Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Viel Schatten, wenig Licht
Die Region Göttingen Viel Schatten, wenig Licht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:23 22.03.2017
Von Michael Brakemeier
Das sogenannte Sartorius-Quartier in der Nordstadt Quelle: Meder
Anzeige
Göttingen

Die Schwächen in der Nordstadt überwiegen. Bei seinen Untersuchungen des Viertels zwischen Kreuzbergring, Robert-Koch-Straße, Christophorusweg, Liebrechtstraße und Bahnanlagen hat das Planungsbüro Plan Zwei aus Hannover ein ganzes Bündel von Defiziten erarbeiten, die den Stadtteil prägen.

Dazu gehört die Verkehrsbelastung durch die Bahn und Weender Landstraße. Die Planer bemängeln zudem fehlende Plätze und Grünanlagen, wo sich Anwohner aufhalten können. Zwar gebe es große Parkplätze bei den Lebensmittelmärkten, für Anwohner fehlten diese aber, stellten die Planer aus Hannover fest. Auch gebe es nur wenige und enge Fahrradweg. Ein Stadtteilidentität fehle oder sei nur gering. Es bestehe Modernisierungsbedarf. Wohnungsangebote für Familien fehlten völlig.

Anzeige

Zu den Stärken des Gebietes gehören seine Nähe zu Universität und Innenstadt, das Angebot an Nahversorgern, das Entwicklungspotenzial und den guten Anschluss an des Netz des öffentlichen Personennahverkehrs.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt das Planungsbüro Astoc aus Köln in seiner städtebaulichen Rahmenplanung. Die Kölner bemängeln zudem, dass es in dem Viertel keine gute Wegeverbindung von Ost nach West gibt. Kritisiert wird ein fehlendes Stadtteilzentrum oder "offene Nachbarschaftseinrichtungen". "Die Nordstadt erfüllt momentan nicht die Funktion eines innerstädtischen Stadtquartiers", stellen die Kölner fest.

In ihren Analysen gehen beide Büros auch auf die Bevölkerungsstruktur ein. So ist der Stadtteil wegen seiner Nähe zur Uni geprägt von jungen Erwachsenen. Der Anteil der 19- bis 30-Jährigen beträgt dort 61 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Ihr Anteil an der Göttingens Gesamtbevölkerung macht aber nur 27 Prozent aus. Und während Menschen über 60 Jahren 22 Prozent der Göttinger Bevölkerung ausmachen, sind es in der Nordstadt nur neun Prozent.

Die Planer bemängeln dieses "Ungleichgewicht bei der sozialen Durchmischung" in der Nordstadt. Als Strategie dagegen empfehlen die Kölner Planer in ihrem Rahmenplan auf die Entwicklung einer "familienfreundlichen Nordstadt". Um das zu erreichen, sei aber die Mitarbeit der privaten Immobilienbesitzer notwendig.

Dabei ist der Rahmenplan ein informelles Planungsinstrument. Es soll als Leitfaden für die zukünftige städtebauliche Entwicklung in der Nordstadt dienen. Die vorbereitenden Untersuchungen beinhalten ein, wie die Stadtverwaltung formuliert, "umsetzungsorientiertes integriertes Entwicklungskonzept". Die Untersuchung ist Vorbereitung für den Antrag auf Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm.

Der Rahmenplan Nordstadt und die aktualisierte vorbereitende Untersuchung soll nun im Bauausschuss am Donnerstag, 6. April, beraten werden. Eine Ratsentscheidung darüber soll am Freitag, 12. Mai, fallen. Der Antrag auf Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm des Landes muss nach Angaben der Stadtverwaltung bis zum 31. Mai beim niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung vorliegen.

Die Untersuchungen

170321_ Goe_NS_ (30 MB)
2017-03-15-Präsentation-Göttingen Nordstadt (885 kB)