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Göttingen Polizei und Staatsanwaltschaft Göttingen verhaften drei mutmaßliche Internet-Betrüger
Die Region Göttingen Polizei und Staatsanwaltschaft Göttingen verhaften drei mutmaßliche Internet-Betrüger
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15:17 07.08.2013
Von Jürgen Gückel
Quelle: Polizei
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Northeim/Göttingen

Drei mutmaßlichen Internet-Betrügern wurde so das Handwerk gelegt. Sie sollen rund 1200 Käufer zur Vorkasse gebeten, dabei rund 300 000 Euro ergaunert und die bestellte Ware nicht geliefert haben.

Die Aktion war einer der vorerst größten, aber arbeitsreichsten Erfolge der Schwerpunktstaatsanwaltschaft zur Bekämpfung der Internetkriminalität, die seit Anfang 2012 mit drei Staatsanwälten in Göttingen angesiedelt ist. Zusammen mit der in Hildesheim ansässigen ZKI klären die spezialisierten Strafverfolger Gaunereien im weltweiten Netz auf.

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Strafanzeige gegen Northeimer Internethändler liefert die Spur

Auslöser war diesmal eine Strafanzeige gegen Internethändler aus Northeim. Der Mann war angezeigt worden, weil angeblich bei ihm Waren bestellt und diese nicht geliefert worden seien. Bald stellte sich heraus, dass der Unternehmer unschuldig ist und Opfer von Computerhackern geworden war, die sich unbemerkt seines Onlineshops bemächtigt hatten. Als die Beamten darauf stießen, dass die Gauner nicht nur diesen, sondern eine ganze Reihe von Internetshops betrieben, setzte die Polizeidirektion ihre ZKI mit dem Fachkommissariat Internetkriminalität auf die Spur. In akribischer Kleinarbeit, so Polizei und Staatsanwaltschaft, sei dann eine Vielzahl von Daten ausgewertet worden. Sinniger Name der Ermittlungsgruppe: „AK Bohne“ – eine Anspielung darauf, dass überwiegend Kaffeeautomaten im Angebot der Betrüger waren.

Mindestens 35 Shops

Das Ergebnis führte zu drei Haftbefehlen des Amtsgerichts Göttingen. Demnach haben ein seit langem in Spanien lebender Deutscher sowie zwei Männer aus dem Rheinland mindestens 35 verschiedene Shops betrieben, in denen hochwertige Kaffeevollautomaten und Elektronikartikel zu scheinbar konkurrenzlosen Preisen angeboten wurden. Dem Tageblatt liegt eine Liste mit 46 Online-Shops vor, von denen aus die Gauner tätig waren. Das reicht von A wie „alek-trade.com“ bis V wie „voltmer-discountshop.com“. Darunter sind auch schöne Namen wie „restpostenwelt2000.com“ oder „einkaufen-leichtgemacht.com“. Vor vielen der Shops wird seit langem auf einschlägigen Verbraucherschutz-Seiten gewarnt, weil sie im Verdacht der Internet-Abzocke stehen.

In den bisher ermittelten 35 Shops, die den Verhafteten zugerechnet werden, sind nach bisherigen Erkenntnissen 1194 Geschäfte abgewickelt worden. Immer überwiesen die Kunden im Voraus, weil jeweils darauf bestanden wurde, bei einer Erstbestellung lediglich Vorkasse zu akzeptieren. Darauf wurden die Preise, oft mehrere hundert Euro, überwiesen, die Lieferungen hingegen blieben aus. In keinem einzigen Fall seit Mitte 2011, so teilt die Staatsanwaltschaft mit, sei geliefert worden. Der Gesamtwert der bestellten und bezahlten Ware belaufe sich auf rund 300 000 Euro.

Umfangreiches Beweismaterial

Bei der Verhaftung der drei Verdächtigen wurde umfangreiches Beweismaterial beschlagnahmt. Dieses werde nunmehr ausgewertet. Grundlage der Ermittlungen und Verhaftung in Spanien sei internationale Rechtshilfe gewesen, teilt Presse-Oberstaatsanwalt Frank-Michael Laue mit.

Der Artikel wurde aktualisiert.

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