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Göttingen Polizei ermittelt gegen "Freundeskreis"
Die Region Göttingen Polizei ermittelt gegen "Freundeskreis"
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00:18 02.07.2017
Von Markus Scharf
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Göttingen/Bovenden

Aktuell ermitteln die Göttinger Beamten wegen gefährlicher Körperverletzung gegen acht Mitglieder der "Volksbewegung". Sie sollen am 9. April einen Mann in Bovenden angegriffen haben. Der 64-Jährige war nach Angaben der Polizei am Nachmittag mit seiner Frau in Richtung Bushaltestelle an der Göttinger Straße unterwegs. Als er gegen 14.15 Uhr zu Fuß das angrenzende Tankstellengelände passiert habe, sei ihm eine Gruppe Männer aufgefallen, die er zunächst für Motorradfahrer gehalten habe. Damit lag er allerdings falsch, wie er wenig später feststellen musste. Er habe gerade hinter seiner Frau die Straßenseite überquert, als er seine Verfolger bemerkt habe.

Zu Boden gestoßen und bedroht

Aggressiv und mit der Aufforderung, er möge "sofort die Fotos löschen", hätten die Männer Jagd auf den Senior gemacht, gab dieser gegenüber der Polizei an. Tatsächlich habe er eine Kamera dabei gehabt. Die allerdings habe während der gesamten Zeit deutliche sichtbar vor seinem Bauch gehangen - mit geschlossenem Objektivdeckel. Doch noch bevor er das den Männern erklären konnte, wurde er nach Angaben der Polizei zu Boden gestoßen. Ein 27-jähriger Zeuge sagte später gegenüber der Polizei aus, die Männer hätten im Kreis um den Mann herumgestanden, ihn bespuckt und getreten.

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Der 27-Jährige war es auch, der die Polizei am Folgetag auf den Fall aufmerksam machte. Denn das Opfer verschwand zunächst von der Bildfläche, nachdem seine Verfolger von Passanten überrascht von ihm abgelassen hatten. Der Zeuge hingegen lieferte den Beamten nicht nur eine detaillierte Schilderung des Vorfalls. Er machte sie außerdem auf ein Foto aufmerksam, das auf der Facebookseite des "Freundeskreises" am Tattag gepostet worden war. Darauf identifizierte er eindeutig die Verdächtigen. In gemütlicher Runde posierten die FKTN-Mitglieder an der Burg Plesse - wenige Minuten bevor sie an der Tankstelle den Kamerabesitzer attackiert haben sollen.

Zur Vernehmung nicht erschienen

Erst nach einem Aufruf im Tageblatt meldete sich der Angegriffene selbst bei der Polizei und machte seine Aussage. Er bestätigte den Angriff und identifizierte die Angreifer. Er habe Prellungen erlitten, habe sich aber nicht ärztlich behandeln lassen. "Wer in welcher Form an der Tat beteiligt war, müssen jetzt die weiteren Ermittlungen zeigen", erklärte Polizeisprecherin Jasmin Kaatz.

Erst im April hatten Mitglieder des damaligen "Freundeskreises" nach einer Kundgebung in Göttingen und einer gescheiterten Kundgebung im Lager Friedland Fotografen angegriffen und ihre Verfolgungsjagd ebenfalls auf Facebook in einem Video für die Nachwelt und die Ermittlungsbehörden festgehalten. Diese Aufnahmen sind mittlerweile ebenso wie die Gruppenfotos vom Plesseausflug gelöscht worden. Der Strafantrag lautet hier ebenfalls: versuchte gefährliche Körperverletzung und Nötigung.