bachmann-Dämmer nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 200 Unterschriften gesammelt. Mit Weendes Ortsbürgermeister Hans-Albert Ludolph (SPD), Vertretern des Ortsrates und der Verwaltung seien bei einem „sehr harmonischen“ Ortstermin, so Bachmann-Dämmers Vater Claus-Dieter Bachmann, die Bedenken in der vergangenen Woche erörtert worden.

Maximal 40 Wohnungen

Die aktuellen Pläne der SWB, die Geschäftsführerin Claudia Leuner-Haverich bereits im November 2018 im Ortsrat vorgestellt hatte, sehen zwei bis zu sechs Stockwerke hohe Gebäude-Paare auf dem 8500 Quadratmeter großen städtischen Grundstück vor – eines 19 und 13,5 Meter hoch, das andere 16 und 10,5 Meter hoch. Je nach späterer Wohnungsgröße sollen so maximal 40 Wohnungen, je nach späteren Wohnungsgrößen, entstehen – mindestens 30 Prozent als öffentlich geförderter Wohnraum mit einer Mietobergrenze für untere Einkommensgruppen.

Claus-Dieter Bachmann und Norber Elbrecht befürchten Veränderungen in Weende-Nord. Quelle: Brakemeier

Die Gebäudehöhe passe nicht zu Weende argumentieren die Kritiker rund um Bachmann-Dämmer. Zumal die Häuser durch ihre Hanglage „noch höher“ wirken könnten, so die Befürchtungen. Stattdessen sollten, so der Gegenvorschlag der Kritiker, Einfamilien- und Reihenhäuser entstehen, würden doch am Weender Freibad „genügend Massen-Wohnhäuser“ gebaut.

Als „negative Überraschung“ bezeichnete Ludolph gegenüber dem Tageblatt die aktuellen Pläne der SWB. Die Höhe der Gebäude sei „nicht akzeptabel“ und werde „ sicher keinen Anklang“ finde, sagte er.

In einem schon im Mai 2018 von Ortsrat, Bau- und Verwaltungsausschuss einmütig gefassten Beschluss, ein Bebauungsplan für das Gebiet aufzustellen, war noch von niedrigeren Gebäuden und einem „maßvollen Geschosswohnungsbau mit maximal drei Vollgeschossen die Rede.

Farbenfroh: So könnte das Haus „Jane“ aussehen. Quelle: Arndt

Tarzan und Jane

Leuner-Haverich erläutert das von der SWB vorgelegte, von den ursprünglichen Plänen der Verwaltung abweichende städtebauliche Konzept: „Zum einen ist die Versiegelung der Fläche geringer, zum zweiten sind die Bau- und Unterhaltungskosten geringer – ein Treppenhaus mit einem Aufzug für circa 20 Wohnungen –, zum dritten holen wir eine günstige und trotzdem interessante und mehrfach ausgezeichnete Architektur mit dem Projekt ,Tarzan & Jane’ nach Göttingen.“ Ein wichtiges Ziel sei dabei gewesen, „den direkten Nachbarn keine größeren Belastungen als im Bebauungsmodell des Aufstellungsbeschlusses zuzumuten“, sagt Leuner-Haverich.

Claudia Leuner-Haverich Quelle: r

Auch Hans Otto Arnold (CDU), Ortsratsmitglied und Vorsitzender des Bauausschusses des Rates, glaubt nicht, dass die von der SWB bevorzugte Bauform, Probleme bereite. Die geplanten Häuser würden mit ihrer Lage niemandem die Sicht versperren. Und: Je höher gebaut werde, desto höher sei die Rentabilität. Bau- und Betriebskosten seien dann niedriger, argumentiert Arnold.

Verwaltung erarbeitet Bebauungspanentwurf

Nach Angaben der Verwaltung, sollen die Pläne der SWB auch umgesetzt werden, erläutert Cordula Dankert, stellvertretende Verwaltungssprecherin. Die Verwaltung erarbeite gerade den Bebauungsplanentwurf, der voraussichtlich im Dezember 2019 öffentlich ausgelegt werde.

Die Anwohner kritisieren zudem, die aus ihrer Sicht zu knapp bemessenen neuen Parkplätze für das Neubaugebiet. Das „Parkchaos“ sei „vorprogrammiert“. Schon in der Vergangenheit hat Parksituation am Friedhof Junkerberg immer wieder für Verdruss bei Anwohnern, Bus- und Autofahrern gesorgt.

Nach dem aktuellen Stellplatzschlüssel der Stadt Göttingen müssen beim Bau von Mehrfamilienhäusern 0,7 Stellplätze pro Wohneinheit nachgewiesen werden. Bedeutet in diesem Fall: 28 Parkplätze für 40 Wohnungen. Schon jetzt, so Bachmanns Beobachtung, sei der öffentliche Parkplatz gut ausgelastet, schon jetzt würden Friedhofsbesucher kaum einen Parkplatz finden.

Im März 2019: zugeparkte Straßen am Stadtfriedhof Junkerberg. Quelle: privat

„Für den Friedhof stehen ausreichend Stellplätze zur Verfügung. Nur an einzelnen Tagen im Jahr, wenn große Trauerfeiern stattfinden, besteht Knappheit“, schildert Dankert die Sicht der Verwaltung. Durch das Neubaugebiet seien keine Änderungen bei der Parkplatzsituation zu erwarten, auch wenn vereinzelt Besucher der angrenzenden Wohnquartiere ihr Auto auf dem Friedhofsparkplatz abstellten. „Die erforderlichen Stellplätze sind auf den Privatgrundstücken nachzuweisen“, erklärt Dankert.

Kostentreiber Parkplätze

Wie viele Parkplätze entstehen sollen, steht laut Leuner-Haverich indes noch nicht fest. „Geprüft haben wir, ob wir ohne Tiefgaragen auskommen und damit auch die Bau- und damit die Mieten günstiger halten können.“

So könnten die neuen Gebäude aussehen. Quelle: Arndt

Es sei aber festzuhalten, dass die gestiegenen Anforderungen an die Menge und die Art der Herstellung von Stellplätzen „ein nicht unerheblicher Kostentreiber bei den Baukosten darstellen und damit deutlich zur Verteuerung der Mieten im Neubau beitragen“, erläutert Leuner-Haverich. Stellplätze konkurrierten mit einem „attraktiven grünen Wohnumfeld samt Mietergärten und gemeinschaftlichen Treffpunkten“.

SWB plant auch Carsharing-Kooperationen

Leuner-Haverich verweist darauf, dass die SWB du den Pkw-Stellplätzen „in erheblichem Umfang sichere und gut zugängliche Stellplätze für Fahrräder und E-Bikes“ anbiete. Hinzukämen Angebote für Mieter zu Carsharing-Kooperationen. In Busanbindung befindet sich fast direkt vor der Tür.

Sobald der Bebauungsplan beschlossen sei, werde die SWB, das Projekt zügig vorantreiben, sagt Leuner-Haverich. „Für Planung, Bau und Bezug benötigen wir sicher dann noch zwei bis drei Jahre.“

„Tarzan und Jane“

Bei Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes 2017 hat die Stadtverwaltung so genannte Flächensteckbriefe für Wohnbaupotzenzialflächen erstellt. Auch die Fläche „Junkerberg“ ist dabei, auch sie wurde bewertet. In dem Steckbrief heißt es, dass als „realisierbares Angebot“ dort 35 Wohnungen entstehen könnten – in Einfamilien- und Reihenhäuser sowie „altengerechtes Wohnen“. Für Weende hatte die Verwaltung elf potenzielle Neubaugebiete bewertet.

Bei der geplanten Bebauung greift die Städtische Wohnungsbaugesellschaft auf einen Entwurf zurück, den das an der Hamburger Elbchausseee ansässige Büro Spengler Wiescholek Architekten Stadtplaner ursprünglich für die Stadt Bremen erstellt hat. Hier wurde das „Tarzan und Jane“ genannte Gebäudepaar bereits mehrere Male gebaut. Dabei schließt sich ein großes Haus mit schlichter Putzfassade an ein kleineres, farbenfroheres Haus an. Beide sind durch ein Treppenhaus miteinander verbunden. Gebaut werden sie serieller Bauweise, das sich an industriellen Herstellungsprozessen orientiere. Die Häuser können in Serie gebaut werden, was die Baukosten niedrig halten und Wohnraum bezahlbar machen soll.

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Von Michael Brakemeier

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