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Göttingen Protest gegen Verzicht auf ICE-Stopp in Göttingen
Die Region Göttingen Protest gegen Verzicht auf ICE-Stopp in Göttingen
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09:21 23.08.2019
Göttingen soll von Mitte September bis Dezember nicht mehr von der ICE-Linie 22 angefahren werden. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Die Ankündigung der Deutschen Bahn, ab Mitte September bis zum Fahrplanwechsel im Dezember den ICE der Linie 22 Stuttgart-Hamburg nicht mehr in Göttingen halten zu lassen, sorgt für Unmut. Der Fahrgastverband Pro Bahn hat sich dem Protest von Stadt und Landkreis gegen die Entscheidung der Bahn angeschlossen und kritisiert die Absicht der Bahn, den „ICE-Systemerhalt Göttingen durch zusätzliche Streichungen zu schwächen“. Die Bahn hatte den Schritt damit begründet, dass es in der Bauzeit der ICE-Strecke Hannover-Göttingen Probleme auf der auch von Regional- und Güterverkehr genutzten Umleitungsstrecke gebe.

„Wir haben erhebliche Zweifel daran, dass die erhofften positiven Effekte im Betriebsablauf eintreten“, sagt Pro-Bahn-Sprecher Gerd Aschoff: „Sicher sind allerdings die Einbußen für die Fahrgäste, die schon jetzt erhebliche Einschränkungen hinzunehmen haben und denen nun zusätzliche Anschlüsse verloren gehen.“ Wegen der sechs Monate andauernden Bauarbeiten auf der Schnellstrecke Hannover-Göttingen entfalle schon jezt die ICE-Linie Karlsruhe-Gießen-Göttingen-Hamburg. Verbindungen nach Berlin würden nur alle zwei Stunden angeboten. Die Bahn müsse die Fahrgäste für die Zumutungen besser entschädigen, meint Aschoff. Die zu Beginn der Bauarbeiten den Pendlern angebotenen zehn Prozent Nachlass für das Streckenabo seien ohnehin zu wenig: „Sollte es bei der zusätzlichen Streichung des Halts der Stuttgarter Linie bleiben, wären die zehn Prozent ein schlechter Witz.“

Bahn soll zurückrudern

Gegen die Entscheidung der Deutschen Bahn, den ICE der Linie 22 Hamburg-Stuttgart ab Mitte September bis zum Fahrplanwechsel im Dezember nicht mehr halten zu lassen, haben Stadt und Landkreis Göttingen bereits interveniert. Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler und Landrat Bernhard Reuter (beide SPD) haben die Bahn in einem Protestschreiben aufgefordert, dieses Vorhaben zu revidieren. Auch sie hegen erhebliche Zweifel, dass die angestrebte Zeitersparnis im angemessenen Verhältnis zu den Einschränkungen für Bahnreisende steht. Die Bahn hat die außerplanmäßige Änderung mit nicht absehbaren Problemen auf der Umleitungsstrecke während der Arbeiten zur Modernisierung der ICE-Trasse zwischen Hannover und Göttingen begründet. Dort würden sich überproportional Verspätungen aufbauen und den Lauf anderer Züge behindern. Die vor 27 Jahren in Betrieb gegangene Schnellfahrstrecke wird seit Juni saniert. Die Arbeiten sollen bis Dezember abgeschlossen werden, von April bis Juli 2021 dann der Abschnitt Göttingen-Kassel saniert werden. ku

Unmut in Brief Luft gemacht

In einem Brief an Manuela Herbort, DB-Konzernbevollmächtigte für Niedersachsen, macht Aschoff seinem Unmut Luft. Die Betriebsqualität der Bahn habe seit Einrichtung der Großbaustelle auf der Schnellfahrstrecke Hannover-Göttingen ungeahnte Tiefen erreicht, die weit über die Befürchtungen hinausgingen. Angesichts jahrelanger Vorplanungen sowie Streichung der ICE-Verbindung Karlsruhe-Frankfurt-Gießen-Göttingen-Hamburg sei das nicht nachvollziehbar.

Die ICE-Line Hamburg-Göttingen-Stuttgart leide weniger an dem Zwischenstopp in Göttingen als an verspäteter Bereitstellung, Malaisen im Betriebsablauf, technischen Störungen an den Fahrzeugen und der Infrastruktur. Die würden sich in der Summe zu Verspätungen aufschaukeln. In der Region gebe es erhebliche Befürchtungen, dass sich die Einschränkungen für die ICE-Linie Stuttgart-Hamburg verstetigen könnten und es dann keine umsteigefreien Verbindungen zwischen Göttingen und Stuttgart mehr gebe, schreibt Aschoff.

CDU-Landtagsabgeordneter Thomas Ehbrecht

„Keiner sollte auf die Idee kommen, dauerhaft die Nord-Süd-Achse auszudünnen“ meint auch der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Ehbrecht: „Das wäre fatal für den Uni- und Wirtschaftsstandort Göttingen und den Klimaschutz.“ Auch er nutze den ICE für Fahrten zum Landtag nach Hannover und anderen Orten, könne persönlich aber mit Kompromissen in der Bauzeit leben. „„Ich nutze die Bahnstrecke fast täglich“, sagt der grüne Landtagsabgeordnete und ehemalige niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel: „Die Baustelle und die aktuelle baustellenbedingte Ausdünnung ist ärgerlich. Wichtig ist aber vor allem, dass Göttingen langfristig ein starker ICE-Systemhalt bleibt, und das ist gewährleistet.“

Göttingens Geschäftsführer Frank Meinertshagen. Quelle: Swen Pförtner

Das sagt Pendler Frank Meinertshagen

Seit 2004 pendelt Frank Meinertshagen, Geschäftsführer des Basketball-Bundesligisten BG Göttingen, regelmäßig zwischen seiner Heimatstadt Hannover und seinem Arbeitsort Göttingen. „Am schlimmsten sind die Verspätungen“, sagt der Veilchen-Boss, der sich darüber ärgert, dass dadurch und durch die Ausfälle viel „Freizeit zu Hause – nicht bei der Arbeit – verloren geht“. Er könne nachvollziehen, den Verkehr auf der Nord-Süd-Strecke angesichts der Bauarbeiten zu „entschlacken“, sieht das aber insgesamt als ein fatales Signal an die Pendler, ihnen gewohnte Verbindungen wegzunehmen. „Ich denke, ich werde in Zukunft häufiger auf das Auto umsteigen, das entscheide ich dann spontan.“

Thorsten Lehmann sieht überfüllte Züge

Torsten Lehmann pendelt seit vielen Jahren mit der Bahn von Göttingen nach Hannover. Meistens nimmt er dabei den ICE. Nach Angaben von Lehmann ist der Zug ständig überfüllt. Auf der Website der Bahn oder in der Bahn-App wird für nahezu jede Verbindung die Anmerkung „Hohe Auslastung erwartet“ oder „Sehr hohe Auslastung erwartet“ genannt. „Es ist eine Frechheit sondergleichen“, sagt Lehmann.

Pendler Torsten Lehmann ist verärgert, dass die Bahn ihr Angebot jetzt noch weiter ausdünnt. Quelle: R

Besonders problematisch wird es für Lehmann, wenn der Zug ausfällt. Hierzu sagt er: „Wenn der wegfällt, fahren mehr Leute in dem einen verbleibenden stündlich fahrenden ICE, da sich Pendler dann nicht mehr aufteilen können. Jetzt gibt es ja schon Schwierigkeiten, einen Sitzplatz zu finden. Wie soll es dann bei noch mehr Fahrgästen werden?“ Außerdem habe Lehmann schon erlebt, dass Fahrgäste ohne Sitzplatzreservierung wegen zu hoher Überlastung den Zug verlassen mussten. Nach Lehmanns Angaben wurde den Betroffenen dabei sogar ein Polizeieinsatz angedroht. Diese Ereignisse liegen jedoch schon ein paar Jahre zurück. Dazu der Pendler: „Wird man dann ohne Sitzplatzreservierung dazu genötigt, einen kostenpflichtigen Sitzplatz zu reservieren?“

Für Lehmann ist das Preis-Leistungs-Verhältnis für die ICE-Tickets keineswegs gerechtfertigt. „Wir Pendler zahlen einen ICE-Preis. Dann möchte ich auch halbwegs ICE-Leistungen bekommen.“

Von Kuno Mahnkopf, Kathrin Lienig und Pascal Wienecke

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