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Göttingen Traktoren und Demonstranten gegen geplanten Logistik-Park
Die Region Göttingen Traktoren und Demonstranten gegen geplanten Logistik-Park
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00:20 12.12.2018
Protestzug von Neu-Eichenberg nach Hebenshausen mit Treckerzug und Menschenkette zwischen den Orten. Quelle: Niklas Richter
Hebenshausen

Eine „rote Linie“ gegen den in Neu-Eichenberg geplanten Logistikpark haben am Sonnabend 900 größtenteils rot gekleidete Bürger mit einer Menschenkette gezogen. Auch 60 Trecker waren an der Aktion beteiligt.

Impressionen von der Protestaktion

Der Himmel war grauschwarz verhangen. Es regnete zeitweise in Strömen. Der Wind blies eisig kalt über die kahlen Äcker. Doch das hielt die Gegner des Logistikparks, den die Bensheimer Dietz AG auf einer 80 Hektar großen Fläche zwischen Hebenshausen und Eichenberg-Dorf errichten will, nicht von ihrem Protest ab. Dick eingepackt in rote Pullover und Westen, Windjacken und Zipfelmützen hatten sich die Demonstranten. Die vielen Kinder trugen rote Lufballons, von denen einige vom Wind davon geweht wurden. Sogar ein Weihnachtsmann und ein Engel mit kleinen Flügeln und blonder Perücke begleiteten den Protestzug vom Bahnhof in Richtung Hebenshausen.

Rhythms of Resistance

„Beton kann man nicht essen“, stand auf den Transparenten und: „Wir sind das Investitionsrisiko“ oder „Das ist die Kohle nicht wert“. Der Chor Cantamus aus Witzenhausen sang während des Marsches. Die Kasseler Brassband „Blech und Schwefel“ spielte. Für Sambaklänge sorgten Witzenhäuser und Göttinger Musiker des transnationalen Netzwerks Rhythms of Resistance (RoR). Mit ihren rosa Perücken machten sie sich zugleich für queere Identitäten stark.

„Viele Bürger unserer 1800-Einwohner-Gemeinde haben erst in den vergangenen Monaten realisiert, was für eine Dimension das geplante Logistikgebiet haben wird“, berichtete die Ärztin Dr. Barbara Freemann von der 80 Mitglieder starken Bürgerinitative für ein lebenswertes Neu-Eichenberg. Bis zu 28, jeweils 15 Meter hohe Logistikhallen, bis 130 Meter an Hebenshausen heranrückten, würden die Kommune „völlig verändern“.

Angst vor Lärm, Feinstaub und Staus

Die vom Investor angekündigte Erhöhung des Verkehrs um täglich 1000 Autos sowie 2000 Lkw beunruhigt auch Bürger angrenzender Gemeinden wie Friedland oder Witzenhausen, die sich ebenfalls unter den Demonstranten befanden. Sie fürchten eine Zunahme des Lärms, von Feinstaubbelastungen und Staus. Wenn bei Sperrungen der Autobahn noch der Umleitungsverkehr dazu komme, drohe ein „Kollaps“, erklärte ein Witzenhäuser gegenüber dem Tageblatt.

Auch aus Göttingen und Kassel waren Gegner des Projekts angereist. Die zunehmenden Wetterextreme wie sich wiederholende Jahrhundertsommer oder Starkregenereignisse zeigten, dass etwas gegen den Klimawandel getan werden müsse, sagte ein Kasseler. Ein großes Logistikzentrum passe da nicht mehr in die Zeit. Auf diesen Punkt wies Wolf von Bültzingslöwen, der Werra-Meißner-Kreisvorsitzende des Naturschutzverbandes BUND, während der Abschlusskundgebung hin.

Vergleich mit Frankfurter Flughafen

Ein Bürger aus Eichenberg-Dorf äußerte gegenüber dem Tageblatt seine Sorge, dass es in Neu-Eichenberg nachts nicht mehr dunkel werde. Wie der Frankfurter Flughafen werde das Logistikgebiet rund um die Uhr taghell beleuchtet sein. Die angrenzenden Dörfer würden nicht mehr zur Ruhe kommen.

Dass Bauern mit dem Projekt ebenfalls nicht einverstanden sind, machten 60 Treckerfahrer deutlich. Sie empört, dass hochwertiges Ackerland versiegelt wird. 200 000 Bauernhöfe seien in den vergangenen 20 Jahren aufgegeben worden, berichtete bei der Abschlusskundgebung Georg Janßen, der Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft. Jungbauern werde mit dem Projekt die „Chance genommen“, an Land zu kommen. Durch die Versiegelung nehme sich Deutschland zudem die Möglichkeit, sich selbst mit Lebensmitteln versorgen zu können.

Von Michael Caspar

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