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Göttingen Silvester: Mit Krach ins neue Jahr – oder lieber doch nicht?
Die Region Göttingen Silvester: Mit Krach ins neue Jahr – oder lieber doch nicht?
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07:16 29.12.2018
Feuerwerk – muss das sein?
Feuerwerk – muss das sein? Quelle: Jan Vetter
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Göttingen/Duderstadt

Feuerwerk oder kein Feuerwerk? Das polarisiert derzeit. In vielen Städten Südniedersachsens gilt zwar ein Böllerverbot, aber trotzdem gehen die Meinungen auseinander.

Feuerwerk in Maßen gehört dazu, findet Andreas Fuhrmann

Andreas Fuhrmann Quelle: Christina Hinzmann

Böllern ist out. Mehr noch: Wer Feuerwerk abbrennt, wird mittlerweile wahlweise als Umweltverschmutzer, Menschenfeind oder Tierquäler gebrandmarkt. Letzter Schrei: Einzelhändler machen einen Feuerwerksboykott zur Marketing-Aktion. Ne, ist klar... Ich lasse mir die Knallerei dennoch nicht vermiesen. Denn in Maßen gehört Feuerwerk für mich zu Silvester einfach dazu.

Wenn ich von Feuerwerk spreche, meine ich ohnehin nur ein paar Raketen oder eine Batterie mit Leuchteffekten. Das sieht schön aus und verschlingt keine horrenden Summen. Für 10, 20 Euro kaufe ich ein – mehr nicht. Und parallel spende ich Geld an eine Hilfsorganisation. So mache ich das schon seit Jahren – und werde daran auch nichts ändern.

Unterdessen wird ein generelles Böllerverbot in Innenstädten gefordert – oder bereits umgesetzt. Das ist auch begrüßenswert, wenn damit die Altstadt wie in Göttingen geschützt werden soll. Nur bringen dummerweise Verbote allein oftmals nicht den gewünschten Nutzen. Vor allem dann nicht, wenn es an Personal fehlt, diese auch durchzusetzen.

Dann doch lieber keine Symbolpolitik betreiben – und stattdessen eine Alternative bieten. Die Verwaltung in Hann. Münden beispielsweise stellt dort einen Feuerwerk-Abbrennplatz auf dem Tanzwerder zur Verfügung. Das habe sich bewährt, heißt es im dortigen Ordnungsamt. In der Fachwerkstadt gebe es seitdem weniger Probleme.

Was hingegen gar nicht geht, sind Auswüchse, die es auch schon in Göttingen zu beobachten gab. Da beschießen sich Halbstarke nicht nur gegenseitig mit ihren Böllern. Nein, sie zielen mit Raketen auch auf Passanten oder Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr. Wenn jemand wissentlich und willentlich Verletzungen anderer Menschen beim Böllern in Kauf nimmt, hört der Spaß eindeutig auf.

Ich lasse das lieber, sagt Rüdiger Franke

Rüdiger Franke Quelle: Christina Hinzmann

Ich böllere nicht. Vor vielen Jahren habe ich mich dagegen entschieden. Mir liegt es aber fern, jene zu verurteilen, die es tun. Jeder soll diese Entscheidung für sich treffen. Ich will auch niemandem ein schlechtes Gewissen einreden. Sicher gibt es Menschen, die ihr Geld spenden. „Brot statt Böller“ fordert zum Beispiel„Brot für die Welt“, das Entwicklungswerk der evangelischen Kirchen in Deutschland, seit 1981. Hab ich aber auch noch nicht gemacht. Das Brot, dass ich damit finanziert habe, landete in meinem Magen oder dem mir bekannter Menschen .

Immerhin sorge ich für etwas weniger Feinstaubbelastung, denn der wird beim Böllern freigesetzt und so wird an vielen Messstellen schon am ersten Tag des Jahres der erste Überschreitungstag verbraucht. Aber wer Feinstaub ins Feld führt, der dürfte nicht mal mit dem Fahrrad fahren.

Ich muss zugeben, dass ich vor einigen Jahren doch einmal wieder geböllert habe. Wegen der Kinder. „Ja, nee, ist klar“, wird manch einer jetzt denken. Doch mir beziehungsweise uns war wichtig, dass sie den richtigen Umgang mit den Feuerwerkskörpern lernen, wenn sie diese selbst zünden wollen. Denn Sicherheit ist tatsächlich ein gewichtiges Argument. Eine unschöne Feuerwerksbegebenheit an einem Silvesterfest in meiner Jungend ist Anlass genug für mich.

Gebranntes Kind scheut das Feuer, heißt es im Sprichwort. Doch das ist auch nicht der Grund. Wie schon angedeutet, setze ich das Geld lieber für andere Dinge ein – leckeres Essen oder ein lautes Konzert.

Abschließend will ich aber doch noch das Gewissen bemühen. Zumindest seinen Müll könnte jeder wieder einsammeln. Das geht auch nach ein paar Gläsern Bier.

Von Rüdiger Franke und Andreas Fuhrmann