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Göttingen Hart und spannend: So ist der Tatort aus Göttingen
Die Region Göttingen Hart und spannend: So ist der Tatort aus Göttingen
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18:49 30.01.2019
Strafversetzt nach Göttingen: Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) mit ihrem neuen Vorgesetzten Gerd Liebig (Luc Feit). Quelle: NDR / Christine Schroeder
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Göttingen

 Nein, Liebe auf den ersten Blick ist es wahrlich nicht. Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) will nicht nach Göttingen. Muss sie aber. Nach einem Ermittlungsfehler in ihrem 25. Tatort-Fall wird die Kriminalhauptkommissarin vom Landeskriminalamt Hannover in die „Provinz“ nach Göttingen strafversetzt. Sie ist sich sicher nicht länger als zwei Wochen in dieser „beschissenen Stadt“ zu bleiben.

Lindholm findet sich deutlich zu toll für Göttingen“, beschreibt Furtwängler. Und dann trifft sie dort auch noch auf ihre neue Kollegin, Kriminalkommissarin Anaïs Schmitz (Florence Kasumba). Auch keine Liebe auf den ersten Blick. „Ihr zu begegnen, ist wie gegen eine kraftvolle Wand zu laufen“, beschreibt Furtwängler Lindholms Erfahrungen mit der toughen Göttinger Ermittlerin Schmitz.

Im Göttingen-„Tatort“ spielt Furtwängler alias Charlotte Lindholm erstmals an der Seite von Florence Kasumba alias Anaïs Schmitz, weil Lindholm nach Göttingen strafversetzt wurde.

Schon die Eingangssequenz von „Das verschwundene Kind“ zeigt: Es ist hinter Göttingens Fachwerkfassade nicht alles so idyllisch, wie es die sonnendurchfluteten Bilder vom Gänseliesel, Wilhelmsplatz und Alten Rathaus scheinen lassen. Hier der Obdachlose, dort die Schmuddelecken und das Idunazentrum als anonymer Wohnbunker. Die Musik Johannes Kobilkes kündigt nahendes Unheil an.

Tatort-Produzentin Iris Kiefer beschreibt das so: „Ich sehe am Anfang Göttingen, eine unheimlich idyllische Stadt, und ich spüre ganz früh, dass in dieser Stadt unausgesprochene Dinge gären. Das ist ein bisschen diese Atmosphäre, die man am Anfang von Blue Velvet hat, unter dem grünen Rasen und dem weiß gestrichenen Gartenzaun spielen sich Dinge ab, die wir nicht sehen und vielleicht auch nicht sehen wollen.“ Schnell weicht im Film die fast übertrieben humorvolle Stimmung, die in den Szenen herrscht, wenn die beiden Alpha-Frauen Lindholm und Schmitz sich behaken, Lindholm Göttingen kennenlernt und sich im neuen Team behaupten muss, einer düsteren Atmosphäre.

„Ihr zu begegnen, ist wie gegen eine kraftvolle Wand zu laufen“, beschreibt Furtwängler Lindholms Erfahrungen mit der toughen Göttinger Ermittlerin Schmitz. Quelle: NDR Presse und Information

Der Fall, mit dem es Lindholm und Schmitz zu tun haben, ist schwere Kost. Für die Ermittler, für die Zuschauer. In der abbruchreifen, verdreckten Umkleidekabine eines Schul-Sportplatzes der „Adolf-Stern-Schule (Geschwister-Scholl Gesamtschule) wird entdeckt, dass hier eine Frau unter mysteriösen Umständen ein Kind zur Welt gebracht hat. Manches deutet auf ein Verbrechen hin. Wo sind Mutter und Kind, leben sie noch? „Es ist kein klassisches Whodunit“, kündigt Tatort-Redakteurin Sabine Holzgreve an.

Ein Tatort von und mit „starken Frauen“

Die Tatort-Folge in der Regie von Franziska Buch zieht ihren Reiz nicht nur aus Handlung und Thema. Sie lebt vom Spiel und Aufeinandertreffen der beiden Kommissarinnen. „Ich lerne die Person erst kennen. Ich freue mich auf das, was noch kommt“, sagt Kasumba über ihre aufbrausend, energiegeladene Ermittlerin Schmitz. Und die ist die erste schwarze Tatortermittlerin überhaupt. Es sei ein Tatort von „starken Frauen“ – vor und hinter der Kamera. „So soll es sein“, sagte NDR-Filmchef Christian Granderath.

Darüber hinaus ist es für die Göttinger Zuschauer, darunter rund 120 Komparsen, die an der Folge mitgewirkt haben, reizvoll zu sehen, welche Straßen und Gebäude im Film vorkommen. Oder der Umgang der Tatort-Macher mit Göttingen-Klischees, wie etwa die Fahrradstadt Göttingen oder als linke Studentenstadt. Spoiler: Das wirkt etwas übertrieben, etwas plump.

Premierenpublikum. Quelle: Niklas Richter

Den Komparsen hat der Film aber gefallen. „Ich bin für zwei Sekunden zu sehen, davon eine unscharf“, berichtet Thomas Klawunn aus Herberhausen. Er spielt den Pressefotografen. Um 22 Uhr sollte der Dreh der Szene beginnen, um 3 Uhr seien die Dreharbeiten immer noch nicht beendet gewesen, berichtete Klawunn. „Hat trotzdem Spaß gemacht.“ Seine Tochter Meira ist als Schülerin der „Adolf-Stern-Schule“ zu sehen. „Total cool“, sagte sie nach der Premiere.

„Wir arbeiten bereits am nächsten Fall“, sagte Granderath. Gedreht werden soll ab Sommer. Und weiter: „Zwei Tatorte in Göttingen – das wäre zu wenig für Göttingen.“ Das „schöne Städtchen“ habe sehr viele Themen zu bieten, sagte Grande und nennt das Uni-Milieu und den „Mythos Brüder Grimm“. Göttingen komme mit dem Tatort zurück auf die bundesweite mediale Landkarte, ist sich Granderath sicher. Bei der Premiere in Göttinger Cinemaxx am Dienstagabend verriet Furtwängler, dass sie eine „emotionale Bindung“ zu Göttingen habe, habe doch ihre Mutter hier ihr erstes Theaterengagement gehabt. Und Kasumba hoffte, noch ein „wenig mehr“ von Göttingen zu sehen. Denn über eines sind sich Schauspielerinnen und Filmteam: In Göttingen sind sie mit offenen Armen und herzlich begrüßt worden.

„Wir hätten nichts dagegen, wenn sie länger in Göttingen blieben“, sagte Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) Richtung Ermittler-Duo und NDR-Team. „Wir sind bereit, sie wieder aufzunehmen.“ Und Köhlers Eindruck von der ersten Folge? „Schweres Thema, spannend, toll umgesetzt“, urteilte Göttingens Oberbürgermeister.

Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Göttingen und Tatort-Preview im Cinemaxx: die Schauspielerinnen Maria Furtwängler und Florence Kasumba. Quelle: Niklas Richter

Vor der Premierenvorstellung hatten sich Kasumba und Furtwängler ins goldene Buch der Stadt eingetragen. Neugierige und Premierenbesucher drängten sich an den Absperrungen, um dicht an beiden Fernsehstars zu sein. Nach der Vorführung fanden beide noch Zeit für viele Selfies mit den Premierengästen.

Der Tatort ist dann am Sonntag, 3. Februar, um 20.15 Uhr in der ARD zu sehen. Im Anschluss steht er in der Mediathek zur Verfügung. Bereits am Freitag ist Furtwängler in der Radio Bremen-Talkshow „3nach9“ zu Gast, um dort von den Dreharbeiten mit ihrer neuen Kollegin Kasumba zu erzählen.

Von Michael Brakemeier

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