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Göttingen Polizistin bei Demo „Gegen den Krieg in Gaza“ in Göttingen verletzt
Die Region Göttingen Polizistin bei Demo „Gegen den Krieg in Gaza“ in Göttingen verletzt
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17:07 20.07.2014
Von Britta Eichner-Ramm
Aufgeheizte Stimmung bei Demo "gegen den Krieg in Gaza": Polizisten versuchen die Lager in der Roten Straße voneinander zu trennen. Quelle: BE
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Göttingen

Teilnehmer einer Gegendemonstration, die sich laut Polizei aus Angehörigen der linken Szene zusammensetzte, hielten Israelfahnen provokativ in Richtung der bis dahin rund 300 „Gaza“-Kundgebungsteilnehmer, darunter etliche Frauen und Kinder sowie Mitglieder verschiedener islamischer Gemeinden und einigen Antifa-Angehörigen.

Laut Polizeiangaben kam es daraufhin zu „körperlichen Auseinandersetzungen.

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Beim Versuch, die Gruppen zu trennen seien Schlagstöcke eingesetzt worden, eine Polizistin sei durch einen Faustschlag am Kopf verletzt worden.

Die Situation hatte sich hochgeschaukelt, als die maximal 50 Demonstranten des pro-israelische Bündnisses gegen Antisemitismus und Islamismus die Teilnehmer der Kundgebung „Gegen den Krieg in Gaza“ mit den Israelfahnen provozierte. Gegen 15.25 Uhr hatten sich auf am Gänseliesel zunächst etwa 300 Menschen eingefunden, erste Redebeiträge „gegen den Krieg in Gaza“ fanden statt.

Auf Transparenten wurde Israel als Kindermörder bezeichnet und in Sprechchören „Free Palestine“ gefordert.

„Allahu Akbar“

Noch während der Einsatzleiter der Polizei mit den Organisatoren der Kundgebung den Ablauf besprach, traten die laut Polizeiangaben zirka 50 Teilnehmern der Gegenkundgebung in Aktion. Diese hatten sich zunächst unauffällig vor dem Karstadt-Sporthaus postiert.

Es entwickelte sich zunächst eine verbale Auseinandersetzung zwischen Teilnehmern der „Gaza-Demo“ und pro-israelischen Teilnehmern der Gegendemo. Die Stimmung schlug schnell ins Aggressive um. Immer mehr „Gaza-Demonstranten“ drängten in Richtung der Provokateure, die an der Roten Straße standen und angesichts der voran drängenden Menschenmasse unter lautstarken Parolen wie „Allahu Akbar“ („Gott ist groß“)zurückgedrängt wurden.

Die Polizei versuchte eine weitere Eskalation zu verhindern und wollte die Gruppen trennen. Dabei kam der Schlagstock zum Einsatz. Die Beamten seien, berichten Augenzeugen, von den heranstürmenden „Gaza-Demonstranten“ regelrecht überrannt worden.

„Monsters of Göttingen

Aus Reihen des Bündnisses der Gegendemo wird der Polizei „totales Versagen“ vorgeworfen, zumal es bei ähnlichen Demos in anderen Städten bereits „zu antisemitischen Übergriffen“ gekommen sei. Auf der Internetseite  „Monsters of Göttingen“ heißt es, man hätte vorbereitet sein können.

Schließlich gelang es, die Lager zu trennen. Während sich die pro-israelische Gruppe in die Rote Straße zurückzog, kehrten die „Gaza-Demonstranten“ wieder zum Markt zurück, wo wenig später der Versammlungsleiter an die Teilnehmer der Kundgebung appellierte, friedlich zu bleiben, handle es sich doch nicht um eine religiöse Demonstration sondern um eine friedliche Demonstration gegen den Krieg im Gaza.

Bei Gegendemonstranten „zahlreiche Verletzte“

Gegen 15.50 Uhr setzte sich die „Gaza-Demonstration“ dann vom Markt aus in Bewegung. Während der anschließenden Marschroute durch mehrere Straßen den Innenstadt blieben weitere Zwischenfälle aus. Bei Erreichen des Groner Tores war der Demozug nach Polizeiangaben auf rund 600 Teilnehmer angewachsen.

Nach einer Abschlusskundgebung war die Demo gegen 17.20 Uhr am Gänseliesel beendet. Die Teilnehmer verließen in Kleingruppen den Markt. Auch die Gegenkundgebung hatte sich zuvor aufgelöst.

Die Polizei leitete Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ein. Unterdessen habe es auch in Reihen der Gegendemonstranten „zahlreiche Verletzte“ gegeben, mindestens eine Person habe zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden müssen, so Franka Stockebrandt, Sprecherin des Bündnisses.

Bei einer von pro-palästinensischen Gruppen organisierten Kundgebung „Gegen den Krieg in Gaza“ am Sonnabendnachmittag in der Göttinger Innenstadt ist die Situation eskaliert.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.