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Göttingen 49 Professoren fordern Rücktritt des Stiftungsvorsitzenden
Die Region Göttingen 49 Professoren fordern Rücktritt des Stiftungsvorsitzenden
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17:47 19.07.2019
Die Kritik einiger Professoren richtet sich auch gegen den Stiftungsvorsitzenden der Universität Göttingen, Dr. Wilhelm Krull. Quelle: VW-Stiftung
Göttingen

In ihrer Protestnote kritisieren die Hochschullehrer erneut das Auswahlverfahren und zweifeln Spouns Qualifikation an. Bislang sei kein derart „beeindruckendes Konzept zur Entwicklung der Universität“ bekannt geworden, welches es gerechtfertigt erscheinen ließe, ihn als alternativlos zu präsentieren, heißt es in der Protestnote, die die Professoren Dorothea Bahns, Thomas Kaufmann, Reinhard G. Kratz und Martin Laube unterzeichnet haben. Zu dem erfülle Spoun ein wesentliches Kriterium des Ausschreibungstextes nicht: er sei kein international ausgewiesener Wissenschaftler.

Der Vorsitzende des Stiftungrates der Universität und der Findungskommission, Dr. Wilhelm Krull, hält dem entgegen, er habe nie von alternativlos, sondern von „mit großem Abstand am besten geeignet“ gesprochen. Die Universität Göttingen stehe vor einem großen Umbruchsprozess, um sich im Wettbewerb um den Titel Exzellenzuniversität im dritten Anlauf wieder durchzusetzen. Dabei gehe es nicht nur um das Geld, das mit dem Titel verbunden sei, sondern um die große Reputation, die der Universität nach ihrem Scheitern im vergangenen Jahr fehle. Spoun habe für diesen Umbruchsprozess die klarsten Vorstellungen präsentiert, so Krull. Die stellvertretende Sprecherin des Senats der Universität Göttingen, Prof. Yasemin Boztug, ergänzte, dass der 50jährige Spoun schon seit 12 Jahren Rektor einer Universität sein, und diese Aufgabe in der Regel nur wenig Zeit für wissenschaftliche Veröffentlichungen lasse.

Der Senat, so heißt es in der Protestnote, habe zudem der Bitte aus der Professorenschaft nicht entsprochen, den Kandidaten öffentlich vorzustellen. Es habe auch bei anderen Präsidentenwahlen keine Versammlung der gesamten Hochschulöffentlichkeit gegeben, sagt dagegen Boztug. Es hätten aber sehr viele Gespräche zwischen Spoun und unterschiedlichen Akteuren der Universität vor der wahl stattgefunden.

Der Stiftungsvorsitzende Krull trage für die schwierige Lage der Universität mindestens ebenso viel Verantwortung „wie die einst von ihm mit ins Amt gehobene und nun fallen gelassene Präsidentin“, schreiben die vier Professoren in ihrer Protestnote. Sie fordern Krulls Rücktritt. Als boshaft und ärgerlich bezeichnete Krull die Behauptung, er habe die Unipräsidentin Ulrike Beisiegel fallen gelassen. Diese Kritik habe keine Grundlage. Die Universität sei in einer schwierigen Situation, die sich durch den vorzeitigen Ruhestand von Ulrike Beisiegel noch verschärft habe. In dieser Situation werde er nicht zurücktreten.

Vom niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, fordern die Professoren in ihrer Protestnote, in der verfahrenen Situation gemeinsam mit der Göttinger Professorenschaft und von ihr entsandten Vertretern einen Ausweg aus der Kriese der Universität Göttingen zu finden.

Protestnote Göttinger Professoren und Professorinnen

Die unterzeichnenden Professorinnen und Professoren der Georg-August-Universität Göttingen protestieren gegen die am 20.6.2019 mit großer Mehrheit des Senats und des Stiftungsrates erfolgte Wahl des Herrn Dr. Spoun zum Präsidenten unserer Universität. Obschon die Legalität dieser Entscheidung nach Lage der Dinge juristisch nicht anfechtbar zu sein scheint, erachten wir sie dennoch als zutiefst illegitim und einer renommierten Universität unangemessen. Unsere Gründe sind:

1. In verfahrenstechnischer Hinsicht konnte bisher der Verdacht nicht ausgeräumt werden, dass Herr Dr. Spoun als „Berater“, als den er sich selbst bezeichnet, Einsichten in den Besetzungsvorgang des schließlich ihm selbst übertragenen Amtes nehmen konnte, die ihm zum Vorteil gereichten.

2. Wir wissen inzwischen, dass es personelle Alternativen zu Herrn Dr. Spoun gegeben hätte. Dass er, wie der Vorsitzende der Findungskommission, Dr. Krull, behauptet, der einzige infrage kommende Kandidat gewesen sein soll, ist nicht nachvollziehbar. Es widerstreitet elementaren demokratischen Usancen, dass eine echte Wahl durch die Nominierung nur dieses einen Kanndidaten verhindert wurde. Zudem ist den bisherigen Berichten und Veröffentlichungen kein derart „beeindruckendes“ Konzept zur zukünftigen Entwicklung der Universität zu entnehmen, welches es hätte gerechtfertigt erscheinen lassen, ihn als alternativlos zu präsentieren.

3. Die professoralen Vertreter des Senats und die Mitglieder des Stiftungsausschusses, die sich auf dieses Verfahren eingelassen haben, haben unser Vertrauen verwirkt. Sie haben unsere Bitte, zunächst, wie bisher üblich, eine öffentliche Vorstellung des Kandidaten zu veranstalten und uns eine Auseinandersetzung mit ihm zu ermöglichen, ignoriert und auch nicht zur Aufklärung des zweifelhaften Verfahrens und der widersprüchlichen Aussagen dazu beigetragen.

4. Herr Dr. Spoun erfüllt ein wesentliches Qualifikationsmerkmal des Ausschreibungstextes für das ihm übertragene Amt nicht: Er ist kein international ausgewiesener Wissenschaftler. Wir halten es für ein fatales Signal, unsere Forschungsuniversität durch einen forschungsfernen, in seinem bisherigen Wirken als Präsident einer anderen niedersächsischen Hochschule höchst umstrittenen Manager vertreten zu lassen. Die nationale und internationale Außenwirkung dieser Entscheidung, so zeigt sich in zahlreichen Gesprächen mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, aber auch Vertreterinnen und Vertretern der großen Wissenschaftsorganisationen schon jetzt, ist desaströs.

5. Wir fordern eine grundsätzliche Überprüfung der Governance-Strukturen der Stiftungsuniversität Göttingen. Diese haben es ermöglicht, dass eine Präsidentenwahl unter weitest gehender Nichtbeteiligung der für die Universität Göttingen und ihre nationale wie internationale Reputation entscheidenden Professorinnen und Professoren erfolgt ist.

6. Wir fordern den Rücktritt des Stiftungsratsvorsitzenden Dr. Krull, der – zusammen mit dem von ihm geleiteten Kontrollgremium, dem Stiftungsrat – für die schwierige Lage unserer Universität mindestens ebenso viel Verantwortung trägt wie die einst von ihm mit ins Amt gehobene und nun fallen gelassene Präsidentin.

7. Wir fordern den Niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kultur dazu auf, in dieser verfahrenen Situation Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam mit der Göttinger Professorenschaft und von ihr entsandten Vertretern einen Ausweg aus der Krise der Universität Göttingen zu suchen.

 

Prof. Dr. Dorothea Bahns, Professorin für Mathematische Physik

Prof. Dr. Thomas Kaufmann, Professor für Kirchengeschichte

Prof. Dr. Reinhard G. Kratz, Professor für Altes Testament

Prof. Dr. Martin Laube, Professor für Systematische Theologie

Von Christiane Böhm

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