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Göttingen Politiker kritisieren Café-Betreiberin
Die Region Göttingen Politiker kritisieren Café-Betreiberin
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19:03 20.04.2010
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Die Vorkommnisse im Kabale seien „lächerlich“ im Vergleich mit den Äußerungen Grumme-Salamons, konterte der Fraktionsvorsitzende der Linken im Rat der Stadt, Patrick Humke-Focks. Es seien solche Aussagen, die Ressentiments in der Gesellschaft schüren würden und verfolgt werden müssten. „Ich fordere die Staatsanwaltschaft auf, nach diesen Zitaten wegen Verdachts der Volksverhetzung zu ermitteln“, so Humke-Focks. Solche Formulierungen stammten aus den Zeiten des deutschen Faschismus und seien nicht zu tolerieren.

Auch die SPD-Ratsfraktion reagierte „mit Entsetzen“ auf die „nicht hinnehmbaren“ Äußerungen von Grummes-Salamon. „Es ist unbestritten, dass es Mitbürger gibt, die aufgrund ihrer äußeren Erscheinung oder ihres Benehmens nicht in eine Kaffeehausidylle passen. Wer jedoch diese Personen als ‚Dreck‘ oder ‚Ungeziefer‘ bezeichnet, hat jeden Anspruch auf Verständnis verloren“, sagte Klaus-Peter Hermann, Vorsitzender des städtischen Sozialausschusses, in einer Pressemitteilung. Er forderte Grummes-Salamon auf, sich für „eine solche Entgleisung“ zu entschuldigen.
Ähnlich äußerte sich die kulturpolitische Sprecherin der Ratsfraktion der Grünen, Dagmar Sakowsky. „Die Wortwahl von Frau Grummes-Salamon grenzt an Volksverhetzung und erinnert in erschreckender Weise an die Rhetorik im Nazideutschland“, erklärte sie. Auch Sakowsky forderte eine öffentliche Entschuldigung von Grummes-Salamon.

„Fassungslos“ zeigte sich Thomas Harms, Pastor im Diakonieverband des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Göttingen. „Die Leiterin des Cafés Cron & Lanz sollte eine jähe Überprüfung ihres Menschenbildes vornehmen. Mit ihrer rechtsradikalen Terminologie in der Beschreibung von Mitbürgern unserer Stadt stellt sie sich in eine Linie mit Leuten, die randständige Bürger gerne aus dem Stadtbild eliminieren würden“, sagte Harms.

Unterdessen sichert der Ratsherr und Landtagsabgeordnete Humke-Focks dem Betreiber-Kollektiv des Café Kabale seine „volle Solidarität“ zu. Die Debatte um den Rausschmiss einer Beschäftigten der Stadt und die Ermittlungen wegen möglicher Diskriminierung seien „grotesk und zynisch“. Wiederholt hätten Göttinger Diskotheken nicht deutsch aussehende Gäste mit offenen rassistischen Aussagen abgewiesen. Ihnen sei die Konzession nicht entzogen worden.

afu/us

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