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Göttingen Pleite des Jungen Theaters Göttingen: Betrügerin belastet Aufsichtsrat
Die Region Göttingen Pleite des Jungen Theaters Göttingen: Betrügerin belastet Aufsichtsrat
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21:23 28.05.2013
Von Jürgen Gückel
Quelle: Archivbild
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Göttingen

Der Insolvenzverwalter wirft den Kontrolleuren vor, ihre Aufgabe nicht erfüllt zu haben, so dass die Schäden erst durch diese mangelnde Aufsicht hätten eintreten können. Deshalb sollen die Mitglieder für gut 62 000 Euro haften.

Vor dem Zivilrichter des Landgerichts sagte die bereits per Strafbefehl verurteilte Buchhalterin aus: Ja, sie habe die Jahresabschlüsse gefälscht und Testate des Wirtschaftsprüfers hineinkopiert. Nein, der Aufsichtsrat habe nie moniert, dass er für 2006 gar keinen Abschluss zu sehen bekam.

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Fehler nicht bemerkt

Er habe auch die Schreib- und Rechenfehler in den gefälschten Abschlüssen 2007 und 2008 nicht bemerkt. Und er habe nicht kritisiert, dass nach dem ersten, vom Wirtschaftsprüfer vorgelegten Abschluss dieser nie wieder dabei war, wenn sie Zahlenwerke vorgelegt und erläutert habe.

Dies sei jeweils erst in der Sitzung geschehen, so dass diese vorher nicht geprüft werden konnten. Nachfragen habe es nur gegeben, wenn Ausgabeerhöhungen nicht zu den geplanten Werten passten. Das habe sie dadurch erklärt, dass der Wirtschaftsplan die Spielzeit, der Abschluss aber das Kalenderjahr umfasst habe.

Allerdings relativierte die Frau auf Nachfragen auch einige vorherige Darstellungen. Denn zuvor hatte das Gericht weitere vier Aufsichtsratsmitglieder befragt.

Aufsichtsräte kannten Gesellschaftervertrag nicht

Unter anderem hatte Sozialdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck (SPD), die kraft Amtes im JT-Kontrollorgan sitzt, gesagt, sie habe mit dem Kulturamtschef die Abschlüsse schon vor der Sitzung auf Plausibilität geprüft, nicht aber auf rechnerische Richtigkeit.

Am Rande kam heraus, dass die Aufsichtsräte den letztgültigen Gesellschaftervertrag, in dem ihre Aufgabe beschrieben wird, gar nicht kannten. Sie hatten zwar mitbeschlossen, diesen zu ändern, was aber wohl nie umgesetzt wurde.

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