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06:00 05.03.2019
Professorin Uta Meier-Gräwe Quelle: r
Göttingen

Das Gleichstellungsbüro der Stadtverwaltung Göttingen hat Professorin Uta Meier-Gräwe von der Universität Gießen anlässlich des Internationalen Frauentags eingeladen. Die studierte Ökonomin und Soziologin will am Mittwoch, 6. März, ab 18 Uhr im Ratssaal des Neuen Rathauses zum Thema „Frauenberufe aufwerten“ sprechen. Die Professorin setzt sich für eine geschlechtergerechte Verteilung und eine bessere Bezahlung von sozialen Dienstleistungen (wie etwa in der Pflege) ein.

Frage: Die Kümmerer sind meistens Frauen. Warum fühlen sie sich eher als Männer genötigt, Arbeiten zum Wohle anderer zu leisten?

Antwort: Das hat viel damit zu tun, dass im Zuge der Industrialisierung eine strikte Rollenteilung erfolgte. Männer wurden zu den Ernährern, Frauen konzentrierten sich auf Reproduktionsarbeiten in Haus und Familie. Es ändert sich aber nach wie vor eine ganze Menge in der Gesellschaft, vor allem durch Bildung, die für alle zugänglich ist. Frauen sind gleich oder sogar besser qualifiziert. Was bleibt, sind die Arbeiten im Haushalt, sind Pflegearbeiten etwa für Angehörige. Und was bleibt, ist auch die Frage, wie wir diese Arbeiten organisieren können, wenn Frauen sie aufgrund ihrer Berufstätigkeit nicht mehr allein leisten können und wollen. Dabei geht es nicht nur um eine reine Umverteilung zwischen den Partnern, sondern um ein Auslagern in den gewerblichen Sektor. Gleichstellungsbüro der Stadtverwaltung Göttingen hat Professorin Uta Meier-Gräwe von der Universität Gießen anlässlich des Internationalen Frauentags eingeladen. Die studierte Ökonomin und Soziologin will am Mittwoch, 6. März, ab 18 Uhr im Ratssaal des Neuen Rathauses zum Thema „Frauenberufe aufwerten“ sprechen. Die Professorin setzt sich für eine geschlechtergerechte Verteilung und eine bessere Bezahlung von sozialen Dienstleistungen (wie etwa in der Pflege) ein.

Wenn Mann lästige Hausarbeiten von Frau abgenommen bekommt, wird er sich wohl nicht drängeln, sie zu übernehmen. Wie können Männer inspiriert werden, sich daran deutlicher zu beteiligen, und warum übernehmen Frauen diese Tätigkeiten oft wie selbstverständlich?

Wahrscheinlich haben Frauen ein größeres Harmoniebedürfnis und umgehen es, dieses leidige Thema anzusprechen. Aber man muss das ausdiskutieren, spätestens wenn Kinder kommen. Es ist auch eine Frage der Fairness. Übrigens fällt auch keinem Kind ein Zacken aus der Krone, wenn es sich bei der Hausarbeit einbringt. Andererseits dürfen Männer nicht als Weichei abgestempelt werden, wenn sie Erziehungszeit nehmen. Als gute Leute gelten in den Betrieben leider nach wie vor Arbeitnehmer, die immer da sind und Überstunden machen.

Wie kann es in der Gesellschaft zu einem Bewusstseinswandel kommen?

Der darf nicht nur auf der Bewusstseinsebene erfolgen, sondern zum Beispiel auch durch eine Reform des Steuerrechts. Wir fördern eher das klassische Modell mit Ehegattensplitting. Solche steuerlichen Fehlanreize müssen beseitigt werden.

Würde eine rein maskuline Gesellschaft verkommen?

Ja. Erfahrungen in Ostdeutschland zeigen, dass dort, wo viele gut ausgebildete Frauen nach der Wende nach Westdeutschland oder ins Ausland gegangen sind, viele schlecht ausgebildete Männer vor Ort zurückbleiben, die dann oft politisch nach rechts abdriften.

Der Kampf um Gleichberechtigung geht also weiter. Geht er in eine neue Phase?

In die neue Phase müssen die heute jungen Frauen eintreten. Oft wird ja behauptet, dass sie sich dafür nicht interessieren. Andererseits haben junge Frauen die Me too Debatte angestoßen. Junge Frauen kümmern sich also durchaus. Das, was Männer gut können, nämlich Netzwerke knüpfen, sollten auch Frauen tun. Und sie müssen dort mit Widerstand rechnen, wo es um Macht und Entscheidungen geht. Deshalb brauchen wir eine Quote. Als Beispiel: In der inneren Medizin haben wir 70 Prozent Absolventinnen, aber nur 3,6 Prozent von ihnen besetzen Spitzenpositionen.

Provokante Frage: Könnte es sein, dass Frauen evolutionsbiologisch für bestimmte Arbeiten prädestiniert sind?

Die Unterschiede sind relativ klein. Arbeitgeber machen gute Erfahrungen, wenn sie ihre Teams ausgeglichen besetzen. Das hat die besten Arbeitsergebnisse zur Folge. Rein männliche Teams stehen heute nicht mehr automatisch für Innovation. Beispielsweise wäre das, was in der Autobranche passiert ist, in einem gemischten Team nicht passiert. Es werden noch immer viele alte Zöpfe hochgehalten – vor allem dann, wenn es um Besitzstandswahrung geht.

Von Ulrich Meinhard

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