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Göttingen Schnelles Internet in Hetjershausen? Jetzt wird es erst einmal noch langsamer
Die Region Göttingen Schnelles Internet in Hetjershausen? Jetzt wird es erst einmal noch langsamer
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14:55 24.01.2020
Der Internetanbieter Goetel/OR-Network will eine eigene Glasfaserkabel-Leitung bis Hetjershausen und weiter nach Knutbühren verlegen. Es gibt allerdings bereits eine von der Telekom verlegte Leitung. Quelle: Meinhard
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Hetjershausen

Ein Zirkus, ein Durcheinander, ein Ärgernis, eine Märchenstunde. Die derzeitigen Internetprobleme in Hetjershausen haben während einer Informationsveranstaltung am 23. Januar im Sporthaus im Hetjershäuser Weg von den Bürgern allerlei kritische Prädikate verliehen bekommen. Es waren viele Menschen erschienen, weder die Parkplätze vor noch die Sitzmöglichkeiten im Sporthaus reichten aus. Eingeladen hatte der Ortsrat Groß Ellershausen/Hetjershausen/Knutbühren. Rede und Antwort standen der Beauftragte der Stadtverwaltung Göttingen für Digitalisierung, Stefan Eilert, Dirk Ebrecht von Vodafone und Mario Stichwort vom hiesigen Internetanbieter Goetel/OR-Network. Die Telekom hatte abgesagt.

„Wir werden heute versuchen, Licht in dieses Durcheinander zu bringen“, mit diesen Worten begrüßte Ortsbürgermeisterin Heidrun von der Heide (SPD) die Anwesenden. Sie merkte mit dem nächsten Atemzug an, dass Lösungen weder von der Stadtverwaltung noch vom Ortsrat zu erwarten seien. Weshalb das über die lokalpolitische Schiene nicht möglich ist, deutete sich in einem Brief des SPD-Bundestagsabgeordneten Thomas Oppermann an, den die Ortsbürgermeisterin verlas. Oppermann hatte ihn an den Präsidenten der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, geschrieben. Die Behörde ist zuständig für den von der Bundesregierung vorgegebenen Ausbau des Internets in Deutschland.

Vergabe nach dem „Windhund-Prinzip“

Schneller soll das Internet werden. Doch in Hetjershausen ist es jetzt erst einmal langsamer geworden, deutlich langsamer. Der Grund: Die Beschlusskammer der Bundesnetzagentur hatte entschieden, dass nur einem Netzbetreiber der technische Zugriff auf alle Anschlussleitungen in einem Kabelverzweiger zu erlauben ist. Im Fall Hetjershausen ist das Goetel/OR-Network. Das Unternehmen hatte für diese Aufgabe als Erster die Hand gehoben und damit nach dem „Windhund-Prinzip“, wie es genannt wird, den Zuschlag erhalten. Goetel/OR-Network ist mit dem Eintrag in die Vectoring-Liste die Verpflichtung eingegangen, innerhalb eines Jahres den Vectoring-Ausbau zu realisieren.

Damit Anbieter wie Telekom, Vodafone oder 1 & 1 (die daraufhin Sonderkündigungen aussprechen mussten) ihre bisherigen Leistungen (in der Regel von 50 Megabit pro Sekunde) weiter anbieten können, müssen sie sich beim nun ausbauberechtigten Netzbetreiber einkaufen. Bis dahin müssen Kunden deutlich geringere Geschwindigkeiten von 16 Megabit und darunter in Kauf nehmen. Oder sie wechseln zum Netzbetreiber Goetel/OR-Network GmbH.

„Eine faktische Monopolstellung“

Oppermann schreibt nun in seinem Brief: „Eine solche faktische Monopolstellung des Netzbetreibers zu Lasten der Bürgerinnen und Bürger kann sicherlich nicht im Interesse der Bundesnetzagentur sein.“ Er appelliert an Homann dafür zu sorgen, dass Bürgern eine „echte Wahlfreiheit“ und eine leistungsfähige Breitbandversorgung ermöglicht wird.

Vorhaben von Goetel/OR-Network ist es nun, durch den Göttinger Ortsteil Hetjershausen ein Glasfaserkabel zu verlegen (erst dann ist laut Stichwort ein Vectoringausbau umsetzbar) und möglichst viele Einwohner, mindestens jedoch 60 Prozent, davon zu überzeugen, dass sie Goetel/OR-Network als Versorger wählen und sich für Glasfaser entscheiden. Die Hausanschlusskosten variieren zwischen 100 bis 400 Euro, je nach Anschlussleistung. Auf Unverständnis stieß in der Versammlung die Tatsache, dass es bereits eine von der Telekom verlegte Glasfaserkabelleitung gibt – finanziert mit Steuermitteln, wie ein Bürger anmerkte. Ob die nicht von Goetel/OR-Network genutzt werden kann, wurde mehrfach nachgefragt. Stickwort verneinte, das würde sich als nicht wirtschaftlich für sein Unternehmen darstellen.

„Wir werden ein Jahr aussitzen“

Unter den Teilnehmern gab es viele Nachfragen, die auch eine allgemeine Verärgerung ausdrückten. Gegenüber dem Tageblatt erklärte ein Bürger, dass „hier im Ort gewiss niemand bei der Goetel einen Vertrag unterschreiben“ werde. „Wir werden alle ein Jahr aussitzen, die erneute Vergabe an die Telekom abwarten und dann auf schnelleres Internet hoffen.“ Keine Gegenliebe fanden die als zu hoch eingeschätzten Gebühren von Goetel/OR-Network, wenngleich Dirk Ebrecht, immerhin vom Mitbewerber Vodafone, die Preise als akzeptabel bewertete. Ebrecht sagte zu, dass Vodafone etwaige Verträge, die jüngst von Bürgern in Hetjershausen unter einem „Handlungszwang“ abgeschlossen wurden, rückabgewickelt werden könnten.

Göttingens Digitalisierungs-Beauftragter Eilert erklärte nachhaken zu wollen, ob die Telekom ihre Glasfaserleitung nicht doch zur Verfügung stellen kann. „Es ist nie umsonst, an die Vernunft zu appellieren.“

Komplizierte Gemengelage

Die Gemengelage von politischen Vorgaben und technischen Details auf dem deutschen Weg zum schnellen Internet ist kompliziert. Aktuell gibt es drei Anschlussvarianten: DSL (basierend auf Kupferleitungen, mit bis zu 16 Megabit), VDSL (Glasfaser ist teilweise verbaut, bis zu 50 Megabit) und Glasfaser (Highspeed, die Datenautobahn der Zukunft, wie es heißt, mit bis zu 1000 Megabit).

Die Vectoring-Technik ist eine Art Zwischenschritt, eine Erweiterung des VDSL-Standards, allerdings störanfällig. Um so länger das Kupferkabel, um so größer die Leitungsdämpfung. Treten in einem Leitungsstrang viele Signale auf, sind sie bei Kupfer relativ schlecht voneinander abgeschirmt, es kann zu elektromagnetischen Störungen kommen. Vectoring soll sie ausgleichen. In Hetjershausen hat die hessische Firma OR Network, die im Konsortium mit der Göttinger Firma Goetel und der Kasseler Firma ACO tätig ist, den Zuschlag für die beiden Schaltkästen erhalten.

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Von Ulrich Meinhard

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